# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 22_S48 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 48 Sammlung von Ausſprüchen über Dr. des Evangelii wiederum an den Tag gebracht M. Luthers Perſon, Lehre, Schriften und Thaten von Leuten aus allerlei Religionen. I. Von Lutheranern. D. J. Brentius (ſtarb als lutheriſcher Probſt 1570 zu Stuttgart): Lutherus allein hebt in ſeinen Schriften, wir alle, gegen ihn zu rechnen, ſind als todter Buchſtaben. Ich will ſagen, was des Dinges iſt. Auf welchen Stand menſchliches Lebens ich meine Augen wende, ſo kommen mir Wohl— thaten für, welche Gott gnädiglich durch Luthe⸗ rum uns bewieſen hat. Daß in der Kirchen das gottloſe Weſen ausgerottet, dagegen Geſetz und Evangelium, das iſt, die ganze zur Selig⸗ keit nöthige Lehre wahrhaftig erkläret, die heil. Sacramenta ausgetheilet, der Name Gottes wahrhaftig angerufen, die Pfalmen nützlich ge⸗ ſungen werden, iſt eine beſondere Wohlthat Got— tes, wider aller Papiſten und Münche Willen, durch Lutherum uns mitgetheilet. Daß in den Schulen die unflätigen gottloſen Träume der Sophiſten weggeworfen, dagegen die heil. Schrift, welche recht zu erkennen wir billig al⸗ len Fleiß anwenden ſollen, rein und lauter für⸗ getragen wird, ſolches haben wir Gott vermit⸗ telſt des Dienſtes Lutheri zu danken. Wenn du im weltlichen Regierſtande mit gutem Gewiſſen das Schwert recht führeſt, haſt du ſolches der Lehre zuzuſchreiben, welche Luthe— rus vom weltlichen Regierſtande erklärt hat. Was für Mühe, was für Verwirrung des Ge— müths ſollte dir nicht begegnen im Haus— ſtande, entweder in der Ehe, oder Ackerbau, oder Handwerk, oder Kaufhändel, oder andern Hausgeſchäften, nicht alleindenen, welche ſauere Arbeit erfordern, ſondern auch etwas freier ge— trieben werden, wenn du nicht in der Lehre, welche Lutherus, der treue Knecht Chriſti, mit großer Geſchicklichkeit ertäutert hat, wohl un⸗ terrichtet biſt. Endlich, wenn du anſieheſt ent⸗ weder unſer gemeines Weſen, oder eines jeden eigenes, ſo ſchweben uns vor Augen die Gut⸗ thaten, damit uns der Sohn Gottes durch Lu⸗ therum gnädiglich begabet hat. (Siehe: Bren⸗ tii Vermahnung, die Bücher Lutheri mit Fleiß zu leſen.) Dr. Hier. Weller (war eine Zeitlang Informator der Kinder Lutheri und ſtarb als Schulinſpector zu Freiberg 1572): Derhalben rath und vermahn ich alle fromme gottſelige Pfarrherrn, oder Kirchenlehrer, daß ſie nicht ein Haar breit von den Schriften und Ceremonien des Mannes Gottes weichen. Denn daran iſt kein Zweifel, daß alle diejeni— gen, ſo da wollen mit Verſtand und Erfahren-— heit durch Schrift über Dr. Luther ſein und ſeine Schriften verachten, rechte abtrünnige Mamelucken und irrige Flattergeiſter ſein, und der Exempel haben wir viel vor Augen. Lu- therus iſt weit mehr, denn ſich ſolche in geiſt— lichen Streiten unerfahrne Leute der Sachen bedünken laſſen. Denn er an Geiſt, Kraft, Weisheit, Geſchicklichkeit und Erfahrenheit den fürnehmſten Propheten und Apoſteln iſt gleich geweſen. Sintemal er erſtlich die reine Lehre hat. Zum andern den römiſchen Pabſt, wider den niemand auch nicht das Geringſte ſich hat dürfen vernehmen laſſen, angegriffen, und ſich allein, ohne aller Menſchen auch geringſte Hilfe oder Schutz freudig dürfen wider ihn aufleh— nen und ſetzen, wodurch er alle Könige und Fürſten, ja vielmehr alle Pforten der Hölle wider ſich erweckt und erregt, welches er wahr— lich nicht hätte können thun, wo nicht in ihm ein prophetiſcher Geiſt, ſonderliche Stärke, Großmüthigkeit und Kraft des Glaubens wäre, welches, wie wir leſen, im Propheten Elia ge— weſen ſei; daß ich ihn wahrhaftig und billig den dritten Eliam nennen mag, der kurz vor dem jüngſten Tag vorher kommen und alles wieder zu recht bringen ſoll. Und ſolches hat er nicht allein aus heil. Schrift gelernet, ſon⸗ dern die großen Verfolgungen und Anfechtun⸗ gen ſind ſeine Lehrer und Meiſter geweſen, und ſo vormals ein ander Prophet und Apoſtel die Maal⸗Zeichen und Wunden unſeres HErrn JEſu Chriſti an ſeinem eigenen Leibe getra— gen, ſo hat es fürwahr Lutherus fürnehmlich gethan. Des kann ich ein Zeuge ſein, als der ich ſein innerliches Leben mit ſtetem Fleiß ge— ſehen und angeſchauet habe, und fürwahr acht ganzer Jahre ſein Tiſchgeſell geweſen bin. Es haben auch ſeine vielfältigen und mancherlei Anfechtungen, Streit und Kämpfe ihn oft da— hin bewogen, daß er von Herzen begehrt, von hinnen zu ſcheiden und bei Chriſto zu ſein, auch oft geſaget, er