# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1905_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der 26. Allgemeinen oder habe einen Theil der Menſchen ſchlechthin zur Verdammniß beſtimmt. — Wir leugnen, daß der Glaube der Erwählten ihrer ewigen Er⸗ wählung voraufgehe, ſondern lehren mit der Schrift und dem lutheriſchen Bekenntniß, daß der Glaube, den die Erwählten in der Zeit haben, eine Frucht und Folge ihrer ewigen Erwählung ſei. Um uns bei Unkundigen in Mißcredit zu bringen, ſagt man, wir ſchlöſſen den Glauben von der ewigen Erwählung, ja, auch von der Recht⸗ fertigung aus. Wir lehren, daß allein die heilige Schrift Artikel des Glaubens zu ſtellen habe, und kein Theologe und keine Anzahl von Theologen das Recht habe, klare Schriftausſagen zu leugnen oder umzudeuten, unter dem Vorgeben, jene Schriftausſagen paßten nicht in das von den Theologen herzuſtellende „Ganze“ oder Syſtem. Um eine Sache wider uns zu gewinnen, erlaubt man ſich die Unwahrheit: wir lehr⸗ ten, daß die Schriftſtellen außerhalb des Zuſammenhanges, in dem ſie in der Schrift ſtehen, aufzufaſſen ſeien. Wir lehren, daß der Zweck der ganzen heiligen Schrift der ſei, Chriſtum, den Heiland der Sünder, den Menſchen zu offenbaren, wie Chriſtus ſelbſt von der Schrift ſagt: „Sie iſt es, die von mir zeu⸗ get.“*) Dabei halten wir freilich feſt, daß die Schrift, wenn ſie ge⸗ legentlich von geſchichtlichen oder naturwiſſenſchaftlichen Dingen redet, auch hierin unverbrüchliche Wahrheit iſt, weil alle Schrift von Gott eingegeben iſt**) und Chriſtus von der ganzen Schrift ſagt, daß ſie nicht gebrochen werden könne.†) Um eine Sache wider uns zu ge⸗ winnen, hat man geſagt und ſagt man noch, wir machten aus der heiligen Schrift, die den Menſchen zur Erlangung der Seligkeit ge⸗ geben ſei, ein Handbuch der Geſchichte und Aſtronomie. Wir geſtatten innerhalb der Synode keine ſchriftwidrige Lehre und keine ſchriftwidrige Praxis. Die Gemeinden, welche die Synode bilden, überwachen einander, damit Gottes Wort in Lehre und Leben die Herrſchaft behalte. Wo Abweichungen vorkommen, halten wir es für unſere Pflicht, durch Lehre, Ermahnung und Beſtrafung die Irrenden von ihrem Irrthum abzubringen. Wo man dem Worte Gottes durchaus nicht Gehör geben will, tritt freilich Ausſchluß von der Synode ein. Um eine Sache wider uns zu gewinnen, ſagt man: in der Miſſouri⸗Synode herrſche eine „hochkirchliche Richtung“ und eine „ſchier unglaubliche Gewiſſenstyrannei“. Wiewohl von allem Anfang an bis auf dieſen Tag immer einige aus unſerer Gemeinſchaft ausgeſchieden ſind, ſo hat doch die Synode von allem Anfang an bis auf dieſen Tag ſich einer großen Einigkeit *) Joh. 5, 39. **) 2 Tim. 3, 16. †) Joh. 10, 35.