# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Verhandlungen der 25ſten Allgemeinen oder Oeſtlichen und im Mittleren Diſtrict. Die Synode hatte die Ordnung ge⸗ troffen, daß ich nur den Unterricht in der Dogmatik behalte, der Unterricht in der Paſtorale aber einem andern Gliede der Facultät übertragen werde. Ich habe von dieſer Anordnung nur in Einem Jahre Gebrauch gemacht und zwei Jahre in beiden Disciplinen, wie früher, unterrichtet, weil ſich heraus⸗ ſtellte, daß die Arbeiten des Allgemeinen Präſidiums zum größten Theil in die Ferien fallen. Die hauptſächlichſten Gegenſtände, welche einer Ehrw. Synode zur Be⸗ rathung vorliegen werden, ſind bereits durch den „Lutheraner“ angekündigt worden und liegen gedruckt vor. Wir ſind, Gott ſei Dank, im Glauben einig. Wir ſind auch einig in der Willigkeit, Chriſto in ſeinem Reiche durch Ausbreitung des Evangeliums zu dienen. Unſere Berathungen werden zumeiſt die Art und Weiſe zum Gegen⸗ ſtand haben, welche am beſten der Ausrichtung unſeres Chriſtenberufes dient. Da wollen wir uns nun durch Gottes Gnade Mühe geben, die beſten Ord⸗ nungen zu treffen, das heißt, die Ordnungen, welche am beſten dem Lauf des Evangeliums dienen. Sollte es ſich aber herausſtellen, daß wir in Bezug auf einzelne Ordnungen auch nach eingehender Berathung nicht ganz zu derſelben Anſicht kommen, ſo wird die Minorität ſich gerne in die Majo⸗ rität fügen, da in Mitteldingen ein Chriſt ſeinem Bruder gerne unterthan iſt, und er weiß, daß die Kirche auch bei minder guten äußeren Ordnungen nicht zu Grunde geht, ſolange ſie bei Gottes Wort bleibt. Eins iſt noth: Gott erhalte uns aus Gnaden um Chriſti willen bei ſeinem Wort, daß das⸗ ſelbe unſeres Fußes einzige Leuchte und das einzige Licht auf unſerem Wege ſei. Amen. Das Weſen des Chriſtenthums. (Vortrag, gehalten von Prof. F. Pieper.) So ziemlich in der ganzen äußeren Chriſtenheit iſt in den beiden letzten Jahren über das Weſen des Chriſtenthums verhandelt worden. Das will ſagen: man hat darüber verhandelt, worin das Chriſtenthum eigentlich be⸗ ſtehe und wodurch es ſich von allen andern Religionen unterſcheide. Ver⸗ anlaßt wurden dieſe Verhandlungen durch die Vorleſungen des Berliner Profeſſors Harnack über dieſen Gegenſtand. Was Harnack ſagte und bald darauf drucken ließ, verdient allerdings nicht die allgemeine Aufmerkſamkeit, die es erregte. Der Berliner Profeſſor hat nur alte, längſt bekannte Be⸗ hauptungen wiederholt. Harnacks Lehre iſt kurz dieſe: Chriſtus iſt nicht Gott, ſondern ein einzigartig weiſer und tugendhafter Menſch. Chriſtus hat daher auch nicht an Stelle der Menſchen das göttliche Geſetz gehalten und die Strafe für die Uebertretung des Geſetzes getragen.