# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 80 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. jenes Sein mit dem Wollen und Wissen Gottes selbst gesetzt ist und daher eine ihm gleiche, absolute Schranke unmöglich macht; — das Böse kam erst wesentlich zur Existenz, die alles Gute schon von Ewigkeit her hat, in dem sich derbniß geeinigt habe, — um nur nicht die lebendige Allgegenwart Gottes in dem Gebiet des geistigen Lebens zu verlieren, ohne die Verursachung der Sünde in Ihn setzen zu müssen, — es sei das Böse eben bloß ein defectus, in der Selbstbewegung des Willens eine Lücke, die, weil jenseit des ordentlichen Maßes, als ein „Nicht,“ in das göttliche Bewußtsein auch nicht fallen könne: so ist ein Widerspruch damit constituirt, aus dem man nur durch dualistische Vorstellungen sich helfen könnte, weil man nothwendiger Weise zu dem Dilemma gedrängt würde, entweder den letzten Grund der Beraubung jener natürlichen Eigenschaft und also des Bösen Ursprung von Gott selbst doch wiederum nur herzuleiten, oder Sein Schaffen nicht als reines Thun, sondern mit einer neben Ihm waltenden Nothwendigkeit leidend verbunden anzusehn. Die Schrift weist uns von allen dergleichen Abstractionen zurück auf concretere Bestimmungen, indem sie das eigentliche Wesen und die Entstehung der Sünde sowohl durch ein Nicht fortschreiten zu der höhern Stufe, welche die Erfüllung des Begriffs der Menschheit ist, erklärt, als auch vor Allem uns zu der Voraussetzung eines andern, Gott widrigen Elementes führt, welches den leeren Platz des von Ihm vermißten eingenommen hat. Sie ist das, was der ausschließlichen Berechtigung des Guten gegenüber seine Existenz nur durch Anmaßung des Geschöpfes hat. Der Oberste der bösen Geister, Fürst der Welt, trachtete voll Neides darnach, diese letztere von seiner Person allein abhängig zu machen, vgl. Matth. 4, 9., als ein Feind des Sohnes Gottes, welchem er unterthänig sein sollte und der insonderheit an dem menschlichen Geschlechte, bei dem Er Seine Lust hatte, Sich verherrlichen wollte, dieses zu verderben und die Zwecke der göttlichen Liebe zu vereiteln. Er wollte sich ein Eigenes schaffen, und dieses ward das Reich der Finsterniß, das undurchdringliche Geheimniß im Kreise der geschaffenen Dinge. Jenseit der ursprünglichen Entscheidung zum Bösen gibt es keine andere Bedingung als den Willen des Schöpfers selbst, die Existenz der persönlichen Creaturen im Anhangen an ihrem ewigen Ursprunge, welches zur freien Selbstbejahung des Ichs werden sollte. Angeborene Neutralität zwischen Gemeinschaft mit Gott und Abwendung von Ihm, oder gar ein immer bleibendes Schwanken zwischen Gottesliebe und Selbstsucht, wie das in den flachen eleutherischen Theorien der mancherlei modificirten pelagianischen und deistischen Richtungen ausgesprochen wird, vgl. dagegen Jak. 3, 11., ebenso, wenn Freiheit im Menschen zu dem Vermögen, nach Vernunftgründen unabhängig von sinnlichen Antrieben sich zu bestimmen, und die an sich ganz schuldlose äußere Bedürftigkeit des animalischen Theils unserer Seele — (welcher durch des Geistes Ohnmacht und zerrüttende naturwidrige Gedanken erst seine übermäßige Stärke gewinnt, ein so reizbares Substrat, unbändiges Werkzeug angibt, und dessenungeachtet für ihn oft eine Hemmung des Bösen im Einzelnen und Aeußeren werden kann —) zum Sitz der Sünde gemacht wird, vgl. Anm. *) S. 47, schließt nothwendig dieselbe schon in dem Geschöpfe, wie es aus Gottes Hand kam, mit sich ein. Die Erzählung der Schrift 1 Mos. 2, 16 fg., 3, 2 fg. hebt es allerdings unleugbar hervor, daß das Bewußtsein des Verbotes, also eines möglichen Thuns, das doch schlechterdings nicht geschehen sollte, dem Entschluß des Weibes, der Schlange zu folgen, vorangegangen ist; aber ein Anfang der Verwirklichung in beiden Ureltern war noch nicht vorhanden; auch der Gedanke des Bösen, gegeben durch die Erkenntniß jener Möglichkeit, war keineswegs in ihnen schon der böse Gedanke; denn der Allerheiligste denkt und weiß es am allervollkommensten und doch zugleich als ein von Ihm schlechthin und ewig Geschiedenes, in Wahrheit als ein Nichtiges (i. q. das hebr. aven, das altdeutsche bosi, welches als non ens von Gott, als solches, nicht gewirkt sein kann,) dem nie und in keinem Falle objectives, substantielles Sein zukommen kann, weil es, in die Sphäre der Subjectivität festgebannt, immer genöthigt ist, mißbrauchend und verkehrend sich an ein durch Ihn Existirendes anzuschließen, um an demselben als Basis seine Lüge und Unwesen, sein Streben, das Sein des Wesens, an dem es haftet, zu verzehren und zu Nichts zu machen, in Erscheinung zu