# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 59 tigkeit und behandelt den Verbrecher als mündige, volle, aller Zurechnung fähige Persönlichkeit, die durch ihr freies Thun sich selbstständig dem Allge⸗ meinen entgegenzusetzen sucht. Nun um wieviel mehr spricht es die christliche Lehre von einem dereinstigen Weltgerichte, dadurch Gott definitiv und für immer Alles, was unreine Elemente in dem Gange Seines Reiches hier auf Erden gewesen sind, scheidet und ausschließt, und von Seiner heiligen und gerechten Vergeltung gewaltig aus, daß die geschehenen Sünden eine aus eigner Schuld sich zugezogen, von Gott und Seiner Seligkeit auf ewig tren⸗ nende Macht der Finsterniß seien, die das Kreuz des Sohnes Gottes, die Offenbarung des göttlichen Zorns, wie der höchsten Liebe und Treue, und Sein Werk der Gnade und Versöhnung bei denen, die unter göttlicher Geduld zum Lichte durch den Glauben kommen, vertilget. Stammte das Böse im Menschen nicht ursprünglich aus freier That desselben, so würde es wider Gottes Gerechtigkeit streiten, die Nothwendigkeit ihm aufzulegen, dem durch die Sünde verletzten Gesetz genug zu thun, und der Erniedrigung des Hei⸗ landes in Knechtsgestalt und seines Gehorsams, wie seiner Leidensschmach und Martertodes hätte es nimmer bedurft; aller Aufwand dieses kostbaren Lösegeldes für das Leben der Welt wäre überflüssig gewesen. Die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens ist allerdings für das Reich des Sittlichen nur bedeutsam; wenn in Handlungen, die an sich keinen Bezug auf den Gegensatz von Gutem und Bösem haben, ein Selbst⸗ bestimmen sich kund thut, das sich nicht in lauter Bestimmtwerden auflösen läßt, so wird es darum allein in die Untersuchung hineingezogen, weil die Art und Weise des Auchanderskönnens im metaphysischen Sinne überhaupt einen nothwendigen Zusammenhang mit der ethischen Sphäre hat. (Wie könnte denn auch sonst der Apostel ermahnen: „Ihr esset nun oder trinket: oder was ihr thut, so thut es Alles zu Gottes Ehre,“ 1 Cor. 10, 31.; sowie: „Und Alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch Ihn,“ Col. 3, 17. Vgl. den umfangreichen Ausspruch: „Ich habe es Alles Macht, es frommet aber nicht Alles; ich habe es Alles Macht, es soll mich aber Nichts gefangen nehmen,“ 1 Cor. 6, 12.; „ich habe es Alles Macht, aber es bessert nicht Alles,“ Kap. 10, 23.; sowie das ganze 9. Kapitel, ferner Kap. 7, 31., 1 Tim. 4, 4. fg., Phil. 4, 12.) Die Freiheit in diesem engern besondern Gebiet haben wir durch den Sündenfall insofern verloren, daß die moralische Güte das abstract Gleichgültige oder Adiaphoristische in unserm Leben, Weben und Sein mit ihrem Inhalt nicht mehr erfüllen kann, es ist eben alles unrein und durch das Böse bestimmt geworden. Da nun das Evangelium den Men⸗ schen überall nur an das Letztere gebunden findet, so kann es eine Kraft, aus sich selbst den Weg des Friedens zu kennen und zu suchen, natürlich niemals in demselben voraussetzen. Gleichwie aber auf ihren verlornen Besitz die göttliche Kunde, von einem verbotenen Baum, von der Gegenwirkung im wachen Bewußtsein Eva's wider der Schlange Versuchung, von der Empfäng⸗