wolle lieber ſein Blut um Chri⸗ ſtus willen vergießen, denn mit ſolchen tödtli— chen Gedanken, des Teufels feurigen und gif⸗ tigen Pfeilen, geplaget werden. Derhalben hat er auch nicht mit ſolchem faulen, ſchläfri⸗ gen und ſicheren Gemüth und Gedanken, wie der große Haufe der Theologen pfleget, die heil. Schrift ausgelegt. Dies hab ich aber fleißig gemerkt: ſo oft er ein nützes und nöthi— ges Schreiben wollt laſſen ausgehen, daß ihn der Teufel zuvor hatte mit Fäuſten geſchlagen. Die großen Trübſalen und Streite und Aengſti⸗ gungen haben ihn dabei getrieben, daß er die heil. Schrift etwas tiefer hat angeſehen und erwogen als andere Ausleger und Dolmetſcher, und daß er wider alle Anfechtung und Ver— ſuchung rechte und gewiſſe Arznei und Troſt in der heil. Schrift weiſen und zeigen könnte, welches keineswegs die, ſo ſolche Anfechtung und Trübſalen und der Höllen Angſt und Noth nicht erfahren, können thun. Derhalben warne und vermahne ich alle die— jenigen, ſo Theologiam ſtudiren wollen, daß ſie ihnen ſeine Bücher durch ſtete und fleißige Le⸗ ſung aufs aller läuftigſte und gemeinſte machen; denn mich alle Theologen in ihrem Schreiben und Predigen weiß nicht wie kalt dünken ſein, die nicht des Lutheri Bücher bei Tag und Nacht fleißig durchleſen haben, und hat keine Gefahr, daß etwa Zwietracht oder Spaltung in einem Land oder Stadt unter den Dienern göttliches Worts entſtehen möchten, wenn ſie des Lutheri Schriften fleißig und ſtete alleſamt leſen und oft wiederholen. Alſo habt ihr, mein lieber Wolfgang, mein Urtheil von Luthero, welches ich nicht zweifle, daß es allen denjenigen, ſo Chriſtum lauter und rein verkündigen, gefallen werde. Gehabt euch wohl im HErrn, und ſeid ſtark und beſtändig im Bekenntniß der Wahr⸗ heit und gedenket meiner in eurem Gebet. Ge⸗ geben zu Freiberg, die Mittwochen nach Oculi, im 1561. Jahr. Dr. Alberus (war zuletzt Generalſuperin⸗ tendent zu Güſtrow in Mecklenburg, ſtarb 1553): Dr. Martin Luther war ein Mann, der den Zorn Gottes aufhalten konnte; keiner konnte fleißiger und ernſtlicher beten und Gott anru⸗ fen; keiner konnte beſſer tröſten; keiner konnte beſſer predigen. Er war ein Mann ohne Falſch, den Lügnern und Zweizüngigen war er gram, Aufrichtigkeit hatte er lieb, den Geiz haßte er, der Hoffart war er feind, Trunkenheit und Un⸗ zucht waren ihm unbekannt. Man ſpürete an ihm keinen Zorn, ohne wenn er zu Felde lag mit Papiſten und Schwärmern, da ſaht man des heil. Geiſtes und nicht eines Menſchen Zorn. Ein fein, klar, tapfer Geſichte und Fal⸗ kenaugen hatte er und war von Gliedmahen eine ſchöne Perſon. Item. Er war ein wohl⸗ beredter, freundlicher, holdſeliger, ernſthaftiger, wahrhaftiger, beherzter, züchtiger, koſtfreier, fröhlicher Mann, konnte in allen Dingen Mäpßigkeit halten, redet kein vergeblich Wort, den Halsſtarrigen war er ſchrecklich, den Blö⸗ den tröſtlich. Item, wenn er gefragt ward um den rechten Verſtand eines Spruchs in der heil. Schrift, alsbald war er mit der Antwort fertig. Wenn er um Rath gebeten ward, von Sinnd an gab er guten Rath, als hätte er ſich eine lange Zeit darauf bedacht, und war ſowohl ge— rathen, daß man leichtlich ſpüren konnte, der heil. Geiſt wäre da Meiſter und Rathgeber ge— weſt. Er war nicht ſtörrig, fuhr niemand mür— riſch an, gab freundliche Antwort und guten Bericht, war kein Spötter, ſondern hatte Mit⸗ leiden mit der einfältigen Thorheit oder Unver— ſtand, gab gern, leihete gern, diente jedermann gern, beide mit Rath und That, Worten und Werken. Anm. Der hier redende Alberus fragte einſt Luthern, wie man vor Fürſten und großen Herrn predigen müſſe? Luther antwortete: wie es ſein Name gebe, fein, alberr und ein⸗ fältig. Urbanus Regius (zuletzt Generalſuperin⸗ tendent der Lüneburgiſchen Lande, ſtarb zu Celle 1541): Luther iſt ein ſolcher und ein ſo großer Theo— log, daß kein Zeitalter einen ähnlichen gehabt hat; um ſomehr muß ich die Dummheit und Anmaßung der Carlſtadtianer verwünſchen, die ſich ſchmeicheln, als könnten ſie mit Luthern verglichen werden, deſſen Schatten ſie nicht er⸗ reichen mit aller ihrer Weisheit, damit ſie ſich groß machen. Ich muß ſagen, was ich denke: wir ſchreiben zwar alle und treiben die heil. Schrift; aber mit Luthern verglichen ſind wir Schüler; dieſes Urtheil fließt nicht aus der Liebe, ſondern die Liebe aus dem Urtheil. G. Fabricius (ſtarb als Rector des Gymnaſinms in Meißen 1571) ſchreibt an Hier. Weller: Du hebſt Lutherum ſo hoch, als andere ihn