# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S96 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 96 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Wie man von Deutschland aus über Deutschland nach Amerika berichtet. Ein eclatantes Beispiel hierzu findet sich in dem Februar⸗Heft des „Deutschen Kirchenfreundes“ aus Philadelphia. Darin berichtet u. A. ein Correspondent aus Würtemberg, wie der „Kirchenfreund“ uns versichert: „ein namhafter Schriftsteller,“ Folgendes: „Was insbesondere die lutherische Kirche betrifft, so ist sie in Deutschland (!) beim Volke bis auf den Namen fast verschwunden und bei den Gebildeten und bei den Theologen bis auf die Wurzel abgethan.“ Dieser „namhafte Schriftsteller“ scheint vor kurzem aus dem Monde gekommen zu sein und daher nichts von alle dem erfahren zu haben, was in seiner Abwesenheit auf Erden, namentlich in Deutschland geschehen ist; oder der Mann sieht das Dorf oder die Stadt in Schwaben, in welcher er residirt, für das einige Deutschland an. An diesem Beispiele können unsere geehrten Leser abnehmen, warum wir uns selten entschließen können, über deutsche Zustände Berichte aufzunehmen, die sich in den hiesigen Zeitschriften finden. Es grenzt ans Unglaubliche, was sich z. B. ein „Lutheran Observer“ über unser altes Vaterland von Correspondenten namentlich presbyterianischer und methodistischer Blätter berichten läßt. Es scheint fast, als ob die in Deutschland weilenden Amerikaner ihre Nachrichten über die Verhältnisse der deutschen Kirche von den Kellnern ihres Hotels einziehen. Die angebliche Christlichkeit der Vereinigten Staaten. Im „Evangelisten“ lesen wir: „Der „Free Presbyterian“ berichtet, daß James Buchanan, der erwählte Präsident der Vereinigten Staaten noch nicht getauft ist, und was man in Bezug auf Religion von ihm weiß, sei eine vor mehreren Jahren in einem Privatgespräch von ihm gegebene Versicherung, daß er an die Divinität der Bibel glaube und ein unerschütterliches Vertrauen auf die göttliche Vorsehung habe.“ Muster im Excerpiren. Der „Lutherische Kirchenbote“ gibt in der Nummer vom 6. Febr. zwei Excerpte aus der Schrift des Dorpater Kurtz: „Bibel und Astronomie.“ Und was gibt er seinen armen Lesern aus diesem allerdings viel Schönes enthaltenden Werke? — Die Behauptung, daß der erste Mensch vor Erschaffung des Weibes ein Hermaphrodit gewesen sei! Wie? konnte der Kirchenbote nichts Besseres finden, als diese alte von den Schwärmern Jacob Böhme, Valentin Weigel, Gichtel, dem Verfasser der Berleburger Bibel u. A. neu aufgewärmte jüdische Fabel? Luther schreibt hiervon: „Das andere Capitel (des 1. Buchs Mose) stößet um und treibet zurücke alle solche Lügen. Denn so das wahr sein sollte, wie wollte hier stehen, daß Gott Adam eine seiner Ribben genommen und ein Weib daraus gebauet habe? Solche Lügen findet man in dem Talmud, und hat man sie berühren müssen, daß wir daraus sehen des Teufels Bosheit, der den Leuten so ungereimte Dinge eingibt.“ (S. Luthers Auslegung des 1. Buch Mose zu 1, 27.) Baptisten. Dieselben zählten in den Vereinigten Staaten am Schlusse des vorigen Jahres im Ganzen 928,571 Glieder; hierunter waren 1725 deutsche und holländische, 200 schwedische, 1100 welsche Glieder. Die Gliederzahl der Freewill⸗Baptisten betrug circa 49,800; die der siebentägigen Baptisten 7000. Die Episcopalen in den Vereinigten Staaten hatten im verflossenen Jahre 39 Bischöfe in 31 Diöcesen und 1827 Presbyter und Diaconen; ihre Gliederzahl belief sich auf 116,731. II. Ausland. Canonisation. Bisher nahm man an, daß Duns Scotus, der berühmte Scholastiker und Verfechter der sogenannten unbefleckten Empfängniß Mariens aus dem 13. und 14. Jahrhundert, lebendig begraben worden ist, da man bei einer Oeffnung seines Grabes gefunden hat, daß er sich den Daumen einer Hand, präsumtiv in Verzweiflung, zerbissen hatte. Der gegenwärtige Pabst nun, da er gern zu Ehren jenes seines Dogma's den Vertheidiger desselben unter die Heiligen versetzen möchte, hat Auftrag gegeben, jenen Umstand, der die Canonisation bisher gehindert hat, näher zu untersuchen, das heißt, zu thun, was nöthig ist, damit man das anscheinend unchristliche Ende des Scholastikers mit Anstand in Abrede stellen könne.