# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1905_S78 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 78 Verhandlungen der 26. Allgemeinen oder Miſſion keine Agentur verbunden iſt, wo auch keine Agentur und ſomit auch kein geſchäftlicher Gewinn erlangt werden kann. Geſchäft⸗ lich angeſehen iſt dieſer Poſten alſo völlig unhaltbar. Soll die Emigrantenmiſſion hier nicht ganz das ſein, was der Name ſagt, und will man demgemäß ſich die Sache nicht etwas koſten laſſen, ſo ſollte man ſie aufgeben. „‚Betrachtet man dagegen die hieſige Arbeit vom Miſſions⸗ ſtandpunkte aus, alſo als ein Werk zu Gottes Ehre und zu Nutz und Frommen von allerlei reiſendem Volk, ſonderlich als einen Dienſt, der geiſtlicher wie leiblicher Weiſe theuren Glaubensgenoſſen geleiſtet wird oder ſolchen, die ſich demnächſt in der neuen Welt unſern Gemeinden eingliedern werden, dann gewinnt die Sache allerdings ein weſentlich anderes Ausſehen. „‚Daß ſolch ein Dienſt hier durchaus erwünſcht und nöthig iſt, dafür nur einige Beiſpiele aus den letzten Tagen. „‚Da kommt vor etwa einer Woche ein lieber 84jähriger Luthe⸗ raner von drüben her bei mir an. Als er auf ſeiner Herreiſe mit der Bahn in New York eintraf, fragte er nach dem Lutheriſchen Pilger⸗ hauſe, No. 8 State⸗Straße, wo er ſeine Schiffskarte kaufen wollte. Irgend jemand bot ſich als Begleiter an und führte den Argloſen auch wirklich nach einer No. 8, wo man ihn aber ganz gewaltig be⸗ ſchwindelte. Letzteres war um ſo leichter zu bewerkſtelligen, als die Augen des lieben Alten ſchon anfangen dunkel zu werden. Erſt in Bremen wurde ihm klar, daß er ganz wo anders als im Pilgerhauſe geweſen ſei, und daß er keinen Grund habe, an ſeinen Glaubens⸗ genoſſen irre zu werden. Es war rührend zu ſehen, wie froh er war, in Bremen jemand von ſeinen Leuten zu finden, und wie dankbar für die geringen Dienſte, die wir ihm erweiſen konnten, beſonders hin⸗ ſichtlich ſeines in America zurückgebliebenen Gepäcks. „‚Ein paar Tage ſpäter, am 15. April, reiſte mit dem „Bar⸗ baroſſa“ eine durch Schlagfluß gelähmte Frau mit ihren beiden Kin⸗ dern, von denen das jüngſte ebenfalls an beiden Beinen gelähmt iſt, nach America zurück. Der Mann war vor Jahresfriſt mit der Fa⸗ milie herübergekommen, um in der alten Heimath Heilung für ſeine Kranken zu ſuchen. Das Leiden derſelben hatte ſich indeß nur ver⸗ ſchlimmert. Jetzt alſo zurück! Da kam es heraus, daß ihm trotz 17jährigen Aufenthalts in America die zweiten Bürgerpapiere fehlten. So wurde ihm die Ueberfahrt verweigert, und die Wirthe verſagten dem Unglücklichen unter allerlei Vorwänden ſogar das Quartier. In ſeiner Angſt wandte ſich der Mann an Herrn Conſul Diederich, der, durch Krankheit ans Bett gefeſſelt, ihn zu mir ſchickte, aber zugleich ſeinen Einfluß aufbot, die Leute fortzuſchaffen. Schon