# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 22_S47 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Tutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 29. December 1846. No. 9. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Die Beichtaumeldung. Eine Skizze nach der Natur. Von W. Löhe. (Schluß.) Drittes Geſprach. Kaſpar. Sie werden denken, was ich ſchon wieder will. Pfarrer. Ja, freilich, Kaſpar, du biſt ja erſt geſtern da geweſen. Kaſp. Herr Pfarrer, ich habe die ganze Nacht nicht ſchlafen können. Pf. Warum, Kaſpar? hat dir etwas gefehlt? Ka ſp. Leiblich gar nichts, aber innerlich bin ich krank, an meiner armen Seele bin ich krank. Pf. Wie das? geſtern biſt du doch noch ganz geſund und gerecht geweſen. Ka ſp. Das iſt's eben, was mich nochmal her⸗ treibt. Ich will's Ihnen nur ſagen, ich habe Sie geſtern angelogen, ich habe geſagt, ich käme mit meiner Mutter ganz gut aus; da haben Sie geſagt: Das ſoll mich freuen, Kas— par, um deiner und um deiner Mutter willen, denn es ſtehet geſchrieben: Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuſer, aber der Mutter Fluch reißet ſie wieder ein. Deine Mutter iſt eine Wittwe und ſie hat ſonſt niemand mehr, als dich, haben Sie geſagt, jede Thräne, die ſie über dich weinen muß, wird dich wie Feuer auf die Seele brennen, und Gott wird ſie alle zählen. Aber jede Freudenzähre, die ſie über dich vergießt, wird ein Segensthau auf deinem Haupte ſein, und Gott wird ſie auch zählen. — Ich weiß noch alles, was Sie geſagt haben, und es iſt alles wahr, aber daß ich mit meiner Mutter immer ganz gut ausgekommen bin, iſt nicht wahr. Pf. Nun es iſt mir lieb, Kaſpar, daß du jetzt aufrichtig biſt, ich habe auch wohl gewußt, daß du es geſtern nicht warſt. Ka ſp. Nein, Herr Pfarrer, ich hab meine Mutter ſchlecht behandelt, ſie hat faſt nichts mehr ſagen dürfen, wenn ſie von mir nicht hat eine Grobheit hören wollen; kochen hat ſie müſ— ſen, was mir ſchmeckt, und wenn ſie's nicht ge— than hat, hab ich ein Maul gemacht den ganzen Tag; und wenn das Fleiſch auf den Tiſch ge⸗ kommen iſt, hab ichs für mich hingenommen und hab's getheilt und hab das Beſte für mich behalten, aber was ich nicht gemöcht hab, hab ich meiner Mutter gelaſſen. Und wie einmal der Kräuterhans dazu gekommen iſt und hat gemeint, in dem Haus werde gewiß die ver— kehrte Welt aufgeführt, ſo hab ich ihm gleich ge⸗ wieſen, wo der Zimmermann das Loch gemacht hat, und wenn er nicht gleich gegangen wäre, ſo wäre ihm die Krautſchüſſel an den Kopf ge⸗ flogen. Meine Mutter hat nichts, als geſeufzt, ſie hat ſchon lang nichts mehr geſagt als ge— ſeuſzt; aber heute Nacht ſind mir alle ihre Seufzer mit einem Mal aufs Herz gefallen und haben mir das Herz ſchier abgedrückt. Ich habe keine Ruhe mehr. Pf. Aber was willſt du nun jetzt thun, Ka⸗ ſpar? Ka ſp. Ja, Herr Pfarrer, deswegen komm ich eben nochmal her, daß Sie mir ſagen, was ich thun ſoll, daß ich Ruhe find? Pf. Vor allem mußt du Gott deine Sünden bekennen und Ihn bitten, daß Er ſie dir um Chriſti willen vergebe. Ka ſp. Herr Pfarrer, das hab ich gethan. Ich hab heute Nacht in einem fort ſeufzen müſſen: O, lieber Gott, vergib mir meine Sünden, vergib mir, daß ich meine