# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 58 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. hat aber den Menschen nach Sich geschaffen, daß diese Persönlichkeit zumal als Auge und Herz der Welt Abbild der Seinigen sei: so gilt der Begriff der Freiheit gleich sehr wie von Ihm, so von dem Menschen ausgesagt. Wie könnte doch auch nur von einem Recht der weltlichen Obrigkeit, Uebelthäter zur Verantwortung zu ziehn, die Rede sein ohne Zugeständniß der Freiheit menschlichen Willens? Alle Zurechnung wird aufgehoben, aller Begriff von Schuld und Strafe, bürgerlichem, wie sittlichem Gesetz wird alterirt, ja zu nichte, und die Stimme des Gewissens selbst zur Täuschung, wenn die An⸗ erkennung der Sünde als in menschlicher Ursächlichkeit begründet nicht gelten soll —; so innig ist diese Wahrheit in die Wurzeln des gesellschaftlichen Le⸗ bens hineingewachsen. Eine jedwede Legislatur kann den Willen, dem sie gebietet, nicht in der Weise der Naturnothwendigkeit bestimmen, um sich un⸗ mittelbar zu verwirklichen, sie muß das Widerstreben desselben dulden; aber nur dadurch behauptet sie ihre sanctionirte Majestät, daß sie den Uebertretun⸗ gen gegenüber sich mittelbar realisirt durch die Strafe. Züchtigung, die zur Besserung dient, hat ihren Zweck ganz und gar in dem einzelnen Zögling, welchem sein Thun das Verhältniß und Recht eines Kindes noch bewahrt; die Strafe als solche vertritt das Ansehn eines Willens von autorisirter Gül⸗ Die Thätigkeiten der einen agirenden Kraft fallen in Gott nicht erst in Beziehung auf die Welt, denn dann müßte Er durch Sein Wirken aus Sich heraus Etwas erlangen, was Er als integrirendes Element zur Ergänzung in Sich aufzunehmen hätte, sondern sie sind Ihm auf ewige Weise innewohnend durch die Beziehungen der Hypostasen zu einander. Dem Be⸗ griffe nach ist allerdings das unbestimmte und abstrakt einfache Sein, die Negation der Prä⸗ dicate von dem Vermögen absolut sich selbst zu bestimmen gesondert, gleichwie der endliche Geist in sich das reine Ich von dem mit positivem Inhalt erfüllten, dadurch seine Concretion vermittelt wird, unterscheidet. In dem Begriff einer Person liegt nun sowohl die Vorstellung der Natur (Jac. 3, 7.), die durch und in einem individuell Verschiedenen persönlich subsistirt, als der Ichheit selbst, der puren Form der Existenz, vgl. Baier compend. theol. pos. Lpz. 1726. S. 218.; nach der letztern bezeichnet sie den Mittelpunct des Selbstbewußtseins; in dem Satze „ich bin meiner bewußt“ ist „ich“ das Subject, die Person, „meiner“ das Ob⸗ ject, die Natur, mit natürlichen Qualitäten begabte Substanz; die Kraft zu wollen, zu er⸗ kennen, zu empfinden, ist von dem Ich an sich, in dem dies Alles conzentrirt, gar wohl unter⸗ schieden. So sind denn in der Tiefe des Absoluten, von dem wir uns für's Erste alle Posi⸗ tionen hinweg denken, von Ewigkeit, die für das göttliche Wesen in schlechthin vollkommener Weise ist, was für das unsrige die Zeit, 3 wollende und selbstbewußte Subjecte, ohne daß wir von 3 Naturen, 3 Willen, 3 concreten Selbstbewußtsein, wohl aber von 3 Ichs reden dürfen, in denen Ein Wesen, Ein Wille, Eine Conzentration realer Thätigkeiten eine dreifache Sub⸗ sistenz hat und unter dreifacher Relation zu denken ist. (Vgl. Athanas. Symb.: „Und sind doch nicht 3 Allmächtige, sondern es ist Ein Allmächtiger“ ꝛc. Und Athanasius selbst in sei⸗ ner orat. 2 contr. Arian. lehrt von der Zeugung, daß sie nicht aus (bewußtem) Wollen, sondern nach dem Wesen, und dennoch nicht ohne das erstere, in Unfreiheit geschehe, vgl. Luther Th. XIX. S. 93. Umgekehrt sind in Christo dem Gottmenschen 2 Naturen zur Einheit der in formaler, nicht materieller Bedeutung genommenen Person vereinigt.) Und diese verschie⸗ denen Beziehungen im unendlichen Sein, die essentiell zwar sind, aber mit den persönlichen Un⸗ terschieden auf das Genaueste zusammenhängen und somit die Idee einer ewigen Lebendigkeit und Seligkeit in Gott uns gewähren, sind es, welche die nothwendige Voraussezung für das göttlich freie Hervorbringen einer Welt des Endlichen bilden.