# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Verhandlungen der 25ſten Allgemeinen oder ſich nur nach dem Beiſpiele Chriſti Gott als Vater vorſtellen. Alles, was ein Menſchenantlitz trage, ſolle nur zuverſichtlich ſein Haupt erheben und Gott ſeinen Vater nennen, ohne Chriſti Perſon und Werk in das Evange⸗ lium einzuſtellen, das heißt, ohne an Chriſtum den Gekreuzigten zu glauben. Aber Harnack mag von Zuverſicht reden und zur Zuverſicht auffordern, ſo⸗ viel er will. Die Zuverſicht bleibt, mit Luther zu reden, nur in den Worten und im Munde und kommt nie ins Herz hinein. Und wenn die ganze Menſchheit ſich bei den Händen faßte und zehn Jahre lang, ja, ein ganzes Lebenlang ſchreien würde: Wir glauben zwar nicht an Chriſti für uns ver⸗ goſſenes Blut, aber wir ſtellen uns Gott als gnädig vor, ſo würde ſie von ihrem eigenen Herzen und Gewiſſen dennoch verdammt werden. Die Men⸗ ſchen würden mit böſem Gewiſſen in die Grube fahren. Es ſteht ſo: Gott wird als gnädig, als Vater erkannt, ergriffen, er⸗ fahren nur in Chriſto, nicht an Chriſto vorbei. Die Juden wollten auch mit Umgehung Chriſti Gott ihren Vater nennen. Sie weigerten ſich, gerade wie Harnack, Chriſti Perſon und Werk in das Evangelium einzuſtellen. Chriſtus aber hält ihnen vor: „So ihr nicht glaubet, daß ich es ſei“ — nämlich euer Heiland und Sündentilger —, „ſo werdet ihr ſterben in euren Sünden“, Joh. 8, 24. Ein Gewiſſen zur Ruhe, zum Frieden bringen, kann keine Creatur; das iſt nicht Menſchenwerk, ſondern Gottes Werk. Gott der Heilige Geiſt muß an Stelle des Verdammungsurtheils ein Begnadigungs⸗ urtheil in das Gewiſſen ſchreiben. Der Heilige Geiſt aber iſt ein Geiſt, der Chriſtum verklärt. Indem er Chriſtum als das Gotteslamm, das der Welt Sünde getragen hat, in den Herzen verklärt, wiſcht er das göttliche Ver⸗ dammungsurtheil im Gewiſſen aus und ſetzt er an deſſen Stelle das Be⸗ gnadigungsurtheil und damit die Zuverſicht: „Ich habe einen gnädigen Gott.“ Werklehrer, die das Weſen des Chriſtenthums in des Menſchen eigene Sittlichkeit ſetzen, können ein Gewiſſen zeitweilig einſchläfern, aber nicht zufriedenſtellen. Sie ſind nicht Friedebringer für die Menſchheit, ſondern Peiniger derſelben. Luther nennt in der Erklärung von Jeſ. 52, 7. Werklehrer, wie die Papiſten und Harnack, „traurige Nachteulen“, die „mit ihrem Geheule ſchrecken“. Aber von den Boten, die den Menſchen das Evangelium von Chriſto dem Gekreuzigten bringen, ſagt er: „Sie haben liebliche Füße, denn ſie bringen das allerfröhlichſte Wort für die unruhigen Gewiſſen mit ſich. Das wiſſen diejenigen, deren Gewiſſen einmal in Gefahr geweſen ſind.“*) Und zu Jeſ. 40, 2. bemerkt Luther: „Die Vergebung der Sünden ſteht nicht im Wirken [eines Menſchen], noch auch darin, daß man das Geſetz lehrt und thut, ſondern ſchlechterdings in der gnädigen Erlaſſung (der Sünden). Und dieſen Spruch muß man ſorgfältig feſthalten. Denn wenn *) St. L. Ausg., VI, 611.