# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1911_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der 28. Allgemeinen oder lehrt, dieſe Kunſt verſteht. 1 Kor. 2 führt der Apoſtel Paulus aus, daß das Evangelium nicht eine Weisheit dieſer Welt, auch nicht der Oberſten dieſer Welt, ſondern die heimliche, verborgene Weisheit Gottes iſt, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unſerer Herrlichkeit, welche keiner von den Oberſten dieſer Welt erkannt hat. Die Predigt des Evangeliums nach Inhalt und Form kann einzig und allein der Heilige Geiſt lehren. Da nun der Heilige Geiſt allein in der Kirche iſt, ſo iſt die Kirche allein imſtande, der Welt das große Geheimnis des Evangeliums zu offenbaren. Es ſteht demnach ſo, daß, wenn die Kirche das Evangelium nicht predigt, das Evangelium überhaupt nicht gepredigt wird. Da nun aber die Predigt des Evangeliums nötig iſt zur Seligkeit der Menſchen, und ohne dieſe Predigt Chriſtus umſonſt gelitten hätte, ſo ſollen alle Glieder der Kirche, jung und alt, groß und klein, reich und arm, fleißig Evangelium predigen. In dieſem Berufe ſoll die Kirche ganz und gar aufgehen, daß ſie mit Recht den Namen „Predigerin“ verdient. „Zion, du Predigerin, ſteige auf einen hohen Berg! Jeruſalem, du Predigerin, hebe deine Stimme auf mit Macht; hebe auf und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da iſt euer Gott!“ Mag die Kirche im Drange der Zeit ſonſt allerlei löbliche Werke unterlaſſen, eins darf ſie nie vergeſſen: die Predigt von der Gnade Gottes in Chriſto JEſu. Wehe ihr, wenn ſie infolge von Vielgeſchäftigkeit dies ihr eigentliches Geſchäft vergißt oder auch nur vernachläſſigt! Unſere Synode, teure Brüder, iſt nun über ſechzig Jahre eine Predigerin geweſen. Der ſelige D. Walther war es vornehmlich, durch deſſen Dienſt Gott ſie zu einer Predigerin gemacht hat. Gebe der HErr, daß ſie es bleibe in ihren hohen und niederen Schulen, in ihren Gemeinden und auf ihren Miſſionen! — So laſſen Sie uns denn nun getroſt an unſere Arbeit gehen! Wir ſetzen über die Geſchäftsordnung aller Synodaltage die Überſchrift: Die Predigt des Evangeliums — das eigentliche Geſchäft der Miſſouriſynode. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Taten; Das Land bringt Frucht und beſſert ſich, Dein Wort iſt wohl geraten. Uns ſegen Vater und der Sohn, Uns ſegen Gott der Heilig' Geiſt, Dem alle Welt die Ehre tu', Für ihm ſich fürchte allermeiſt. Nun ſprecht von Herzen: Amen! ————— Hieran reihte ſich die Verleſung einer Präſidialrede des Ehrw. Allgemeinen Präſes D. F. Pieper durch den Sekretär, da der Ehrw. Präſes leider ſich genötigt ſah, auf perſönliche Teilnahme an den Sitzungen der Synode zu verzichten.