# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 57 einer Fülle aufgefaßt, die weit tiefer geht, als in modernen eudämonistischen Ansichten, wo man höchstens zu dem größtmöglichen Wohlsein der Creatur als Weltzweck sich erhebt. Wie kann aber diese Offenbarung bewirkt werden, ohne daß Er Wesen schafft, an denen Seine höchste Vollkommenheit sich reali⸗ sirt, die auch nur allein im Stande sind, sie an sich als in einem Spiegel zu⸗ rückzustrahlen, weil sie in freier Liebe, sich dem Urbild nähernd, auch sich zu Ihm neigen. Ist es also der Wille der göttlichen Liebe, nach außen das herrlichste Sein zu spenden, das eine andere Existenz als Gott besitzen kann, so setzt er mit derselben geschöpfliche Freiheit; daß sie ihr Wesen vollkommen realisire, ist der eigentliche Zweck der Schöpfung der Welt. Hinwiederum da alle Menschen aller Zeiten gleicher Erfahrung sich bewußt sind, daß sie zu einerlei Zeit vielfältig mehr als einerlei vornehmen können: so muß dieses wunderbare Vermögen entweder selbst zu dem göttlichen Endzweck mit gehören, oder es darf gar nicht vorhanden sein, weil es seiner Natur nach jedweden andern Zweck nur völlig unsicher macht. — Gott ist frei, das ist außer allem Zweifel, denn die Welt kann nicht mit Nothwendigkeit aus Ihm emaniren, (es müßte denn Er und sie ein und dasselbe sein,) weil mit der Unbedingtheit Seines Wesens dies völlig unvereinbar wäre, ihre (ewige, wie zeitliche) Schöp⸗ fung hängt vielmehr von dem Rathe Seiner Liebe und Weisheit ab;*) Er *) Anm. Wenn Quenstedt I. S. 423 sagt: „Acyrologia est dicere, mundum aliquando non fuisse; „aliquando“ enim idem est ac aliquo tempore, sed dici non potest, aliquo tempore mundum non fuisse, quum ante mundum conditum non fuerit tempus,“ vgl. Luthers Predigten über 1 Mos. Th. I. S. 10: so sind damit die Einwürfe gegen einen Weltanfang hinreichend widerlegt, die nämlich davon ausgehn, daß, wenn eine Zeit gewesen, da Gott noch nicht Schöpfer war, ein Uebergang vom Nichtschaffen zu dem Schaffen in Gott ja gesetzt und Er somit der Veränderung, wie der Zeitfolge unterworfen sein würde. Die Welt ward mit der Zeit; Gott aber ist von Ewigkeit ihr Schöpfer, denn Er bringt durch den Willen Seiner Liebe auf ewige Weise in Seinem Denken die Welt her⸗ vor; aber Er will sie nicht bloß als eine Ihm immanente Idee, sondern Er schaut sie auch als real existirende von Ewigkeit an, wiewohl begreiflicher Weise, insofern in die äußere Existenz in Zeit und Raum sie entlassen wird, sie als solche ebendarum auch nicht von Ewigkeit sein kann. Eine andere Frage aber ist, wenn Gott die Liebe als Grundbestimmung Seines gött⸗ lichen Selbstes ist, nach welcher ewig in Ihm der Gedanke der Welt nur zu sein vermag, folgt da nicht Idee, wie Realität der letztern mit strenger Nothwendigkeit aus dem Wesen desselben? Gibt es für Ihn kein anderes Verhältniß, in dem Seine Liebe sich verwirklichen könne? Die Antwort gibt der Glaubenssatz des Evangelii von der göttlichen Dreieinigkeit: es ist hier Einheit des Wesens, wie Unterschied der 3 Hypostasen; wie nun ohne diesen, (ohne ein Ich und Du,) die ewige Liebe sich ein anderes Object zu suchen hätte, so würde daraus ohne jene ein nothwendiges Verhältniß zu einem von Gott verschiedenen Wesen folgen. Be⸗ dürfte Gott der Welt, um zu sein, was Er Seinem Wesen nach ist, die Liebe: so wäre auch diese und Seine Freiheit nicht die absolut vollkommene. Wir sehen übrigens aus dem, was die Schrift selbst uns an die Hand gibt, wenn sie das Sein Gottes (mittheilende) Liebe nennt, dasselbe werde ebensowohl durch Seinen Willen, als dieser durch das Sein von Ewigkeit be⸗ stimmt, wie Er aber auch für sich die unterschiedslose Einheit nicht sein könne, die nie real zu denken ist, wenn in derselben Nichts geeinigt wird. Der Liebe Begriff fordert den der Freiheit des Willens, ist göttliche Selbstbestimmung; wenn aber der Personen jede in der Gottheit sich zur Liebe gegen ihren Gegenstand, die beiden andern, bestimmt: so muß das ewige Sein sich nicht bloß in diesen 3 Personen, sondern essentiell in Sich selbst unterscheiden. Warum?