# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S106 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 106 Verhandlungen der 25ſten Allgemeinen oder dere Kirchengemeinſchaften gehen den Taubſtummen nach. Aber unſere Miſſouri⸗Synode thut es nicht. Chriſtus hat doch aber auch der Miſſouri⸗ Synode den Befehl gegeben: „Prediget das Evangelium aller Creatur.“ Aber uns Taubſtummen, die lutheriſch ſind und bleiben wollen, predigt kei⸗ ner von der Miſſouri⸗Synode. Warum nicht? Wir möchten es ſo gerne.‘ — Bald nach Empfang dieſes Briefes traf P. Reinke bei Gelegenheit einer Kindtaufe mit mehreren ſeiner Taubſtummen zuſammen. Dabei erfuhr er, daß dieſe regelmäßig den Gottesdienſten eines Methodiſtenpredigers bei⸗ wohnten, welcher ihnen in der Zeichenſprache predigte. Das war ihm neu, und als treuen Seelſorger betrübte es ihn. Als er ſie warnte vor dieſem falſchen Propheten, erwiderten ſie ihm: ‚Wohin ſollen wir gehen, da jener Methodiſt der einzige in Chicago iſt, der uns predigt, daß wir ihn ver⸗ ſtehen?‘ — Das war ihm ein zu deutlicher Ruf ſeines Gottes in dieſe Arbeit. Im Vertrauen auf Gott ſagte er zu den Anweſenden: ‚Kommt in vierzehn Tagen zur Bethlehems⸗Kirche, und ich werde euch in der Zeichen⸗ ſprache predigen.‘ Und er, der vielbeſchäftigte Paſtor, ſetzte ſich hin, ſchrieb eine ganz einfache Predigt nieder und ließ wiederholt einen Taubſtummen kommen, der ihm die dazu nöthigen Zeichen beibrachte. Als der vierzehnte Tag kam, ſtand er vor ſeinen Taubſtummen und verkündigte ihnen das Evangelium in der Zeichenſprache. Er fragte dabei wiederholt in Zeichen: ‚Habt ihr mich verſtanden?‘ und mit fröhlichen Geſichtern nickten ihm die Stummen ihr ‚Ja‘ zu. Nach der Predigt floſſen dem Prediger und den ‚Zuhörern‘ die Thränen der Freude über die Wangen, und mit Freuden gab er den bittenden Taubſtummen das Verſprechen, mit ſolchen Gottes⸗ dienſten fortzufahren. Regelmäßig predigte er ihnen nun. Bald kamen Bitten von Taubſtummen oder deren Freunden in andern Städten, er möchte auch ihnen predigen. Auch dieſe Bitten erfüllte er und reiſte nach Fort Wayne, Cincinnati, Louisville, Milwaukee und anderen Städten. Wohin er kam, predigte er nicht nur den Taubſtummen, ſondern ſuchte auch die Herzen der hörenden Chriſten für die armen, geiſtlich verlaſſenen Taubſtummen zu erwärmen. So trieb er ganz allein in unſerer Synode die Taubſtummenmiſſion bis zum Jahre 1896. Da trat er vor die Allge⸗ meine Synode mit der Bitte, ſie möchte die Taubſtummenmiſſion überneh⸗ men, die ſeine Kräfte nun überſteige und von der deutlich hervortrete, daß ‚unter dieſen armen verlaſſenen Menſchen eine große Miſſion zu thun ſei‘. Die Synode übernahm dieſelbe. Sie erwählte eine Commiſſion und machte P. Reinke zum Vorſitzer derſelben. Das war der Anfang unſerer Taub⸗ ſtummenmiſſion, welcher deutlich beweiſt, daß wir auch hier nicht ‚gelaufen‘, ſondern auch in dieſe Arbeit ‚gerufen‘ worden ſind. „Vor drei Jahren berichtete noch P. Reinke ſelbſt über dieſe junge Miſſionspflanze, welche doch ſchon ſo liebliche Früchte getragen hat‘, und bat die Synode, ſie ‚möchte dieſelbe in herzliche und liebevolle Pflege neh⸗ men, das heißt, kräftig in Zukunft unterſtützen‘. Wenige Monate ſpäter