# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. auf 4,016; in St. Thomas aus 13,666 auf 2,281 und in St. Johns aus 2,228 auf 99. Nach dem (noch nicht publicirten) Census von 1856 hat sich die Einwohnerzahl von St. Thomas (in Folge der Cholera im Jahre 1853) um 4,106 vermindert, und alle kirchliche Gemeinschaften haben an Gliederzahl verloren: die Lutheraner 131, mit Ausnahme der Episcopalen, die (in Folge der Einwanderung von den englischen Inseln) um 561 gewachsen sind. Würtemberg. Auf der letzten in Stuttgart abgehaltenen Diöcesansynode wurde u. A. beschlossen, es „solle für jetzt von allgemeiner Einführung einer eigentlichen Kirchen⸗ zucht, deren Ordnung sich aus dem Innern der Kirche entwickeln müsse, Umgang genommen werden, wie wünschenswerth es auch sei, daß schon jetzt von Seiten der Oberkirchenbehörde alles geschehe, was zur Anbahnung derselben räthlich erscheine, namentlich durch schonende und schützende Behandlung derjenigen Geistlichen und Pfarrgemeinderäthe, welche Gelegen⸗ heit und Freudigkeit haben, in ihren Gemeinden die Sache weiter zu fördern, sowie durch eine allgemeine Ermahnung, die da und dort in einzelnen Gemeinden noch vorhandenen lokalen Anstalten und Sitten für positive Kirchenzucht, wohl zu erhalten und zu pflegen, und endlich durch Benützung der erst abzuwartenden Erfahrungen von dem Eindrucke der da und dort geschehenen Anwendung der Zuchtmittel.“ Deutsche kirchliche Zustände. Folgendes schreibt ein Lutheraner aus Deutsch⸗ land unter dem 26. Sept. v. J. an einen Prediger unserer Synode: „Sie haben etwas Un⸗ schätzbares voraus, eine klare Kirchengemeinschaft, während sich bei uns auch in dem engern Kreise der Bekenner zum lutherischen Christenthum fortwährend Trübheiten über Trübheiten störend einmischen. Wenige Notabilitäten ausgenommen, wie Harleß, Thomasius, Philippi, haben unsere Coryphäen und Quasicoryphäen eine vorherrschende Neigung, über die symbolischen Bücher hinaus zu gehen, indem sie bald etwas davon abthun, bald etwas zuthun und so auch formell vergessen, daß sie zwar nur eine norma normata, aber als nor- mata zugleich normans ist, und behandeln sie, wie eine norma normanda in Gemäßheit der Fortschritte neuerer Schrifterkenntniß und tieferer dogmatischer Forschung, wie z. B. in der Lehre vom Abendmahl, wo nicht Sündenvergebung, sondern die unio mystica sacramen- talis der Communicanten mit Christo die Hauptsache sein soll und in den bekannten Streitig⸗ keiten über die Wirksamkeit der Gnadenmittel, so wie über die Bedingung und die Art dieser Wirksamkeit, welche sich an die Controverse über Kirche und Amt anreihen. So wird der ganze Heilsweg und insbesondere die Rechtfertigungslehre und in Folge davon die tägliche Buße rechter Art gleichsam in einen Dunstkreis falscher Lehre gehüllt, in welchem allerlei Menschensündlein herumflackern und Einem in das geistige Auge fliegen, so daß man mit dem Auswischen gar nicht fertig werden kann. Da ist es denn in der That nicht leicht, in rechter Weise Gemeinschaft zu halten, in rechter Weise stillschweigend zu dulden und zu tragen, und doch auch in rechter Liebe zu strafen, zumal da man in letzterer Hinsicht in einem bösen Cirkel geräth, da eine Neigung vorherrscht, nicht die Strafe an sich, sondern die Person des Stra⸗ fenden anzusehen und den Nichttheologen in halbrömischer Weise die Competenz wenigstens stillschweigend abzusprechen, wenn man das auch nicht überall laut werden läßt. Mir fühlt sich das ganze Wesen so an, als gäbe man dem Worte Gottes an sich nicht die gebüh⸗ rende Ehre, sondern nur gewisse Handlungen, worin das Wort wirkt, Sacrament, Predigt von der Canzel und aus dem Munde eines Ordinirten oder doch eines Theologen, kurz als wenn man gewisse Kanäle des Wortes über das Wort selbst stelle. Nichtsdestoweniger gewinnt Orthodoxie und Lutherthum immer mehr Raum, wenn auch nicht abzusehen ist, bis wohin das Eine wie das Andere zusammenschrumpfen wird, wenn es einmal zu ernster Heim⸗ suchung und Sichtung kommen sollte. Ich und meine Frau leben mit wenigen Ausnahmen ganz auf uns zurückgezogen. Wir freuen uns gar sehr, daß wir völlig eines Geistes mit Euch sind, wie wir aus „„Lehre und Wehre““ und dem „„Lutheraner““ immer und immer wieder bestätigt finden.“ ————◆————