# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S94 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 94 Verhandlungen der 25ſten Allgemeinen oder mußte aufgegeben werden. Das Miſſionslocal wurde aus dieſem Sturm⸗ wirbel nach einer ruhigeren Gegend, nach der Grand⸗Straße, verlegt. Dieſe Vorgänge hatten zur weiteren Folge, daß ſich unter den Juden eine Geſellſchaft bildete, die ‚Thomche Hajudoth‘, ‚Säulen Iſraels‘, die ſich die Aufgabe geſtellt haben, die Juden und Judenkinder vom Miſſionslocal fern⸗ zuhalten. Schnell genug hatten die jüdiſchen Späher unſere neue Station entdeckt, da ſtellten auch die Thomche Hajudoth Wachen des Samstags und Sonntags in der Nähe derſelben auf, um alle Beſucher, Jung und Alt, ab⸗ zufangen und zur Umkehr zu bewegen. Auch hatten ſie ſelbſt eine Sabbaths⸗ ſchule eingerichtet, und als Lockmittel wurden den Kindern Geſchenke an Kleidern, Schuhen u. dgl. verſprochen. Aber Gott ſei Dank! ſeine Güte iſt's, daß wir unter ſo bewandten Umſtänden nicht zu Grunde gegangen ſind. Einzelne Juden und Judenkinder, die die Miſſion früher beſucht hat⸗ ten, ließen ſich abſchrecken, andere weglocken; aber der Miſſionar arbeitete unverdroſſen und muthig weiter in der Kraft des HErrn. Neue Zuhörer und neue Sonntagsſchüler kamen, wenn auch nicht in ſo großer Anzahl wie an der Pitt⸗Straße; ſie kamen und hörten und lernten die Worte des Lebens. Gerade in dieſer ſchweren Zeit, die ſo verhängnißvoll für unſere Miſſion zu werden drohte, hat uns der treue Gott die ſchönſte Frucht un⸗ ſerer Miſſion geſchenkt, eine Seele aus Iſrael, die uns allen lieb und theuer geworden iſt. Es iſt dies Fräulein Emma Falk, eine jüdiſche Dame, die in Hoboken, N. J., in einem vornehmen Hauſe als Erzieherin ange⸗ ſtellt war. Obwohl ſie den Zorn ihres Vaters, der ein fanatiſcher Jude iſt, zu fürchten hatte, trat ſie doch in den chriſtlichen Unterricht, lernte mit allem Ernſt und Eifer und mit hingebendem, heilsbegierigem Herzen die Wahrheit des Evangeliums zu ihrer Seligkeit. Der Taufunterricht wurde ihr durch den Miſſionar ſelbſt ertheilt, und nachdem ſolches geſchehen war, wurde ſie der Commiſſion zur Prüfung vorgeſtellt, welche mit großer Freu⸗ digkeit anerkennen mußte, daß ſie zur Taufe wohl vorbereitet war. Ueber ihre Taufe, welche am 17. Juni 1900, Abends ½8 Uhr, in Brooklyn ſtatt⸗ fand, findet ſich ein eingehender Bericht des Miſſionars im ‚Lutheraner‘ vom 8. Januar 1901. Nachdem die Miſſion an der Grand⸗Straße ein Jahr und drei Monate betrieben worden war, fand es ſich, daß dies Local doch etwas zu weit vom eigentlichen Judenviertel entfernt ſei, und die Com⸗ miſſion verlegte dasſelbe nach der Henry⸗Straße. Kaum waren wir dort eingerichtet, ſo wurde das Haus von der Baubehörde als unſicher condem⸗ nirt, und wir waren zu einer abermaligen Verlegung des Locals gezwungen. Wir fanden ein billiges Local an der Monroe⸗Straße und ließen uns hier mit unſerer Miſſion nieder; aber o weh! daſelbſt ereilte uns dasſelbe Schickſal: das Haus wurde ebenfalls condemnirt, nachdem wir kaum ſechs Monate dort zugebracht hatten. Der einzige Troſt dabei war, daß wir für zwei Monate ohne Rente wohnten, weil niemand da war, dem wir dieſelbe zahlen konnten. Von der Monroe⸗Straße zog dann unſere Miſſion nach