# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 62 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. serer Ueberzeugung nach fehlt es dem Aeltesten an Religion; wenn er neu belebt wird, noch ehe er unsere Stadt wieder verläßt, so mag er sehr dankbar fühlen. Es ist ganz und gar zu viel „„Knapp““ und zu wenig von dem einfachen, demüthigen Erlöser in seinen Predigten; zu viel „„beiße an, oder sei verdammt!““ — zu viel Essig, zu wenig Honig.“ — Wenn werden doch die amerikanischen Sekten⸗Prediger endlich einsehen, daß die Echauffements, die sie wirken, noch keine Bekehrungen sein und daher zu den alten Maßregeln der christlichen Kirche zurückkehren? Wenn werden sie endlich einsehen, daß man Bekehrungen in den Zei⸗ tungen nicht wie fertig gewordene Waare ankündigen und puffen kann? Wenn wird endlich das Volk dahinter kommen, daß oft die ungeberdigsten Eiferer für Bekehrung auf den Can⸗ zeln selbst die unbekehrtesten Menschen sind, Wolken ohne Wasser, von dem Winde umge⸗ trieben, kahle unfruchtbare Bäume, zweimal erstorben und ausgewurzelt, Judä 12. 13. Predigerseminar. Der in „Lehre und Wehre“ in der Decembernummer v. J. bereits erwähnte Vorschlag des Herrn Dr. Kurtz, daß eine Anstalt errichtet werden möge neben dem Gettysburger Seminar, in welcher Aeltere mehr practisch auf das Amt vorberei⸗ tet werden könnten, geht mehr und mehr seiner Ausführung entgegen. Die Anstalt, Mis- sionary Institute of the Ev. Luth. Church titulirt, soll in Baltimore Co., Md., placirt werden. Was die Betheiligung an dem Werke betrifft, so können nach den bereits entworfenen „Statutes for the Government“ nur Synoden, die mit der Generalsynode in Verbin⸗ dung stehen, dieselbe genießen; aus der Anstalt hervorgehenden Candidaten ist nicht erlaubt, ohne Einstimmung der Synode, unter deren Aufsicht sie als Seminaristen standen, sich an einen anderen kirchlichen Körper anzuschließen und bei demselben eine Prediger⸗Licenz zu suchen. Wir fürchten, daß auch diese Lebensverlängerungsmedicin bei der lieben Generalsynode, die es selbst merkt, daß ihre Tage gezählt sind, nicht anschlagen werde. Existiren, ja vegetiren mag sie noch einige Zeit, aber mit dem Leben ists aus. Die Zeit der Unwissenheit kann Gott wohl übersehen und dabei auch dem in Einfalt Irrenden Segen geben, wenn aber die Nacht vergangen und der Tag herbei gekommen ist, dann muß auch dieser die Waffen des Lichts anlegen, oder er kriegt Gott wider sich. Papistische Orthodoxie und Consequenz. So lesen wir in der Oertelschen Kath. Kirchenzeitung aus New York vom 22. Jan. d. J.: „Der Protestantismus selbst wird durch sein Princip zu einer höchst sträflichen Ungerechtigkeit gestempelt; denn, wenn es wahr ist, daß man durch jedes christliche Bekenntniß, also auch durch die katholische Lehre selig werden kann, wozu dann die Reformation und all die Uebel, welche die Glaubensspaltung über die Christenheit gebracht hat? Anders aber verhält es sich mit der katholischen Kirche. Sie lehrt nach dem Worte Christi: Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden. (Marc. 16, 16.) Sie lehrt ferner, daß der Glaube nur dann ein seligmachender sei, wenn er die volle von Christus geoffenbarte Wahrheit umfasse.“ Einige Zeilen weiter unten heißt es in demselben Aufsatz: „Die Kirche müßte mit sich selbst in Wiederspruch gerathen, wenn sie irgend einen Lebenden verdammen oder für verdammt erklären wollte. Denn sie lehrt ja, gestützt auf Gottes Wort (!!), daß selbst Heiden unter gewissen Bedingungen selig werden können, wenn sie nehmlich in unverschuldeter Unkenntniß der christlichen Wahrheit sind und das natürliche Gesetz treu erfüllen. Herr Oertel beweist hiermit wieder, wie schon oft, daß er weder die Lehre der Protestanten, noch die der römischen Kirche kennt, oder daß er ein elen⸗ der Jesuit ist, der anders schreibt, als er denkt; oder er beweist hiermit beides. Weiß er oder weiß er nicht, daß nach wirklich protestantischer Lehre wohl in den verschiedenen christ⸗ lichen, selbst irrgläubigen, Gemeinschaften Menschen selig werden, aber nicht durch den falschen Glauben dieser irrgläubigen Gemeinschaften, sondern durch den Einen alleinselig⸗ machenden Glauben, den manche trotz ihrer falschen Kirche im Herzen tragen? Daß hingegen freilich römische Theologaster einmal sagen, man könne nur durch den römischen Aberglauben selig werden, dann aber wieder, daß trotzdem auch ein frommer Heide recht wohl selig werden könne, das ist wahr; denn allerdings findet sich der gröbste Pelagianismus mit stetem Ge⸗ schwätz von dem alleinseligmachenden Glauben in dem Pabstthum ebenso kunstvoll als innig