# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 71 meinden, die aber im Rückgang begriffen war und wahrſcheinlich, wenn man ſich auf deutſche Gottesdienſte beſchränkt hätte, heute nicht mehr im Stande wäre, Paſtor und Lehrer zu erhalten, iſt vornehmlich durch die Ein⸗ führung engliſcher Gottesdienſte neben den deutſchen in kurzer Zeit ſo er⸗ ſtarkt, daß ihr nicht nur die Erhaltung einer blühenden Gemeindeſchule möglich iſt, ſondern auch durch einen Kirchbau für die beträchtlich erſtarkte Gemeinde Raum geſchafft werden mußte. Von den 17 diesjährigen Con⸗ firmanden dieſer Gemeinde konnten vier in deutſcher und 13 in engliſcher Sprache mit größerem Vortheil den Confirmandenunterricht genießen. Dabei denkt aber niemand daran, die deutſchen Gottesdienſte abzuſtellen. Auch in einer andern unſerer Gemeinden desſelben Diſtricts iſt die Möglich⸗ keit des Fortbeſtandes einer Gemeindeſchule mit einem Gemeindeſchullehrer wohl nur dadurch geſichert worden, daß man in der deutſchen Gemeinde zu den deutſchen Gottesdienſten auch regelmäßige engliſche Gottesdienſte ein⸗ geführt hat. In noch andern Gemeinden, in welchen man zur Zeit die Einführung engliſcher Gottesdienſte noch weit von ſich weiſt, klagen die Paſtoren darüber, daß ſie ſich im Confirmandenunterricht manchen Kindern ſchwer, ohne das Engliſche zu Hülfe zu nehmen, verſtändlich machen können. Andere machen die Erfahrung, daß Confirmirte, denen ſie mit vieler Mühe den deutſchen Katechismus beigebracht haben, ſchon nach kurzer Zeit bei den Beichtanmeldungen den betrübenden Beweis liefern, daß ſie ihren Katechis⸗ mus nicht mehr im Gedächtniß haben und über die einfachſten geiſtlichen Dinge ſich weder deutſch noch engliſch ausdrücken können. Wer unſere deutſchen Gemeindeſchulen, nicht nur in den Städten, ſondern auch auf dem Lande beobachtet, der wird finden, daß die Umgangsſprache unſerer Schul⸗ kinder vorwiegend, ja, wo ſie ſich ſelbſt überlaſſen ſind, vielfach ausſchließ⸗ lich die engliſche wird, und wie es in unſern deutſchen Familien um die Sprachenfrage beſtellt iſt, wiſſen wir alle. Dazu kommt, daß der perſön⸗ liche Verkehr unſerer der Schule entwachſenen jungen Leute mit engliſch Redenden heutzutage viel ausgedehnter iſt als früher, und daß dieſer Ver⸗ kehr wieder ſeine Rückwirkung auf die deutſchen Familien übt, während er anderſeits auch vielfach Anlaß werden kann und wird, daß unſere Jünglinge und Jungfrauen engliſch redende Bekannte in ihre Kirche und Gottesdienſte bringen, ſobald daſelbſt auch in der Sprache geredet wird, die ſie verſtehen. „Mit dem allen ſoll nun keineswegs geſagt ſein, daß unſer deutſches Kirchenweſen, das Gott in fünfzig Jahren ſo reichlich geſegnet hat, dem⸗ nächſt auf den Abbruch kommen, in unſern Gottesdienſten in kurzer Zeit die deutſche Sprache verſtummen und nur noch die engliſche laut werden müßte. Eine Sprache iſt nicht etwas, das innerhalb kurzer Zeit abgelegt zu werden pflegt, und Leute, welche durch jahrelange Uebung gewohnt ſind, deutſch zu ſingen und zu beten, werden meiſtens ihre deutſchen Gottes⸗ dienſte nicht preisgeben, ſolange ſie dieſelben behalten können und nicht beſondere Urſache haben, engliſche Gottesdienſte zu ſuchen. Auch bei der