# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 79 zur Vollendung ebenfalls geführt;) so hatten sie das Böse niemals außer sich, — denn in dem Sinne, wie das Gute, in einem absoluten ist das erstere gar nicht, es ist allerdings nur negativ im göttlichen Gedanken, nicht, wie daß eben darum nur in Weltwesen eine Possibilität zu fallen Statt gefunden, weil sie selbst aus dem Nichts erschaffen seien. Nur vergesse man hierbei nicht, daß ihre abstract metaphysische Theorie die nöthige Correctur zugleich darin hatte, daß die von dem furchtbaren Ernst der Sünde durchdrungenen Väter der privatio die corruptio, depravatio, perversio immerdar gleichsetzten, das Böse nicht als einen bloß passiven Mangel, sondern als einen zerstörenden Gegensatz bezeichneten, (vgl. Anm. *) S. 75 f.) und wenn von den Scholastikern die Formel gebildet ward: „Deus concurrit ad materiale, non ad formale actionis malae,“ so konnte sie, auch von den Lutherischen adoptirt, nur den Sinn haben, wie jene oben angeführten Stellen aus Melanchthons locc. verstanden werden müssen. Vgl. Quenstedt I. S. 531 fg.: „Concursus est actus providentiae divinae, quo Deus influxu generali (s. oben S. 358 am Ende) in actiones et effectus causarum secundarum qua tales se ipso immediate et simul cum eis et juxta indigentiam et exigentiam uniuscujusque suaviter influit —. Modum quod concernit, concurrit Deus cum naturalibus ad modum causae naturalis, cum causis liberis per modum causae liberae.“ Es ist den Orthodoxen jeder Zeit die Sünde schlechterdings mehr als ein bloß der göttlichen Ordnung widerstreitender Mangel in der innern geistigen Tiefe des Menschen oder Engels gewesen, mehr als ein partielles Richtsein in derselben, ein Ausbleiben creatürlicher Wirksamkeit, zu welcher Gott auch habe mitwirken wollen; (man hat es daraus schließen wollen, daß der obige Terminus das concurrere nicht für die actio bona gleichermaßen prädizirt, wie das adjuvare streng genommen [bei Melanchthon u. A.] keine Wahlfreiheit zulassen könne;) es ist gewiß, das Fehlen einer Realität, Position, des bejahenden Momente, das durch den Schöpfer an dieser Stelle gefordert wurde, war nach ihnen zugleich entschiedene Selbstverkehrung; wie hätten sie sonst die Unterscheidung eines zulassenden und bestimmenden Urwillens machen können, während sie doch seine Mitwirkung als solche beschreiben, die gerade thätig sei da, wo die geschaffenen Kräfte es sind, sie gehe nicht über dieselben hinaus und reiße sich von ihnen los, sondern bleibe vermöge der göttlichen Herablassung, die in der Erschaffung einer Welt des Endlichen liege, in unzertrennlicher Einheit mit der Creatur und durchdringe die Actionen derselben von innen heraus? Wäre freilich das Böse metaphysisch genommen in allem Seienden rein negativ und Etwas an dem metaphysisch Guten, was der vollen Idee desselben noch nicht adäquat ist: so verlöre die moralische Bedeutung ganz ihre Gültigkeit und verwandelte sich zu bloßem Schein, die Selbstzurechnung der Schuld in Unwahrheit, denn es wäre dies ja nur der Anfang einer jeden Entwicklung, die ein Geschaffenes zu seinem Ziele führet. Kosmologisch gut bleibt auch der Satan, wiefern er nach seiner Wesenheit, die nur in Gott bestehen kann, als ein Theil zur metaphysischen Güte des Weltganzen beiträgt; er hat sich aber zur Erreichung der Grade der Vollkommenheit, der Summe der an ihm möglichen Effekte, die dem Zwecke seines Geschaffenwordenseins entsprächen, selbst untüchtig gemacht; folglich ist er für sich betrachtet gar nicht mehr metaphysisch gut, und weil sein Thun durch ein heiliges Gesetz seines Lebens normirt werden sollte, ihn aber auf seine Weise Ursache seiner selbst zu werden gelüstete, (wie es Gott nur sein kann,) auch im ethischen Sinne böse geworden; während alle Substanzen, die selbst nicht frei, obschon von freien Wesen verderbt worden sind, niemals moralisch, jedoch metaphysisch böse genannt werden können. Wollte man aber auch unter dem formale actionis malae nicht eine bloße einfache Verneinung von Bestimmtheiten verstehn, was im Begriffe eines jeden endlichen, einer relativen Vervollkommnung fähigen Seins liegt, und die verschiedene Abstufung des Sichtbaren und Uebersinnlichen im Reiche der Natur ausmacht — denn omnis determinatio est negatio; nein, man sehe Privation als das, was sie ist, Mangel irgend einer Realität, die ursprünglich einem ens anerschaffen war; leugnet man hierbei nun zugleich die verkehrte Affirmation, daß sich das letztere selbst in seiner Freiheit mit der Ver⸗