# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S93 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zehnten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1902. 93 den letzten drei Jahren der Judenmiſſion ununterbrochen erlebt und erfahren. Ja, dieſes Wort Gottes bildet die dreijährige Geſchichte unſerer Miſſion. Die Judenmiſſion hat ſeit ihrem Beſtehen keine ſolche Drangſalszeit durch⸗ gemacht wie die, über welche wir zu berichten haben. Jetzt vor drei Jahren brach ein Unwetter über dieſelbe herein, welche alles zu zerſtören drohte. Während unſer Miſſionar auf der Allgemeinen Synode weilte und im In⸗ tereſſe der Miſſion in verſchiedenen Gemeinden Vorträge hielt, wurde von fanatiſchen Juden, die ſchon längſt über unſere Miſſion erbittert waren, das unſinnige Gerücht in Umlauf geſetzt, als ob unſer Miſſionar den Juden⸗ kindern, die den chriſtlichen Unterricht in ſeiner Miſſion beſuchten, ein Kreuz als Emblem des Chriſtenthums auf ihren Arm geätzt habe. Ein jüdiſcher Arzt, Dr. Bruder, gab vor, daß jüdiſche Eltern mit ihren Kindern zu ihm gekommen wären und ihn mit Wehklagen und Jammern beſtürmt hätten, die berüchtigten Kreuzeszeichen von den Armen ihrer Lieblinge zu entfer⸗ nen, damit dieſe nicht dadurch einen ewigen Schaden an ihrer Seele leiden möchten. Der Miſſionar Moſes Friedmann, ſo hieß es in dieſem Gerücht, der in No. 70 Pitt⸗Straße ſeine Miſſion habe, ſei derjenige, der dieſes ſchreckliche Tättowiren verübt habe. Dieſes Gerücht wurde in den jüdiſchen Zeitungen in Sperrſchrift gedruckt und mit ſchrecklichen Warnungen auf die jüdiſche Bevölkerung losgelaſſen. Die engliſchen und deutſchen Zeitungen New Yorks nahmen die Geſchichte in ihre Spalten auf, brachten ſogar Bil⸗ der mit Kindern, deren Arme mit einem Kreuz tättowirt waren, und ver⸗ breiteten dieſe abſurde Lügerei durchs ganze Land. Der jüdiſche Pöbel⸗ haufe, in deſſen Mitte ſich unſer Miſſionslocal befand, wurde wuthentbrannt. Während der Abweſenheit des Miſſionars auf der Delegatenſynode hatten etliche Jungfrauen aus unſeren Gemeinden den Unterricht in der Miſſion übernommen; aber der Pöbelhaufe, der ſich Samstags und Sonntags während der Unterrichtsſtunden vor dem Local verſammelte, bewarf ſie mit faulen Eiern und anderem ſtinkenden Unrath, ſo daß die Miſſion bis zur Rückkehr des Miſſionars geſchloſſen werden mußte. Der Miſſionar wurde per Depeſche nach Hauſe gerufen, und als er nach ſeiner Rückkehr die Miſ⸗ ſion wieder eröffnete, gab es einen furchtbaren Auflauf des Volkes; viele Tauſende füllten die Straßen in der Nähe unſeres Locals. Der Juden⸗ miſſionar, der Gottesdienſt halten wollte, wurde aufgefordert, das Local zu verlaſſen. Der Meſchumed“ (Abtrünnige) „ſollte herauskommen, damit die wüthende Menge Rache an ihm nehme. Da der Miſſionar dieſer frag⸗ lichen Aufforderung nicht Folge leiſtete, wurde das Local mit Steinen bom⸗ bardirt und alle Fenſter zerſchmettert. Mit Mühe gelang es der Polizei, die mittlerweile benachrichtigt worden war, den Pöbelhaufen zu zerſtreuen. Das Leben des Miſſionars aber war und blieb hier in ſteter Gefahr, trotz⸗ dem die Commiſſion dem elenden Gerücht zu ſteuern ſuchte und auch die Zeitungen zum Widerruf zwang. Die elende Hütte an der Pitt⸗Straße, die bislang eine wahre Segensſtätte für unſere Miſſion geworden war,