# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zehnten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1902. 37 Chriſtum zurück⸗ und dafür die Werke des Menſchen in den Vordergrund ſtellen. Es iſt dies ein Beleg dafür, daß die Menſchen, wenn ſie in Sachen der Religion anſtatt Gottes Wort den eigenen Gedanken folgen, unwiſſend, blind, thöricht, toll und raſend ſind. Sie ſind ſo unſinnig, als wenn jemand, der Früchte haben will, ſeinen Zweck dadurch erreichen wollte, daß er den Baum zerſtört, der die Früchte hervorbringt. Nein, es iſt eine unverrückliche Ordnung zwiſchen dem Glauben an Chriſtum und den guten Werken. An erſter Stelle ſteht der Glaube an Chriſtum, und an zweiter Stelle ſtehen die guten Werke. Wer die Werke an die erſte Stelle rücken will, der zerſtört damit die guten Werke. Die guten Werke müſſen an zweiter Stelle ſtehen bleiben, oder ſie ſtehen überhaupt nicht, das heißt, ſind überhaupt nicht vorhanden. Außer dem Glauben an Chriſtum gibt es eine äußere, bürgerliche, natürliche Moral, die ihren Werth hat für das bürgerliche Leben, aber keine chriſtliche Sittlichkeit, keine guten Werke, weil es außer dem Glauben an Chriſtum keinen Heiligen Geiſt, keine auf Gott gerichtete Geſinnung, keine Liebe zu Gott gibt. Man kann außer Chriſto wohl von der Liebe zu Gott reden. Auch die Heiden haben das gethan. Auch die Papiſten, die Unitarier, die Logen ꝛc. thun das. Aber die Rede bleibt ein bloßes Gerede. Liebe zu Gott und dem Nächſten wird nach dem Fall nur auf Eine Weiſe in das menſchliche Herz hineingepflanzt: durch den Glauben an Chriſtum, den Sünderheiland. Darum ſind alle diejenigen, welche mit Harnack und allen Werklehrern das Weſen des Chriſtenthums anſtatt in den Glauben an Chriſtum in die menſchliche Sitt⸗ lichkeit ſetzen wollen, Feinde und Zerſtörer aller guten Werke. Die chriſtliche Kirche muß mit ihnen unverworren bleiben. 4. Die chriſtliche Kirche ſoll die Menſchen weiſe, verſtändig machen, ſo weiſe und verſtändig, daß ſie in religiöſen Dingen klar und ſicher zwiſchen Wahrheit und Irrthum unterſcheiden können. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen“, ſagt der HErr Chriſtus von denen, die zu ſeiner Kirche gehören, Joh. 8, 32. Wann aber und wodurch kommt geiſtlicher Verſtand in den Men⸗ ſchen hinein? St. Paulus ſchreibt 1 Cor. 2, 15.: „Der Geiſtliche richtet alles, und wird von niemand gerichtet.“ Wer iſt hier der „Geiſtliche“? Das iſt nach dem Zuſammenhang des Textes nicht etwa der Paſtor oder irgend eine beſonders begabte Perſon in der Kirche, ſondern jeder Chriſt, das heißt, jeder Menſch, der das Evangelium von Chriſto im Glauben erkannt und angenommen hat, der da weiß, daß man nicht durch eigene Werke, ſondern durch den Glauben an Chriſtum den Gekreuzigten einen gnädigen Gott und die Seligkeit hat. Das hat der Apoſtel Paulus zu Corinth und überall gepredigt, wie er an derſelben Stelle, 1 Cor. 2, 2., berichtet: „Ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohn