# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 08_S46 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Creuzes gemacht wird, daß man ſich bei Nen⸗ nung des Namens IEſu verneigt ꝛc. Hinge⸗ gen haben die Reformirten darauf gedrungen, als unerläßlich zu rechter Feier des heil. Abend— mahls, gewöhnliches Brod zu gebrauchen, es zu brechen, Brod und Kelch den Communican⸗ ten in die Hand zu geben ꝛc. Gerade aber darum, das man dies der lutheriſchen Kirche theils als abergläubiſch, papiſtiſch und abgöt⸗ tiſch zur Sünde machen, theils als nothwendig aufdringen wollte, gerade darum iſt die luthe⸗ riſche Kirche hierin ihren Widerſachern keine Stunde gewichen, ſondern hat es den falſchen Gewiſſensmachern zum Trotz beibehalten, da⸗ mit der wichtige Artikel von der chriſtlichen Freiheit nicht verdunkelt werde, und daß ſie ihn nicht verliere. Iſt es aber jetzt etwa anders geworden? Macht man nicht noch jetzt die unſchuldigſten Ceremonien der luth. Kirche zu Ueberbleibſeln des Pabſtthums, von denen man ſich doch endlich einmal reinigen ſolle? Drin— gen jetzt nicht ſelbſt die falſchen Brüder in un⸗ ſerer eigenen Kirche darauf, weil ſie wohl ſehen, daß das Kleid des alten luth. Gottesdienſtes zu ihrer ſchwärmeriſch methodiſtiſchen Geiſttrei— berei nicht paſſe? — Abgeſehen daher davon, daß wir uns ſchon um der jetzt herrſchenden falſchen Geiſtlichkeit und Hoffart willen, mit der man ſich über die Einfalt unſerer Väter erhebt, dieſelbe deſto ſorgfältiger und eiferſüch— tiger bewachen ſollten, ſo würden wir auch offenbar unſere chriſtliche Freiheit ſchändlich verleugnen, wenn wir unſern Widerſachern und den falſchen Brüdern in ihrem Dringen auf jene Dinge wichen. Was für eine Lehre, was für Begriffe von derechriſtlichen Freiheit wür— den wir damit in die Herzen vieler tauſend Chriſten bringen und darin beſtätigen helfen! Es iſt klar, es iſt unſere Schuldigkeit, auch jetzt und auch hier durch die That ein Zeugniß da— von abzulegen, daß ein wahrer Chriſt ſich von Menſchen nicht Sünde machen und Gebote ſtellen laſſen ſolle, wo Gott nicht Sünde macht, Gott nicht Gebote ſtellt. Es darf auch niemand ſagen: Ich ſtehe in Verhältniſſen, in welchen ich für mein Theil ſolche Veranlaſſung nicht habe. Wir antworten: Willſt du ein Diener der lutheriſchen Kirche und will deine Ge— meinde ein Theil derſelben wirklich ſein, ſo mußt du mit deiner Gemeinde dir nicht genügen laſſen, das zu thun, was für den engen Kreis deiner Gemeinde recht und heilſam wäre, wenn ſie unabhängig daſtünde, ſondern du biſt ver— pflichtet als Glied des Ganzen, im Bewußtſein deines Zuſammenhangs mit der ganzen Kirche zu handeln. Biſt du dir deines Anrechts an die Gliedſchaft der lutheriſchen Kirche lebendig bewußt, ſo muß dir bei deiner Handlungsweiſe der Gedanke vorſchweben: Was die Kirche angeht, das geht auch mich an; ihre Kämpfe ſind meine Kämpfe; was die Kirche thut, das thue ich mit ihr; was ich thue, das thut die Kirche mit mir; wird die Kirche in Verſu— chung geführt, ſo werde auch ich verſucht; ſteht man der Kirche nach einem ihrer Güter, ſo ſteht man auch mir darnach; wodurch die Kirche verleugnen würde, dadurch würde auch ich ver— leugnen. „So ein Glied leidet, ſo leiden alle 46 ‚ Glieder mit.“ 1 Cor. 12, 26. nicht in dem lebendigen Bewußtſein ſteht, ein Glied des großen Ganzen der Kirche zu ſein, wird dies nicht verſtehen. — Ein anderes Verhältniß wäre es übrigens doch, wäre die lutheriſche Kirche Americas in der Lehre rein geblieben, und nur ihre Cere⸗ monien mit der Zeit um veränderter Verhält⸗ niſſe willen gefallen, dann wäre es Thorheit, auf die Wiedereinführung der gefallenen Cere— monien irgend zu dringen: bedenken wir aber, wie hier von den meiſten Lutheranern erſt die lutheriſche Lehre verlaſſen, und die refor— mirte und methodiſtiſche angenommen und ſo— dann auch die Ceremonien der letzteren anſtatt der alten lutheriſchen eingeführt worden ſind; bedenken wir, wie die alte Lehre Hand in Hand mit den alten Gebräuchen geſchwun⸗ den, die neue Lehre aber gleichen Schrittes mit den neuen Gebräuchen in unſere Kirche einge⸗ drungen iſt; bedenken wir endlich, wie in den meiſten Gemeinden, die ſich hier lutheriſch nen⸗ nen, nichts als der Name behalten, die Union aber ſchon thatſächlich eingeführt worden iſt, indem die Prediger (um nur dieſes zu nennen) Reformirte, auch wenn ſie dies bleiben wollen, theils aus Bauchſorge, theils aus völliger Re— ligionsgleichgültigkeit in ihre Gemeinden als Glieder aufgenommen haben: — müſſen wir es da nicht vor allem jetzt und hier für die