# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 10 13_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 15 meinschaft derjenigen, welche diese reine Lehre des Wortes Gottes mit Herz und Mund bekannt haben, darum von jeher Lutheraner genannt und unter diesem Namen gekannt worden sind und noch werden: so können wir jetzt allein mit dem Namen Lutheraner den Glauben rein und rund bekennen, den wir in unserem Herzen tragen, und wir würden, wenn wir diesen Namen ablegen wollten, wenigstens den höchsten Verdacht erregen, daß wir uns entweder der alten lutherischen Lehre schämten, oder daß wir dieselbe nicht mehr für die allein wahre, mit Gottes klarem Worte übereinstimmende Lehre hielten und einer neuen falschen Lehre im Herzen zugethan wären. So lieb uns daher die Wahrheit, so lieb uns Gottes Ehre und so lieb uns unserer Seelen Heil ist, so wenig können wir insonderheit in dieser Zeit allgemeiner Verwirrung den Namen Lutheraner hingeben, wodurch wir uns von allen Falschgläubigen aller Zeiten lossagen und den rechten Glauben aller Zeiten öffentlich bekennen. Man macht uns hierbei freilich die entsetzliche Beschuldigung, wir zerrissen damit den Leib Christi, sagten uns damit von Brüdern los, zückten das Schwerdt gegen Erben derselben Seligkeit und erklärten sie für unsere Feinde; aber man irrt sich. Wir sagen uns nur von den Irrthümern los, in welchen so viele unserer Brüder gefangen sind; und wir würden eben dann lieblos gegen sie handeln, wenn wir nicht gegen das laut zeugen wollten, wobei sie in so großer Seelengefahr sind. Es ist und bleibt auch unmöglich, daß das zum Verderben des Reiches Gottes gereichen könne, was im Gehorsam gegen Gottes ausdrücklichen Befehl geschieht. Dieser kann und muß bei einem Christen alle Bedenken heben, wenn es sich fragt, was er in irgend einem Falle zu thun habe. Klar steht aber das göttliche Gebot da, daß wir den Glauben nicht allein im Herzen tragen, sondern auch mit dem Munde bekennen sollen. Denn so spricht St. Paulus Röm. 10, 10.: „So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig.“ Und so spricht Christus: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Matth. 10, 32. 33. Da wir nun den lutherischen Glauben im Herzen tragen, so müssen wir dieß auch, wollen wir anders selig und nicht ewig verdammet werden, mit dem Munde bekennen. So haben alle rechtschaffene Lutheraner zu allen Zeiten gedacht und darnach gehandelt. Als unter anderen Georg, Markgraf von Brandenburg, zur Zeit der Reformation hörte, daß man ihn, um ihm einen Schimpf anzuthun, einen Lutheraner nannte, so erklärte er: „Ich bin auf Dr. Luthern nicht getauft; er ist nicht mein Gott und Heiland; ich glaube nicht an ihn und werde durch ihn nicht selig; und darum in einem solchen Sinne bin ich nicht lutherisch. Wenn ich aber gefragt werde, ob ich mich zu der Lehre, die mir Gott durch sein heilsames Werkzeug, Dr. Luthern, wieder gegeben hat, mit Herz und Mund bekenne, da habe ich kein Bedenken, noch Scheu, mich lutherisch zu nennen, und in diesem Sinne bin und bleibe ich mein Lebelang ein Lutheraner.“ So sehr Luther dagegen, als einen Greuel, gestritten hat, sich aus abgöttischem Vertrauen auf seine Person lutherisch zu nennen, so versteht es sich doch von selbst, daß auch er es dann nicht habe verwerflich finden können, wenn man in dem Falle ist, sich durch Führung dieses Namens von Irrgläubigen unterscheiden und zur rechtgläubigen Kirche sich bekennen zu müssen. Von diesem Falle schreibt der theure Mann also: „Ich sehe, daß eine gute Vermahnung noth ist, zu thun an die, so jetzt der Satan anfähet zu verfolgen; unter welchen etliche sind, die meinen, sie wollen der Fährlichkeit damit entlaufen, wenn man sie angreift, daß sie sagen: Ich halt's nicht mit dem Luther, noch mit Jemand, sondern mit dem h. Evangelio, und mit der heiligen oder römischen Kirche; so lasse man sie mit Frieden, und behielten doch im Herzen meine Lehre für evangelisch, und blieben dabei. Wahrlich, solch Bekenntniß hilft sie nicht und ist ebensoviel, als Christum verleugnet. Darum bitte ich, dieselben wollten sich ja wohl vorsehen. Wahr ist's, daß du ja bei Leib und Seel nicht sollst sagen: Ich bin lutherisch oder päpstisch; denn derselben ist keiner für dich gestorben, noch dein Meister, sondern allein Christus, und sollst dich einen Christen bekennen. Aber wenn du es dafür hältst, daß des