# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1905_S93 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 11. Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1905. 93 Segen zu ziehen. Und in der That, unter dem Kreuz lernt ein Chriſt geduldig tragen, was die Hand des HErrn auferlegt, und er macht oft in einer Stunde mehr Glaubens⸗ und Gebetserfahrungen als ſonſt in vielen Jahren. Das Beſte aber iſt, er lernt hoffen, weil er immer wieder erfährt, daß der HErr die Seinen nicht verläßt. So wollen denn auch wir, trotzdem uns in unſerer Judenmiſſion in den letzten drei Jahren reichlich Trübſal widerfahren iſt, unſern Bericht nicht mit Wehklagen anheben, ſondern nach der Weiſe und dem Vor⸗ gehen des Apoſtels mit Rühmen, Loben und Danken; denn wir ſind durch dieſe Trübſale allerwegen in der Geduld geübt worden, haben allerlei nützliche Erfahrungen gemacht, und das Beſte iſt, wir ſind in unſerer Hoffnung auch nicht zu Schanden geworden. Freilich, vor drei Jahren dachten wir, die Juden würden nun doch endlich von ihrem Wüthen und Toben gegen unſere Miſſion ablaſſen. Allein wir hatten uns geirrt. Gottes Gedanken waren andere; das Maß der Trübſal war noch nicht voll. Solange wir unſer Miſſionslocal unmittelbar in der Nähe einer Polizeiſtation hatten (184 Delaney⸗ Straße), waren wir wenigſtens äußerlich vor gröblichen Angriffen geſchützt. Auch hatte der ärgſte Feind der Miſſion, der Superin⸗ tendent der Tomche Hajudoth, der einmal wegen Störungen im Gottesdienſt zur Thür hinausgeworfen werden mußte, durch den Tod das Zeitliche geſegnet. Allein im Februar 1903 mußten wir den Wanderſtab ergreifen und von hier fortziehen. Um Eingänge für die Williamsburger Rieſenbrücke zu ſchaffen, wurden ganze Straßengevierte niedergeriſſen und auch Delaney⸗Straße wurde tiefer gelegt. Etliche Monate lang konnte man nur über aufgeworfene Erdhaufen und unſichere Holztreppen, ſowie durch Ueberſpringen tiefer Gräben das Local erreichen. Die Kinder, die für die Sams⸗ tagsſchule gewonnen waren, blieben weg, und die Erwachſenen, die ſonſt die Gottesdienſte beſuchten, kamen nicht mehr. Da wir nach vielem Suchen endlich 185 Ludlow⸗Straße ein paſſendes Local fan⸗ den, wurde es für $28.00 den Monat gemiethet. Dies brachte uns dem eigentlichen Judenviertel um mehrere Häuſergevierte näher. An der Ludlow⸗Straße wohnen nur Juden, polniſche, ruſſiſche, un⸗ gariſche und türkiſche, zuſammen ſo viele, daß die Häuſer vom Keller bis zur Dachſpitze von ihnen vollgepfropft ſind. Was man hier ſehen und riechen kann, iſt nur jüdiſch. „Hier nahm nun unſer Miſſionar ſeine Arbeit wieder auf. Eine Zeitlang ging es auch ſehr gut. Es war, als ob die Tomche Hajudoth ihn und die Miſſion vergeſſen oder aus den Augen verloren hätte. Zahlreiche Zuhörer ſtellten ſich ſowohl am Freitag⸗Abend als auch am Samstag⸗Nachmittag zum Predigtgottesdienſt ein, und eine große