# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1857_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 71 Wahr ists, daß Wahrheit endlich obliegt, aber oft unterdrückt wird; denn sie muß zuweilen, gleichwie Christus, sterben, aber doch wieder auferstehen. Luther. (XV, 2660.) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden Materien. (Von Past. O. Fürbringer.) (Fortsetzung.) Satz V. Gleichwie der Begriff dessen, was ich als eigne Lebensbewegung empfinde, keineswegs unmittelbar die Freiheit in sich schließt, so ist die Möglichkeit des Bösen in dem der letztern wesentlich noch nicht enthalten. Es gibt der Determinationen viele in der menschlichen Einheit von Geist und Leib, vor allen eine ihr erst mit der Sünde gewordene hinreißende Macht und unaufhaltsame Stärke heftiger Begierden und Leidenschaften. Im Gegensatz wissen Schrift und Kirchenlehre von einer solchen Freiheit, die, auf die innere Sphäre des Lebens sich beziehend, dem Menschen als ein Besitzthum nur zukommt, wenn es ihm kraft der durch gottgewirktes Wollen angeeigneten Erlösung zu Theil wird. Es ist die volle Entschiedenheit des Gläubigen für das Gute und Heilige nach dem neuen Menschen, die durch das Wort gegeben ist: „So euch der Sohn frei machet, so seid ihr recht frei,“ Joh. 8, 31. fgg.; damit hängt zusammen das „Herr sein“ über alle Dinge, wovon nach Paulus Niemand kräftiger und klarer geredet hat als Luther. Vgl. 1 Cor. 10, 29., 7, 22., 2 Cor. 3, 17., Gal. 2, 4., 5, 1. 13., 1 Petr. 2, 16., Röm. 8, 2. fgg., Jac. 1, 25., 2, 12. (Gesetz der Freiheit, dem die Knechtschaft zuwider ist und dessen Recht durch Jesum Christum insofern in uns erfüllet wird, als Er alle in Ihm vor Seinem Vater vom Urtheil Befreite, welche Ihm gehorsam sind, von der Dienstbarkeit der Sünde und dem Zwang des Guten entbindet; denn das Amt des lebendigmachenden Geistes, das Evangelium, welches in die fleischernen Tafeln des Herzens das königliche Gebot der Liebe schreibt, löset von dem Gesetz der Sünde und des Todes.) Matth. 7, 17. fgg., 12, 33., 1 Joh. 3, 9. Hier im gegenwärtigen Leben ist noch das arge Gelüsten vermöge des alten Menschen damit verbunden; in der ewigen Herrlichkeit aber ist die Seele nicht mehr die Stätte eines Kampfes zwischen Gutem und Bösem, sondern aller Widerstand des Fleisches in einen vollkommenen Sieg verschlungen, Röm. 8, 23. Diese höchste Freiheit nun, die jede Möglichkeit des Bösen ausschließt, bezüglich hierauf vielmehr Nothwendigkeit geworden ist, wäre bei dem ohne sie, wie ohne die Sünde schöpferisch gesetzten Menschen schlechterdings nie denkbar gewesen, wenn sie nicht zu ihrem Ausgangspunkte die Fähigkeit der Selbstentscheidung für das Göttliche in ihm gehabt hätte, weil die Einigung mit diesem eben nur als wesentlich ungezwungene möglich sein sollte; und wenn der