# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S87 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein Zeugniß Dr. Hengstenbergs gegen den Chiliasmus. 87 noch zukünftigen tausendjährigen Reiche wird bekanntlich im 17. Artikel der Augsb. Conf. verworfen) gegen sich hat. So in der Erklärten Offenbarung S. 672: „Die annoch künftigen Jahre wurden (in der Evangelischen Kirche), wo Jemand sich damit blicken ließ, für verdächtig gehalten, und allermeist denjenigen preisgegeben, die sich an keine bestimmte Confession banden. Diese nahmen sich der Sache desto eifriger an und machten sie eben damit desto verhaßter.“*) Das lebhafte Bewußtsein, daß des Satans Gewalt und Verführungskraft mit dem Momente der Erscheinung Christi gebrochen sei, rief in der alten Kirche die freilich den Zusammenhang gar nicht berücksichtigende Annahme hervor, daß die tausend Jahre von der Geburt des Heilandes an zu zählen seien. Cassiodorus beruft sich für diese Ansicht, die durch die Autorität des Augustinus im ganzen Mittelalter eingebürgert wurde, auf die Uebereinstimmung der Väter (qui tamen consensu patrum a nativitate domini computantur ne credituras gentes libera potestate confunderet.**) Auf Grund dieser Auslegung war man um das Jahr Tausend *) Das Bemerkte gilt aber in seinem ganzen Umfange nur in Bezug auf die Lutherische Kirche. In der Reformirten fand die Meinung von einem in Zukunft bevorstehenden tausendjährigen Reiche schon vor der pietistischen Zeit manche Anhänger. Wolf in den curis sagt: Mille annos jam praeteriisse, nostratium theologorum communis est sententia. — Secundum sententiam (von der Zukünftigkeit des tausendjährigen Reiches) ex nostratibus nonnulli, in primis vero illi, qui fanaticis sententiis parum sibi caverunt, nominatim J. G. Petersenius, ex Reformatis vero multi exornandam susceperunt. Das heißt zu deutsch: daß die 1000 Jahre schon vergangen seien, ist die allgemeine Meinung unserer Theologen. Die Meinung von der Zukünftigkeit des tausendjährigen Reiches haben einige von den Unseren, besonders aber jene, welche sich vor schwärmerischen Meinungen wenig hüteten, namentlich Petersen, von den Reformirten aber viel zu behaupten angefangen. **) Was Cassiodorus hier von der „Uebereinstimmung der Väter“ sagt, bedarf freilich der Beschränkung. In den Zeiten, da eine christliche Theologie noch in der Bildung begriffen war, fanden sich allerdings in Bezug auf das tausendjährige Reich seltsame Vorstellungen vor, vgl. Münscher, die Lehre vom tausendjährigen Reiche in den drei ersten Jahrhunderten, in Henke's Magazin Bd. 6. Da nahm man vielfach eine Auferstehung der Gerechten vor der allgemeinen Auferstehung an, eine Vermischung dieser Auferstandenen mit den noch nicht Gestorbenen, eine äußerliche Herstellung Jerusalems, mit Durcheinandermengung desjenigen, was in der Apocalypse von dem tausendjährigen Reiche und was von dem neuen Jerusalem gesagt wird, unter Verkehrung der Ordnung der Schrift, wie z. B. Tertullian sagt, adv. Marc. I. 3. c. 25: „Wir bekennen, daß auf Erden uns ein Reich verheißen sei, ehe wir in den Himmel kommen, nämlich tausend Jahre hindurch nach der Auferstehung, in der von Gott geschaffenen Stadt Jerusalem, welche sich vom Himmel herabsenken wird.“ Vgl. was Eusebius in B. 3, Cap. 28 von Cerinth sagt, Justinus in dem Gespräche mit Trypho Cap. 80, Irenäus B. 5 C. 33 ff. Aber diese Erklärung der Apocalypse war nie die allein herrschende. Justin sagt, es gebe Viele, selbst unter denen, welche der reinen Lehre zugethan seien, die diesen Glauben nicht theilen, vgl. über diese Aeußerung Justins, Semisch, Justin der Märtyrer 2 S. 469. „Bekannt ist es, daß sich weder in den Briefen des Römischen Clemens, des Ignatius und Polykarp, noch in den apologetischen Schriften des Tatian, Athenagoras, Theophilus von Antiochien irgend eine Spur chiliastischer Meinungen findet.“ Die Schwärmereien der Montanisten, die sich an diese in der Kirche schon vorhandenen Meinungen anknüpften, verstärkten die Abneigung gegen dieselben. Durch die wachsende Aus-