# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zehnten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1902. 27 tige Seele hat; auch nicht dies, daß er Mann oder Weib, jung oder alt iſt; auch nicht dies, daß er gebildet oder ein Naturmenſch, daß er weiß oder ſchwarz oder gelb ꝛc. iſt; auch nicht dies, daß er ein Americaner oder Deut⸗ ſcher oder Engländer iſt; auch nicht dies, daß er einen Gott glaubt und nach ſeinem Gewiſſen ehrbar zu leben trachtet und nach den Landesgeſetzen ſich hält. Nein, nur eins im Menſchen macht ihn zum Chriſten: der Glaube an Chriſtum, dies, daß der Menſch, der nun einmal ein Sünder iſt, zur Erlan⸗ gung der Gnade Gottes und der Seligkeit ſich auf Chriſtum verläßt. Dadurch unterſcheidet ſich das Chriſtenthum von allen andern Religionen, die es ſonſt noch in der Welt gibt. Alle andern Religionen ſind nämlich Werk⸗ religionen, das heißt, Religionen, die den Menſchen Anleitung geben, wie ſie — die Menſchen — durch eigene Güte, eigene Bemühungen, eigene Werke ſich Gottes Gunſt zuwege bringen. Darin ſtimmen alle nichtchriſtlichen und die angeblich chriſtlichen Religionen überein. Nur die Art der Werke, die ſie vorſchreiben, iſt bei den verſchiedenen Religionen verſchieden. Das Chriſtenthum aber iſt nicht eine Werkreligion, ſondern die Glaubensreligion, die Religion des Glaubens an Chriſtum. Ein Chriſt iſt ein Menſch, der nicht durch eigene Güte und Werke, ſondern durch Chriſti Gerechtigkeit und Werke in den Himmel kommen will. Woher kommt das? Woher kommt dieſes Weſen des Chriſtenthums? Wor⸗ in hat dieſes Weſen des Chriſtenthums ſeinen Grund? Woher kommt dieſer Unterſchied zwiſchen Chriſtenthum und Heidenthum? Er kommt daher: die chriſtliche Religion hat einen Heiland, alle andern Religionen nicht. Die heidniſchen Religionen haben bloße Lehrer, Lehrer, die den Menſchen moraliſche Vorſchriften geben, durch deren Befolgung die Menſchen ſich in den Himmel bringen ſollen. Chriſtus, der menſchgewordene Gottesſohn, hat die Sache anders angegriffen. Er hat kein neues Geſetz gepredigt, aber er hat ſich an Stelle der Menſchen unter das alte, ewig verbindende Geſetz ge⸗ geben, es an Stelle der Menſchen gehalten und die Strafe für die Uebertre⸗ tung des Geſetzes an Stelle der Menſchen durch ſein Sterben und Blutver⸗ gießen bezahlt. Wie die Schrift von Chriſto bezeugt: „Als die Zeit erfüllet ward, ſandte Gott ſeinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Ge⸗ ſetz gethan, auf daß er die, ſo unter dem Geſetz waren, erlöſete“, Gal. 4, 4. 5. Und abermal: „Siehe, das iſt Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt“, Joh. 1, 29. „Fürwahr, Er trug unſere Krankheit und lud auf ſich unſere Schmerzen. . . . Er iſt um unſerer Miſſethat willen verwundet und um unſerer Sünde willen zerſchlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten“, Jeſ. 53, 4. 5. Kurz, weil Gottes Sohn Menſch geworden iſt, als Gottmenſch an Stelle der Menſchen Gottes Geſetz gehalten und die Strafe für die Uebertretung des Geſetzes bezahlt und alſo aller Menſchen Heiland geworden iſt, ſo beſteht nun das Weſen des Chriſtenthums nicht darin, daß ein Menſch verſucht, Gottes Gebote zu halten, ſondern darin, daß ein Menſch an den