# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1911_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 13. Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1911. 21 Der Beruf der Kirche iſt, aus verlorenen und verdammten Menſchen begnadigte und ſelige Gotteskinder zu machen und in den finſtern, toten Herzen die lebendige Hoffnung des ewigen Lebens anzuzünden. Klar ſagt dieſes unſer Heiland Paulo bei ſeiner Erwählung zum Apoſtel: „Ich will dich jetzt ſenden unter die Heiden, aufzutun ihre Augen, daß ſie ſich bekehren von der Finſternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der Sünden und das Erbe ſamt denen, die geheiliget werden.“ Welches iſt nun das Mittel, durch das die Kirche dieſes erreicht? Dieſes Mittel ſind nicht allerlei ſelbſterwählte Methoden und Maßregeln. Chriſtus ſpricht: „Vergeblich dienen ſie mir, dieweil ſie lehren ſolche Lehren, die nichts denn Menſchengebot ſind.“ Dies Mittel iſt auch nicht das göttliche Geſetz. Gewiß, die Kirche ſoll das Geſetz predigen, aber nicht um dadurch ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, ſondern um den Menſchen zu zeigen, in welch verlorenem und verdammtem Zuſtande ſie ſich befinden, und daß ſie mit ihren Sünden Gottes Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und die ewige Verdammnis verdient haben. Das einzige Mittel, wodurch Menſchen gerettet und ſelig werden, iſt das ſüße Evangelium, die wunderbare Lehre, daß Gott alſo die Welt geliebt hat, daß er ſeinen eingeborenen Sohn gab, und daß Chriſtus durch Leiden und Sterben bereits eine ewige Erlöſung für alle erfunden hat, und jeder Sünder nun getroſt zugreifen ſoll. Deswegen ſprach der Auferſtandene im Kreiſe ſeiner Jünger: „Alſo iſt's geſchrieben, und alſo mußte Chriſtus leiden und auferſtehen von den Toten am dritten Tage und predigen laſſen in ſeinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jeruſalem.“ Will die Kirche daher ihre Aufgabe auf Erden erfüllen, ſo muß ſie beſtändig den Mund voll Evangelium haben und ihn fleißig und weit öffnen. Sie darf durch Mißerfolge ſich nicht bewegen laſſen, die Predigt des Evangeliums beiſeite zu ſetzen und andere Mittel zu verſuchen. Was durchs Evangelium nicht gerettet wird, kann überhaupt nicht gerettet werden. So wolle der liebe Gott ferner unſere Synode dabei erhalten, daß wir es unſer eigentliches Geſchäft ſein laſſen, das Evangelium in der Nähe und in der Ferne zu verkünden. Dann werden wir an unſerm Teile mithelfen, daß die zerſtreuten Kinder Gottes zuſammengebracht und zubereitet werden zu dem Reiche, das ihnen bereitet iſt von Anbeginn der Welt. Der dritte Grund, warum das eigentliche Geſchäft der Kirche die Predigt des Evangeliums ſein muß, iſt der Umſtand, daß die Kirche allein fähig iſt, das Evangelium zu predigen. Es iſt wahr, das Evangelium iſt auf der einen Seite ſo leicht, daß in der Chriſtenheit der Stammelnden Zunge es fertig und reinlich redet, wie wir das in unſern chriſtlichen Gemeindeſchulen täglich vor Augen haben, indem unſere kleinen Schulkinder fein ſäuberlich von den Geheimniſſen des Himmelreichs erzählen. Auf der andern Seite iſt aber die Predigt des Evangeliums ſo ſchwierig, daß kein Kind der Welt, und wäre es noch ſo ge⸗