# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1905_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der 26. Allgemeinen oder bens ſtelle, ſondern daß die Menſchen, ſonderlich die Theologen, nach einem Vernunftganzen — das man fälſchlich „Analogie des Glau⸗ bens“ nennt — die Schriftausſagen zu reguliren haben. Unter dem, was dem Glauben gemäß iſt, verſteht man nicht das, was die Schrift lehrt, ſondern das, was dem Theologen in den von ihm herzuſtellen⸗ den Zuſammenhang zu paſſen ſcheint. Der Stand der Synode im Allgemeinen. „Wie ſteht’s in der Synode?“ So fragen die einzelnen Glieder der Synode, denen das Wohlergehen der Kirche am Herzen liegt. So fragen inſonderheit die Beamten der Synode, die im Auftrag der Ge⸗ meinden Wache zu halten haben. Die Frage iſt nicht vornehmlich eine Frage nach dem äußeren Wachsthum. Dieſe Frage be⸗ antwortet uns ja unſer „Statiſtiſches Jahrbuch“. Es iſt ein regel⸗ mäßiges Wachsthum zu verzeichnen. Es ſind im letzten Triennium 126 Paſtoren, 152 Gemeinden und 30,184 communicirende Glieder zu unſerer Gemeinſchaft hinzugekommen. Auch die Zahl der Miſ⸗ ſionspoſten hat noch zugenommen, ſie iſt von 778 auf 882 geſtiegen. Die Frage: „Wie ſteht’s in der Synode?“ iſt vornehmlich eine Frage nach dem inneren geiſtlichen Stand: „Wie ſteht’s in Bezug auf den chriſtlichen Glauben und das chriſtliche Leben?“ Nach mei⸗ ner Beobachtung ſteht es ſo: Es gibt Gemeinden und Gegenden, wo ein Rückgang erkennbar iſt. In andern Gemeinden und an andern Orten hingegen herrſcht die erſte Liebe oder iſt die erſte Liebe wieder erwacht. In mehr als einem Bericht, der an mich gelangte, hieß es: Bei uns gleicht das kirchliche Weſen „einem Garten Gottes“. Das⸗ ſelbe iſt inſonderheit von dem Gemeindeſchulweſen zu ſagen. Es iſt an einigen Orten zurückgegangen, an andern Orten nimmt es zu und befindet ſich in einem blühenden Zuſtande. Sonderlich im Weſten, und auch an einigen Orten im Oſten, hat das Verlangen nach Gemeindeſchulen ſich ſtark geäußert. Wir haben alſo einerſeits hohe Urſache, uns tief zu demüthigen, andererſeits müſſen wir Gottes große Gnade preiſen, die noch immer ihr Wunderwerk unter uns hat. Ich kann es auch nicht unterlaſſen, anerkennend und lobend auf die Thatſache hinzuweiſen, daß nicht weniger als 1082 unſerer Paſtoren neben dem Predigtamt auch noch das Schulamt verſehen. Welche geiſtige und körperliche Anſtrengung und welche Selbſtverleugnung das in ſich ſchließt, wiſſen aus Erfahrung alle diejenigen, welche in gleicher Lage geweſen ſind. Dieſes Schulehalten, ſo etwa pflegte der ſelige D. Walther zu ſagen, hat keinen großen Schein vor Men⸗ ſchen, offenbart aber ſonderlich den treuen Paſtor, der es ſich nicht verdrießen läßt, den Unterricht der Jugend ſelbſt zu übernehmen,