arme Mut— ter ſo grob behandelt hab! O lieber HErr JéE— ſus Chriſtus, waſche mich wohl von meiner Miſſethat und reinige mich von meiner Sünde, nimm mich auch an, und laß mir auch eines von deinen Blutströpflein zu gut kommen, nur eines, habe ich immer geſeufzt, nur eines! — Pf. Das iſt recht, Kaſp.; aber nun mußt du auch hingehen, und deiner Mutter Abbitte thun. Ka ſp. Das hab ich heut Morgen gethan; ich hätte nicht eſſen können. Wie ſie die Suppe hereingebracht hat, hab ich ihr die Hand gege— ben und geſagt: Mutter, vergib mir meine Grobheiten, ich will anders werden. Aber mehr hab ich nicht ſagen können, und ſie hat auch nichts geſagt, als: O Kaſpar, Gott geb's! von mir ſoll dir alles vergeben ſein. Und jedem ſind die Thränen über die Backen herunter ge— laufen, wie wir nun die Suppe ſo ſtill mit ein— ander gegeſſen haben. Pf. Wenn's aber nur jetzt Beſtand hat. Ka ſp. Es wird ja Beſtand haben. Das weiß Gott, daß mir ein herzlicher Ernſt iſt, ich will meine Mutter von jetzt an auf den Händen tragen, ich will gut machen, ſo viel ich kann. O, wenn ich nun auch gewiß wüßt, daß mir Gott meine Sünden verziehen habe. Pf. Du haſt ſie ihm ja bekannt, Kaſpar, und es ſteht geſchrieben: „Da ſprach ich: Ich will dem HErrn meine Uebertretung bekennen. Da vergabeſt du mir die Miſſe⸗ that meiner Sünden. Sela.“ Du haſt dabei zu dem rechten und einigen Bürgen und Fürſprecher deine Zuflucht genommen; da kann's nicht fehlen. Kaſp. O Herr Pfarrer, das mit meiner Mutter iſt's nicht allein. Ich habe noch gar viele andere Sünden. Ich bin ein nichtsnutzi⸗ ger Menſch, ich habe alle Gebote übertreten mit Gedanken, Worten und Werken. Pf. Der HErr JEſus iſt die Verſöhnung worden für unſere Sünde, und nicht allein für unſere, ſondern auch für der ganzen Welt Sünde, alſo auch für deine, ſo viel und groß ihrer ſein mögen. Kaſp. O wenn ich das gewiß wüßt! Pf. Weißt du die Worte vom Amt der Schlüſſel noch? Ka ſp. Ja, die weiß ich: „Der HErr IE⸗ ſus blies ſeine Jünger an und ſprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geiſt. Welchen ihr die Sünden vergebet, denen ſind ſie vergeben, und welcheu ihr ſie behaltet, denen ſind ſie be— halten.“ P f. Nun, was iſt das? Ka ſp. Ich glaube, was die berufenen Die— ner Chriſti aus ſeinem göttlichen Befehl mit uns handeln, ſonderlich, wenn ſie die öffent— lichen undunbußfertigen Sünder von der chriſt— lichen Gemeinde ausſchließen, — Pf. und Kaſp. (zugleich) — und die, ſo ühre Sündenbereuenund ſich beſ⸗ ſern wolhen, wieder entbinden, daß es alles ſo kräftig und gewiß ſei auch im Himmel, als handelte es unſer lieber HErr Chriſtus ſelbſt. Pf. Glaubſt du das wirklich, was du da geſagt haſt? Ka ſp. Ja, Herr Pfarrer, das glaub ich. P f. Nun ſieh, ich bin auch ein berufener Diener Chriſti und ſage dir aus Befehl und im Namen JEſu: Dir ſind deine Sünden vergeben. Gehe hin, mein Sohn, und ſündige hinfort nicht mehr. Und morgen ſpreche ich dir in der Beichte auch noch öffentlich die Abſolu— tion, und wenn du's hörſt, ſo nimm's nur, als ging es dich allein an, wie jetzt, und ſei gewiß, es gilt auch im Himmel. Ka ſp. Ich dank, Herr Pfarrer, ich dank. (Er gibt ihm die Hand, bricht in Thränen aus und geht hinaus.)