# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S89 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Amerika's kirchliche Gegenwart und Zukunft. 89 sterblichen Leibe wallen und von Auferstandenen und Verklärten; die letzteren auf der unerneuerten Erde weilend, die nur zur Wohnstätte für Sterbliche eingerichtet ist; die Auferstandenen und Verklärten nach Ende der tausend Jahre von neuem in die Noth der Erde, in den Kampf und Streit verwickelt, der nur der diesseitigen Existenz angehört, und aufgeschreckt aus der Ruhe von ihrer Arbeit, die ihnen verheißen worden. Ueber Amerika's kirchliche Gegenwart und Zukunft. In dem ersten diesjährigen Quartalheft der Rudelbach⸗Guericke'schen „Zeitschrift“ findet sich eine ausführliche Anzeige der Schrift Herrn Dr. Schaff's: „Amerika. Die politischen, socialen und kirchlich-religiösen Zustände der Vereinigten Staaten von Nordamerika,“ aus Ströbel's Feder. Die Anzeige enthält zugleich die Angabe sowohl der Ansichten, welche Herr Dr. Schaff über die kirchliche Gegenwart und Zukunft Amerika's in der genannten Schrift ausgesprochen hat, als der eigenen des Recensenten hierüber. So wenig wir nun die Ansichten des ersteren oder des letzteren ganz theilen können, so haben wir doch die Aussprache beider, namentlich die des aufrichtig lutherischen Ströbel, mit nicht geringem Interesse gelesen, und da wir annehmen zu können meinen, daß unsere geehrten Leser die genannten Herrn mit gleichem Interesse über den bezeichneten Gegenstand hören dürften, so theilen wir denselben aus dem Gelesenen das Folgende mit. * * * Schaff behauptet: „Amerika scheint uns dazu bestimmt zu sein, das Phönixgrab aller europäischen Kirchen und Secten, des Protestantismus und Romanismus, zu werden.“ (S. 64.) Er kann es sich „unmöglich denken, daß irgend Eine der jetzigen Confessionen und Secten, etwa die römische oder die bischöfliche, oder die congregationalistische, oder die presbyterianische, oder die lutherische, oder die methodistische, oder die baptistische Kirchengemeinschaft, dort je zu ausschließlicher Herrschaft gelangen werde, wohl aber, daß sich aus der gegenseitigen Reibung aller allmählich etwas ganz Neues herausgestalten werde. Jedenfalls müsse das Reich Jesu Christi zuletzt auch in der neuen Welt über alle alten und neuen Feinde siegen. Dafür bürge uns die Masse von individuellem Christenthum in Amerika, vor allem aber die Verheißung des Herrn, der seiner Gemeinde den Sieg über die ganze Welt zugesagt hat; und seine Worte sind Ja und Amen.“ (S. 65.) — Unsere Ueberzeugung ist eine andere. Einen endlichen Sieg des Reiches Christi „über alle alten und neuen Feinde“ erwarten wir überhaupt erst am Ende dieses Zeitlaufs und können uns in Schaff's chiliastischen Hoffnungen auf und für Amerika nicht zurecht finden. Noch weniger aber begreifen wir, wie aus „gegenseitigen Reibungen“ und aus einer „Masse von individuellem Christenthum“ die Eine, göttliche Wahrheit hervorgehen könne. Daß die „neue Welt“ auch in religiöser und kirchlicher Beziehung noch eine große Zukunft vor sich habe, dafür sprechen alle Zeichen der Zeit. Wenn aber der Herr der Völker und Zeiten nicht eine Beschleunigung durch außerordentliche Begebenheiten herbeiführt, so liegt jene Zukunft noch in sehr weiter