# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S82 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 82 Von dem Unterschied des Wesentlichen und Unwesentlichen in der Lehre. daß ihre Abweichungen nicht das Wesentliche, sondern allein Unwesentliches betreffen. Damit tröstet sich nicht nur die unirte Kirche diesseit und jenseit des Ozeans bei der in ihr herrschenden Zwiespältigkeit in Glaubenssachen; damit vermeint auch die hiesige sogenannte Generalsynode der amerikanisch-lutherischen Kirche ihr Gewissen über ihren Abfall von der Kirche, deren Namen sie trägt, beschwichtigen zu können. Es ist dies jedoch ein leerer Trost. Es ist zwar allerdings ein Unterschied zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem in der Lehre, welche von Menschen geführt wird, zu machen. Dieser Unterschied besteht aber allein darin, daß das, was Gott nicht klar in seinem Worte geoffenbart hat, damit, vorausgesetzt, daß es nicht mit Gottes Wort streitet, sondern dem Glauben gemäß ist, als etwas Unwesentliches erkannt werden muß; daß hingegen alles, was der große Gott den Menschen durch seine heiligen Propheten und Apostel deutlich geoffenbart hat, was zu den Gliedern des ganzen Leibes der göttlichen Offenbarung, auch immer etwas Wesentliches ist, mag es immerhin unserer Vernunft noch so unwichtig und nebensächlich erscheinen. Gewöhnlich verwirrt man die Frage in Betreff des Wesentlichen und Unwesentlichen in der Lehre dadurch, daß man hierbei nach den Lehren fragt, deren Kenntniß und Annahme zur Verwirklichung, zur Existenz und zum Fortbestehen des seligmachenden Glaubens jedem Menschen schlechterdings nothwendig ist, und wiederum bei deren Unkenntniß oder auch Ableugnung und Verwerfung doch wahrer rechtfertigender Glaube möglich ist. Daß in dieser Beziehung ein Unterschied auch unter den in Gottes Wort klar geoffenbarten Lehren statt finde, ist unleugbar. Er folgt von selbst aus der Unvollkommenheit der Erkenntniß der Christen hienieden und aus den verschiedenen Stufen, auf welchen die Christen in Absicht auf Erkenntniß stehen; dazu beweist es die tägliche Erfahrung unwidersprechlich. Nur wird es freilich immer etwas höchst Gewagtes sein, wenn Menschen genau entscheiden wollen, wie viele solcher Lehren es seien, die nothwendig erkannt und gläubig angenommen sein müssen, wenn der seligmachende Glaube in ein Herz kommen und darin bleiben solle, und welche Lehren hingegen diejenigen seien, deren Erkenntniß einem Menschen fehlen, ja deren Richtigkeit er irriger Weise in Abrede stellen könne, ohne damit die Erzeugung des seligmachenden Glaubens und das Leben desselben in seinem Herzen unmöglich zu machen. Offenbar verkehrt aber ist es, hieraus den Schluß zu ziehen, daß ein armer sterblicher Mensch unter den in Gottes Wort klar geoffenbarten Lehren eine Auswahl treffen, das eine als etwas Wesentliches allerdings annehmen müsse, anderes aber, weil es etwas Unwesentliches sei, zurückweisen und verwerfen könne. In dem Juli- und August-Heft der Erlangenschen „Zeitschrift für Protestantismus und Kirche“ vom vorigen Jahre finden sich hierüber einige schöne Citate aus der Schrift des großen Jenaischen Theologen Johannes Musäus*) die den Titel trägt: „Tractatus de syncretismo,“ und aus dem *) Geboren 1613, gest. 1681.