# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der 25ſten Allgemeinen oder äußeren Chriſtenheit verleumdete und verfolgte die Wahrheit. Luther ruft immer wieder aus: „Wir müſſen die Ketzer ſein.“ Wenn wir dies erwägen, ſo kann es uns nicht mehr ſo gar befremdlich vorkommen, daß wir mit unſerer Lehre, von der wir wiſſen, daß es die lautere göttliche Wahrheit iſt, keine allgemeine Anerkennung innerhalb der äußeren Chriſtenheit finden. Man könnte einwerfen: Iſt nicht die chriſtliche Kirche aus der Wahrheit? Wie kann ſie denn die göttliche Wahrheit verwerfen und bekämpfen? Darauf iſt zu ſagen: Der Haufe, der ſich chriſtliche Kirche nennt, iſt nicht die chriſtliche Kirche. Die chriſtliche Kirche ſind die Leute, welche in ihrem Herzen auf Chriſti Verdienſt vertrauen und den Heiligen Geiſt haben. Und dieſe halten es thatſächlich in ihrem Herzen alleſammt mit uns. Die ganze Chriſtenheit auf Erden hält es in ihrem Herzen mit uns ſogenannten Miſſou⸗ riern. Und das iſt ſelbſt dann noch der Fall, wenn ſie, durch andere ver⸗ führt, ſich äußerlich gegen uns ſtellen und äußerlich wider uns ſchreien. Alle Chriſten auf Erden glauben mit uns Miſſouriern, daß ſie allein aus Gnaden um Chriſti willen bekehrt und gerechtfertigt ſind und allein aus Gnaden um Chriſti willen ſelig werden. Kein Chriſt hält in ſeinem Herzen dafür, daß er durch ſeine Werke, ſeine Selbſtentſcheidung, ſein rechtes Verhalten zu ſeiner Bekehrung und Seligkeit einen Beitrag liefere. Aber, wirft jemand vielleicht weiter ein, wir werden nicht bloß von der äußeren Chriſtenheit im Allgemeinen, ſondern auch von ſolchen, die ſich lutheriſch nennen, zu der Kirche der Reformation gehören wollen, bekämpft! Iſt das nicht äußerſt befremdlich? Nun, das iſt genau die Sachlage, in der ſich Chriſtus und die Apoſtel befanden. Die jüdiſche Kirche war dem Namen nach die rechtgläubige Kirche. Aber der Name ſchützte ſie nicht vor der Ver⸗ werfung der rechten Lehre. So ſchützt auch heutzutage der Name „lutheriſch“ nicht vor der Verwerfung der lutheriſchen Lehre. Es geht dem lutheriſchen Publicum zu unſerer Zeit, wie es dem jüdiſchen Publicum zu Chriſti Zeit er⸗ ging. Die Juden wollten mit ganzem Ernſt Juden ſein und ſchrieen ſich ſchier heiſer nach dem Meſſias. Als aber der Meſſias wirklich kam, wollten ſie ihn nicht, ſondern kreuzigten ihn. So wollen auch heute viele partout lutheriſch ſein. Luthers Name hat einen guten Klang. Sobald man aber mit lutheriſcher Lehre vor ſie hintritt, ſchreien die einen: „Das iſt römiſcher Sauerteig“, wenn die lutheriſche Lehre von den Gnadenmitteln vorgetragen wird, die andern: „Das iſt Calviniſmus“, wenn ſie hören, daß Bekehrung und Seligkeit allein von Gottes Gnade und nicht von menſchlicher Mitwirkung abhängt. So kann und darf uns auch die Luthers Namen mißbrauchende Oppoſition nicht irre machen. Meine theuren Väter und Brüder! man muß in der Wahrheit ſtehen, um ſie zu verſtehen. Luther klagt ſchon von ſeiner Zeit, daß das Evangelium „Myſterium und heimlich genug“ ſei, „nicht allein den Papiſten, ſondern auch den Unſern, ſo ſich faſt evangeliſch rühmen“. Noch mehr müſſen wir zu unſerer Zeit von den „Unſern“, „ſo ſich faſt lutheriſch rüh⸗