# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1905_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 11. Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1905. 15 Chriſten ſorgfältig meiden, nach der Vorſchrift des Apoſtels: „Sehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen.“*) Um eine Sache wider uns zu gewinnen, ſagt man von uns, wir lehrten, die Miſſouri⸗Synode ſei die alleinſeligmachende Kirche. So ſchrieb noch letztes Jahr ein deutſchländiſches Blatt, das von unſern ameri⸗ caniſchen Gegnern ſich informiren läßt: „In St. Louis thront die eine wahre lutheriſche Kirche. Wer nicht mit ihr iſt, für den bleibt nur die Wahl, ſich zu unterwerfen, oder ewig verloren zu gehen.“**) Die Väter unſerer Synode und auch wir hielten und halten dafür, daß die alten Lehrer unſerer Kirche, ſonderlich Luther und die Lehrer des 16. Jahrhunderts, beſſere Führer ſeien als die neueren lutheriſch ſich nennenden Theologen. Um eine Sache wider uns zu gewinnen, hat man geſagt, wir trieben mit Luther und den alten Theologen Menſchenvergötterung, wärmten nur die Lehren und die Lehrweiſen der Väter wieder auf und redeten einer todten Recht⸗ gläubigkeit das Wort. In einigen Punkten ſind alte lutheriſche Lehrer, ſonderlich die des 17. und 18. Jahrhunderts, von der in der heiligen Schrift ge⸗ lehrten und von dem goldlauteren Bekenntniß unſerer Kirche be⸗ zeugten Lehre abgewichen. So in der Lehre vom Sonntag, von der Gewalt der weltlichen Obrigkeit, von der Gnadenwahl. In dieſen Punkten ſind wir bei der heiligen Schrift und dem lutheriſchen Be⸗ kenntniß geblieben und nicht den Lehrern gefolgt, die hier abirrten. Um eine Sache wider uns zu gewinnen, hat man geſagt und ſagt man noch, wir ſchändeten die Väter. Wir lehren von der Bekehrung und Seligkeit eines Menſchen, daß alle Menſchen, welche bekehrt und ſelig werden, dies einzig und allein der Gnade Gottes in Chriſto, und nicht — auch nicht zum tauſendſten Theil — ihrem beſſeren Verhalten, ihrem geringeren Widerſtreben, ihrer geringeren Schuld ꝛc. zu verdanken haben. Von der Nichtbekehrung hingegen und von dem Verlorengehen lehren wir, daß dieſe einzig und allein in der Schuld des Menſchen, in ihrem Widerſtreben gegen die Wirkung des Heiligen Geiſtes, nicht aber in einem Mangel der Gnade Gottes, ihren Grund haben. Dies iſt es, was die Väter unſerer Synode und wir mit ihnen beſtändig gelehrt haben und noch lehren. Um eine Sache wider uns zu gewinnen, ver⸗ breitet man bis auf dieſen Tag über uns die Unwahrheit: wir lehr⸗ ten, Gott wolle nicht alle Menſchen ernſtlich ſelig machen, ſondern *) Röm. 16, 17. **) Zeitſchrift „Der Alte Glaube“ vom 26. Auguſt 1904.