# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 61 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Texas. Folgendes schreibt ein gewisser Herr Scherer, amerikanisch⸗luth. einhei⸗ mischer Missionar in Columbus, Texas, am 23. Nov. 1856: „Lieber Br. Kurtz. — Ich freue mich sehr über Dr. Schmuckers Vertheidigung des amerikanischen Lutherthums. Es ist ein zeitgemäßes Erzeugniß und wird, wie ich hoffe, selbst hier in Texas viel Gutes stiften. — Unsere deutschen Prediger sind alle Symbolisten, so versunken, daß sie nichts in Gestalt einer Kirche oder einer Lehranstalt, das nicht auf der festen Basis der symbolischen Bücher steht, anrühren können, ohne sich die Finger mit Ketzerei zu beschmutzen. Es freut mich jedoch zu wissen, daß einige aus der Hörerschaft für sich denken, und sich nicht binden lassen wollen, die Bibel nach den Symbolen zu lesen und zu verstehen; und ich zweifle nicht, daß, wenn das Buch des Herrn Doctors in ihrer eigenen Sprache verbreitet werden könnte, sie es nicht nur lesen, sondern auch viel dadurch profitiren würden. Ich hoffe, der Herr Doctor wird es bald in deutscher Sprache ausgehen lassen. Aus diesen Bemerkungen werden Sie alsbald ersehen, wie hoch nöthig es ist, daß wir mehr amerikanisch⸗lutherische Prediger unter uns haben; die jungen Deutschen wollen die „hartschaligen Grundsätze“ nicht verschlucken, und wenn wir sie nicht mit geistlicher Nahrung versorgen, so werden sie sich andern Benennungen anschließen, oder gar keinen.“ Wir freuen uns von Herzen des schönen Zeugnisses, welches dieser Herr den deutsch-lutherischen Predigern in Texas hiermit giebt. „Der Evangelist,“ dieses in Tiffin, O., erscheinende deutsch-reformirte Blatt, schreibt in seiner Nummer vom 1. Jan. d. J. von den Lutheranern, die mit den Reformirten nicht Abendmahlsgemeinschaft halten wollen: „Jene Lutheraner erklären alle diejenigen, welche nicht daran“ (an die reine Lehre vom heil. Abendmahl) „glauben, für falsche Chri⸗ sten, indem sie ihnen die Gemeinschaft der Kirche verweigern. Wir nun zwar können uns darüber trösten, denn der Herr kennt die Seinen, aber wir zittern für die lutherische Kirche.“ (Der arme Evangelist!) „Von einer Stufe zur andern steigt ihr geistlicher Hochmuth.“ (Erschrecklich!) „Schon ist es ihnen nicht mehr genügend, alle Nichtlutherischen als Nicht⸗ christen zu verurtheilen“ (wo doch der Evangelist solche verruchte Lutheraner gesehen haben muß? — Vielleicht in einem Sommernachtstraum.), „schon beginnen sie sich untereinander die Gemeinschaft des Neuen Testamentes in Kelch und Brod (!) zu versagen. Wir bitten aber für sie“ (ists wahr?) „daß der Herr sie zur rechten Demuth zurück führen möge“ (also waren sie schon einmal demüthig? — wenn denn?) „daß sie sich nicht ihres Wissens überheben, sondern erkennen, daß kein menschliches Bekenntniß oder Lehre vollkommen“ (aha! da steckts? — Der Evangelist ist also auch ein Skeptiker, der da spricht: Ach, was ist Wahr⸗ heit? Wer darf sagen, daß er sie habe? —) „und unfehlbar sei. Und für uns selbst wollen wir uns durch das Beispiel warnen lassen, Andersdenkende nicht zu verachten, sondern stets zu forschen, welches da sei die rechte Wahrheit in Jesu Christo.“ — Unser Rath ist, der Herr Evangelist studire zunächst ein wenig die Lehre von der Kirche, dann wird er Verweigerung der Altargemeinschaft nicht mehr mit Verdammung zur Hölle verwechseln. „Revival-Prediger.“ „Der fröhliche Botschafter,“ Organ der „Vereinigten Brüder in Christo,“ schreibt in seiner Nummer vom 8. Jan. d. J.: „Der Aelteste Knapp ist als ein großer Revival-Prediger unter den Baptisten bekannt; Erfolg aber scheint ihn, wie leider schon manchen andern, verdorben zu haben; ein Correspondent des Morning Star⸗ einer Zeitung der Freiwill⸗Baptisten, der ihn kürzlich gehört, spricht von ihm: Erstens, un⸗ der Wille einschlägt.) — „Alii vocant libertatem interiorem — aliis dicitur libertas in subjecto. Haec libertas quum sit naturalis atque essentialis a Deo indita volun- tati proprietas, per lapsum non est amissa. Substantia hominis non periit“ etc. (Von Matth. 23, 37: „Ihr habt nicht gewollt“ gilt darum der Terminus: „quod mali non possint boni esse, non facit aliqua coacta, sed voluntas obstinata in malo.“)