Luthers Lehre evangelisch, und des Papstes unevangelisch sei, so mußt du den Luther nicht gar so hinwerfen; du wirfst sonst seine Lehre auch mit hin, die du doch für Christus Lehre erkennest. Sondern also mußt du sagen: der Luther sei ein Bube, oder Heiliger, da liegt mir nichts an; seine Lehre aber ist nicht sein, sondern Christus' selbst. Denn du siehest, daß die Tyrannen nicht damit umgehen, daß sie nur den Luther umbringen, sondern die Lehre wollen sie vertilgen; und von der Lehre wegen tasten sie dich billig an, und fragen dich, ob du lutherisch heißest. Hier mußt du wahrlich nicht mit Rohrworten reden, sondern frei Christum bekennen, es hab' ihn Luther, Claus oder Georg gepredigt. Die Person laß fahren, aber die Lehre mußt du bekennen. Also schreibt auch St. Paulus an Timotheum I. I, 8.: „Schäme dich nicht des Zeugnisses unseres HErren, noch meiner, der ich um seinetwillen gebunden bin.“ Wenn hie Timotheo genug gewesen wäre, daß er das Evangelium bekennete, hätte ihm Paulus nicht geboten, daß er sich sein auch nicht schämen sollte: nicht als der Person Pauli, sondern als der um des Evangelii willen gebunden war. Wo nun Timotheus gesagt hätte: Ich halte es nicht mit Paulo, noch mit Petro, sondern mit Christo, und wußte doch, daß Petrus und Paulus Christum lehrten, hätte er doch Christum selbst damit verleugnet. Denn Christus spricht Matth. 10. von denen, die ihn predigen: „„Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Warum das? Darum, daß sie seine Boten (die sein Wort bringen) also halten, darum ist's gleich als wenn er selbst und sein Wort also gehalten würden.“ (L. Werke. XX. 136.) [unleserlich] Luthers Thätigkeit. Die folgenden Thatsachen, welche Professor Stowe in seinem Biblical Repository in dem Artikel von Luthers Schriften anführt, beweisen die bewundrungswürdige Thätigkeit dieses Mannes: „Von 1517 bis 1526, die ersten zehn Jahre der Reformation, belief sich die Zahl seiner veröffentlichten Schriften auf 300; von 1527 bis 1537, das zweite Jahrzehend, war die Zahl derselben 232, und von 1537 bis 1546, das Jahr seines Todes, sind 183 Schriften von ihm herausgegeben worden. Dies giebt in diesen 29 Jahren die Summe von 715 Schriften, durchschnittlich 25 in einem Jahre, oder alle 14 Tage seines öffentlichen Lebens ein Buch. Zwar hat er diese Schriften nicht alle mit eigner Hand niedergeschrieben, sondern viele von seinen veröffentlichten Werken sind beim mündlichen Vortrage Luthers von seinen Schülern nachgeschrieben worden; auch ist's wahr, daß verschiedene von den Schriften Luthers nur kurze Abhandlungen sind, aber viele derselben sind auch große und gründlich ausgearbeitete Bücher. Unter den Umständen, unter welchen er schrieb, würde die Uebersetzung der Bibel allein eine riesenmäßige Aufgabe gewesen sein, selbst wenn er allein hierauf seine ganze Lebenszeit verwandt hätte.“ Was ist hiernach wohl von gewissen Leuten zu halten, welche vor Luthern und seiner Lehre unter dem Volke dadurch ein Grauen zu erwecken suchen, daß sie sagen, Luther sei ein Mann gewesen, der Tag und Nacht herumgeschwärmt, gut gegessen und getrunken, ein lustiges, faules Leben geliebt und darum das Kloster verlassen und ein Weib genommen habe? Lassen sich wohl bei einem Leben im Sause und Brause so viele und solche Bücher schreiben, wie Luther gethan hat?! Ein Christ ist im Werden und nicht im Wordensein. Also ist es mit dem christlichen Leben beschaffen, daß, wer es angefangen hat, sich dünken läßt, als ob er nichts habe, sondern er strecket sich darnach und gehet immer weiter fort, auf daß er es ergreife. Daher spricht Paulus Phil. 3, 13. 14.: „Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht, daß ich es ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist und strecke mich zu dem, das da vorne ist; und jage nach, dem vorgesteckten Ziel nach, dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo IEsu.“ Denn es ist in der That einem Gläubigen nichts schädlicher, als wenn er sich einbildet, er habe es schon ergriffen, und es sei nicht nöthig erst zu suchen. Denn daher kommt es, daß viele zurückfallen und vor Sicherheit und Faulheit verwelken und laß werden. Also spricht auch Bernhardus: „Wenn man auf dem Wege Gottes still steht, ist es ebensoviel, als wenn man zurück geht.“ Derowegen, wer angefangen hat, ein Christ zu sein, der ist schuldig, noch dieses zu thun, daß er gedenke,