hei— ligſte Pflicht eines treuen Dieners der lutheri⸗ ſchen Kirche und einer Gemeinde dieſes Na— mens erkennen, daß ſie ſich mit der That, auch durch ihren äußerlichen Gottesdienſt von den abtrünnig gewordenen Gemeinden ſichtlich un— terſcheide und öffentlich und entſchieden losſage? Müſſen wir es nicht für unſere heiligſte Pflicht halten, als treue Söhne unſerer Kirche, auch den leiſeſten Schein ſorgfältig zu vermeiden, als gehörten auch wir zu der großen Partei derer, oder als billigten wir, oder verabſcheu— ten doch nicht von ganzem Herzen das Weſen und Treiben derjenigen, die hier der lutheriſchen Kirche untreu, ja bereits Glieder einer andern Kirche geworden ſind, und doch heuchleriſch den lutheriſchen Namen tragen wollen? Müſſen wir es nicht für unſere heiligſte Pflicht halten, uns ernſtlich vorzuſehen, daß wir uns, weder mit Worten noch Werken, der hier unter den Namenlutheranern immer herrſchender werden⸗ den gottloſen Kirchen- und Religionsmengerei theihaftig machen? Summa Summarum: iſt es jemals und in irgend einem Lande nöthig geweſen, daß eine lutheriſche Gemeinde, die ihren Namen nicht zum Schein und Spott tragen will, bei den Bekenntnißceremonien un⸗ ſerer Kirche verbleibe und ſich vor Annahme reformirter und dergleichen Ceremonien hüte — iſts dann nicht jetzt, in dieſer Zeit mehr als babyloniſcher Verwirrung, und gerade hier in America, in dieſem Lande der Secten und des Indifferentismus? (Fortſetzung folgt.) Jeſuitismus Als der reformirte Prediger Drabitius von Leidnicz, ein 83jähriger Greis, als Ketzer Wer freilich hingerichtet werden ſollte, erklärten ihm die Jeſuiten, ſie wollten ihm das Leben erhalten, wenn er widerriefe. Drabitins that dies und ward doch zum Tode geführt. Als derſelbe nun, als die Execution vor ſich gehen ſollte, die Jeſuiten an ihr Verſprechen erinnerte, erhielt er zur Antwort: ſie hätten dies vom ewigen Leben verſtanden! — Des alten Watheſii Ermahnung an ſeine uhörer, bei Luthers Lehre ſtandhaft zu verharren. — So vermahne ich Euch heut, liebenFreunde, ihr wollet bei dieſes Mannes Lehre, Zeugniß und wahrhaftiger Weiſſagung und Erklärung der Schrift beſtändig ausdauern, und bis an euer Ende mit den Eurigen verharren, und da⸗ neben Gott danken, der uns dieſen auserwähl⸗ ten Werkzeug zur letzten Zeit geſandt und wi⸗ der alle Pforten der Höllen bis in 29 Jahr in dieſen Landen und ſeinem ordentlichen Beruf erhalten, und wollet euch von den Spitzbuben und Däumlern nicht von ſeiner Bekenntniß ab⸗ wenden und verleiten laſſen, die heutigs Tags des Mannes Reputation, Amt und Bekennt— niß gern dämpfen und vernichten wollten. Gott hat durch dieſen Mann und ſeine Mitgehülfen die ſelige Lehre zu Wittenberg ſegnen, treiben, rein und ſuverfein brennen und durchfeuern laſ⸗ ſen, hütet Euch für denen, die dem Silber neu Zuſatz geben, und falſche Bilder drauf ſchlagen wollen. Denn es ſind viel geſchwinder, ſchar⸗ fer und ſpitziger Koͤpfe, und die Welt iſt lüſtern und fürwitzig, darum warne ich Euch, meine Pfarrkinder, als ein Glied der Schulen und Bürger der Kirchen zu Wittenberg, und dieſes Doctoris und ſeines allerliebſten Freundes, des Herrn Philippi, dankbarer Schüler, und euer ordentlicher alter Pfarr, ihr wollet euch nicht allerlei Wind wiegen und wägen, und von des HErrn Chriſti Wort abführen, und ſeine treue Diener, bei euch in dieſer Kirch und Schul, verdächtig machen laſſen. Es gibt in dieſer argen Welt viel Planderer, viel Bücher⸗Schrei⸗ ber, viel Schleicher, die in engliſcher Klarheit ſich mit Schmeicheln und kauderwelſchen Reden vernehmen und angeben laſſen. Bleibt ihr bei dem, das ihr gelernet, und laſſet euch der Pro⸗ pheten und Apoſtel Wort, ſo Gott zu Witten⸗ berg hat auslegen laſſen, nicht aus euren Hän⸗ den drehen, oder aus euren Herzen reißen und erleiden, es kommt ſelten beſſer Vogt und Doc⸗ tor hernach. Kraft der Meſſe. Der Miniſter Cardinal Richelieu fragte einſt ſeinen Beichtvater: wie viel Meſſen wohl von nöthen wären, eine Seele aus dem Fegfeuer heraus zu ziehen? Und da dieſer ihm darauf nicht antworten konnte, ſprach erſterer: „Ich weiß es gar wohl: man braucht dazu eben ſo viel, als man Schneeballen bedarf, um damit einen Backofen zu heizen.“ Bezahlt. 2. Jahrg. die Hrn. Ellinger, Faude, Leonhardt. 2. Hälfte des 2. Jahrg. Hr. Chr. Horn. 1. „ „ 3. Jahrg. die Hrn. Chr. Horn, Leonhartt, H. Steutrwald. 3. Jahrg. die Hrn. Paſt. Brohm. (10 Er.), Paſt. Burger, Ellinger, Evers, C. Jungk, F. Träger, Paſt. Traut⸗ mann, H. Wollter, Paſt. Iſenſee, J. Mayers. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.