# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S72 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 72 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder Wandlung, welche ſich inmitten des deutſchen Elements der Bevölkerung dieſes Landes und auch in unſern deutſchen Gemeinden unzweifelhaft voll⸗ zieht, werden doch wohl noch auf ein Menſchenalter hinaus Leute bleiben, welchen mit deutſchen Gottesdienſten beſſer gedient iſt als mit engliſchen, und die ihre deutſchen Gottesdienſte auch nicht preisgeben werden, ſolange ſie dieſelben haben können. Zu einem Fortbeſtand des Deutſchen in unſerm Kirchenweſen werden ja gerade die deutſchen Gottesdienſte, ſodann unſere Gemeindeſchulen und unſere kirchlichen Zeitſchriften auch fernerhin kräftig beitragen. Es wäre deshalb nicht weiſe und wohlgethan, wenn wir uns durch das Ueberhandnehmen des Engliſchen bewegen ließen, nun in un⸗ verſtändiger Haſt dem deutſchen kirchlichen Leben und Wirken in unſerer Mitte den Abſchied zu geben, und das Heil im Engliſchen ſuchen wollten. Die Wandlung, in welcher wir begriffen ſind, iſt nicht eine durch menſch⸗ liches Wollen und Thun abſichtlich herbeigeführte, ſondern eine durch ge⸗ wiſſe nach Art der Naturgeſetze wirkende Urſachen eingetretene und vor ſich gehende, die wir deshalb auch durch keinerlei Anſtrengungen, welche wir machen könnten, zu verhindern vermöchten, die wir aber ſorgfältig über⸗ wachen, als eine für unſer Kirchenweſen wichtige Umgeſtaltung würdigen und wahrnehmen und durch rechtzeitige Anwendung richtiger Mittel zu rechten Zwecken ausnutzen ſollten, anſtatt ſie unausgenutzt vollziehen zu laſſen, und dann beklagen zu müſſen, daß wir die Zeichen der Zeit nicht er⸗ kannt und die Aufgabe der Zeit zu erfüllen uns nicht redlich bemüht haben. „Nun ſteht es nicht ſo, daß ſich inmitten unſerer Synode bei den Paſtoren und Gemeinden ein ungeſtümes Drängen in das engliſche Weſen hinein bemerkbar machte. Von unſern Paſtoren zunächſt läßt ſich wohl unbedenklich ſagen, daß ſie das Eintreten in engliſche Arbeit eher fürchten als heiſchen. Das iſt auch leicht erklärlich; denn ein Paſtor, welcher neben ſeiner deutſchen Arbeit auch noch regelmäßige engliſche Arbeit zu verrichten hat, geht unter einer doppelt ſchweren Arbeitslaſt einher. Und auch unſere Gemeinden pflegen erſt dann den Anfängen engliſcher Arbeit in ihrer Mitte geneigt zu ſein, wenn ſie wirklich die Nothwendigkeit derſelben erkannt haben. Anderſeits kann man unſerer Synode auch nicht mit Recht den Vorwurf machen, daß ſie die Zeit verſäumt und nichts gethan hätte, An⸗ forderungen, welche obwaltende Umſtände an uns machen, in gewiſſem Maße gerecht zu werden. So wird z. B., um nur eins zu erwähnen, auf unſern kirchlichen Lehranſtalten mit Fleiß dahin gewirkt, daß die Prediger und Lehrer, welche aus denſelben hervorgehen, beider Sprachen, der deut⸗ ſchen und der engliſchen, in dem Maße mächtig ſind, daß ſie in beiden Sprachen leiſten können, was man von Prediger und Lehrer fordern darf. Ja, gerade damit, daß wir ein Geſchlecht treu lutheriſcher Prediger und Lehrer, welchen beide Sprachen geläufig ſind, heranbilden, thun wir gerade, was vonnöthen iſt, um Gemeinden und Miſſionsfelder, die immer mehr und noch auf geraume Zeit den Gebrauch beider Sprachen nothwendig machen,