# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S94 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 94 Lutherisch-theologische Pfarrers-Bibliothek. Classe aufzuschließen. Als das wichtigste und in einer lutherischen Pfarrers-Bibliothek unentbehrlichste Werk bezeichnen wir folgendes: „Abgedrungener Unterricht von kirchlicher Vereinigung der Protestanten, aus Liebe zur nothleidenden Wahrheit abgefaßt von Ernst Salomon Cyprian, D., Kirchen⸗ und Consistorialrath zu Gotha. Motto: Sir. 11, 7. 8. Frankfurt und Leipzig, 1722.“ Das Werk beträgt in 8. 930 Seiten und ist zum zweiten Male im Jahre 1726 herausgekommen. Den Verfasser haben wir bereits im Aprilheft vorigen Jahres S. 122 ff. kennen gelernt. Was die Veranlassung betrifft, welche Cyprian hatte, seine Schrift gegen die Union zu schreiben, so war es folgende. Der bekannte gelehrte Syncretist C. M. Pfaff, Canzler zu Tübingen,*) wendete sich 1720 privatim schriftlich an Cyprian mit der Bitte, daß derselbe ein Urtheil abgeben möge über seine (Pfaff's) Unionsunternehmungen. Cyprian that dies. Durch den Eifer eines hohen Herrn, dem Cyprian seine Antwort confidentiell mitgetheilt hatte, wurde dieselbe in der Leipziger Gelehrten⸗Zeitung, Nova Litteraria, veröffentlicht. Sowohl der erzürnte Pfaff, als die Unionsfreunde, namentlich die unter den Reformirten, setzten nun alles in Bewegung, um ein furchtbares Wetter über Cyprian herabzubeschwören. Es gelang ihnen dies auch so weit, daß selbst das Corpus Evangelicorum und mehrere reformirte Fürsten Anstalten trafen, den lieblosen „Friedensstörer“ und „Lästerer glorwürdigster Häupter“ zu züchtigen. Cyprian gerieth so in den Status confessionis; er sah sich daher in seinem Gewissen genöthigt, gerade nun, da seinem Bekenntniß zur Wahrheit mit scharfer Ahndung gedroht wurde, um so weniger zu schweigen. So erschien denn nun sein „Abgedrungener Unterricht von kirchlicher Vereinigung“ nicht nur in der gerade Cyprian so eigenen Weise jener Mäßigung, welche die Zuversicht auf unwiderlegliche Wahrheit und unwidersprechliche Gerechtigkeit und Billigkeit der Sache wirkt, sondern zugleich im Tone eines nicht zu erschreckenden Glaubens. Das Werk zerfällt in zwei Theile. In dem ersten weist Cyprian nach, daß eine absorptive Union der Lutheraner und Reformirten nicht möglich sei, da letztere erstlich im Grunde des Glaubens irrten und zweitens sich stets feindselig gegen die Lutheraner bewiesen und nur zu deutlich zu erkennen gegeben hätten, daß alle ihre Unions⸗ und Friedensvorschläge die Absicht im Hintergrund gehabt hätten, die Lutherischen allenthalben auszuheben und zu vernichten. Der zweite Theil enthält eine Sammlung höchst merkwürdiger aber seltener Documente, welche die eigentliche Lehre und Politik der Reformirten in ein helles Licht setzen. Darunter gehört Zwingli's Augsburgische Confession (aus dem ersten Druck); ferner Urkunden, die Aenderung der theologischen Statuten zu Frankfurt an der Oder, die Verfolgung der Lutheraner im Hessen⸗Casselschen und Anhaltischen, den Rathschlag der *) Bekannt namentlich durch seine in vieler Beziehung vortrefflichen Arbeiten über das Kirchenrecht; nicht zu verwechseln mit seinem orthodoxen Vater Joh. Christoph Pfaff, gest. 1720.