# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zehnten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1902. 31 Chriſtum ſelig werden. Dies Evangelium von Chriſto nennt Paulus 1 Cor. 2 „die heimliche, verborgene Weisheit Gottes“, „welche keiner von den Ober⸗ ſten dieſer Welt erkannt hat“. Dies Evangelium von Chriſto bezeichnet er als etwas, „das kein Auge geſehen und kein Ohr gehöret hat und in keines Menſchen Herz kommen iſt“. Und dieſes Evangelium von Chriſto bezeichnet der Apoſtel als den eigentlichen Inhalt der ganzen chriſtlichen Lehre, wenn er an derſelben Stelle ſagt: „Ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohn allein JEſum Chriſtum, den Gekreuzigten.“ Der Heidenwelt, die in Finſterniß und im Schatten des Todes ſitzt, geht erſt dann das Licht auf, wenn ihr das Evangelium von Chriſto gepredigt wird, wenn ihr die Botſchaft gebracht wird: „Ihr ſeid durch Chriſtum mit Gott verſöhnt, ohne eure Werke iſt durch Chriſtum Gnade, volle Gnade für euch vorhanden; glaubt das, ſo habt ihr einen gnädigen Gott.“ Das iſt das Weſen des Chriſtenthums. II. Und an dieſem Weſen des Chriſtenthums muß die chriſtliche Kirche feſt⸗ halten, wenn ſie die Aufgabe erfüllen will, die ihr in dieſer Welt zugewieſen iſt, wenn ſie das ausrichten will, wozu ſie von Gott in die Welt geſtellt iſt und von Gott erhalten wird. Wozu nämlich iſt die chriſtliche Kirche in der Welt? 1. Erſtlich und vor allen Dingen dazu, die Menſchen ſelig zu machen. Durch den Staat ſollen die Menſchen äußerlich in Ordnung gehalten werden. Die Kirche hingegen ſoll die Menſchen ſelig machen. Das iſt die Aufgabe der Kirche in der Welt. Dieſen Zweck der chriſtlichen Kirche geben alle, die noch Chriſten ſein wollen, ohne Weiteres zu. Wodurch aber erreicht die Kirche dieſen ihren Zweck? Einzig und allein durch die Predigt des Evangeliums von Chriſto dem Gekreuzigten. Sie muß predigen: Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Dies Evangelium von Chriſto iſt eine Kraft Gottes, die da ſelig macht alle, die daran glauben. Durch die eigene Sittlichkeit, durch die eigenen Werke, wird kein Fleiſch vor Gott gerecht. Im Gegentheil: Die mit des Geſetzes Werken umgehen, ſind unter dem Fluch. So gewiß es iſt, daß alle diejenigen einen gnädigen Gott haben, die an Chriſtum glauben, ſo gewiß iſt es auch, daß Gott allen denen ungnädig iſt, die mit ihrer eigenen Sitt⸗ lichkeit vor ihn hintreten. Was würde daher geſchehen, wenn die Kirche das Weſen des Chriſtenthums nicht in das Evangelium von Chriſto, ſondern in des Menſchen eigene Sittlichkeit ſetzen wollte, wenn ſie anſtatt der Gnade Gottes in Chriſto des Menſchen Tugend und