# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder nach ſeiner Gerechtigkeit, ſo wird euch ſolches alles zufallen.“ „Die Gott⸗ ſeligkeit iſt zu allen Dingen nütze, und hat die Verheißung dieſes und des zukünftigen Lebens.“ Hier könnte man einwerfen: Iſt mit dieſer Weiſe, Gottes Wort geltend zu machen, aber nicht ein Schlupfloch gelaſſen, durch welches ſowohl Gemeinden und Paſtoren, als auch die Einzelnen in den Gemeinden dem Ernſt des Wortes Gottes ſich mit einem großen Schein entziehen können? Das iſt allerdings möglich. Schließlich kann jede gött⸗ liche Wahrheit gemißbraucht werden und iſt auch ſchon thatſächlich gemiß⸗ braucht worden. Trotzdem ſteht es feſt, daß die eben beſchriebene Weiſe, in der chriſtlichen Gemeinde Gottes Wort dem Irrthum und der Sünde gegen⸗ über geltend zu machen, die einzig richtige iſt. St. Paulus ſchreibt: „Pre⸗ dige das Wort, halte an, es ſei zu rechter Zeit oder zur Unzeit; ſtrafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre“, 2 Tim. 4, 2. Es möchte hier auch geſagt werden: Wenn man ſo immerfort das Wort Gottes öffentlich und ſonderlich im Schwange halten ſoll zur Lehre, zur Strafe, zur Beſſerung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit und zum Troſt, dann iſt das Predigt⸗ amt ein überaus beſchwerlich Ding und dann wird man nie fertig in der Gemeinde und kommt man nie völlig zur Ruhe. Dem iſt allerdings ſo. Das macht aus dem Predigtamt ein überaus beſchwerlich Ding. Aber ſo iſt das Predigtamt ein „heilſam Ding“, wie Luther ſagt. So wird näm⸗ lich Gottes Wort geltend gemacht. So bleibt die Kirche am Wort, und ſo wird durch Bezeugung des Wortes die Kirche gebaut und erhalten. Und darauf kommt es ja doch wohl an! Und noch eine Erinnerung iſt am Platze: Wir dürfen nie ein einzel⸗ nes Stück des chriſtlichen Lebens für ſich lehren. Zwar müſſen wir die Stücke des chriſtlichen Lebens, die zu einer beſtimmten Zeit „beſonders Noth leiden“, wie Luther ſagt, auch beſonders hervorheben und treiben. Aber nie abgeſondert und für ſich, ſondern immer im Zuſammenhang mit den Hauptſtücken der chriſtlichen Lehre: Glaube und Liebe. Glaube und Liebe muß das Hauptthema aller Predigt ſein und bleiben auch zu unſerer Zeit. Dieſe Stücke müſſen in jeder Gemeinde immerfort getrieben und ein⸗ geſchärft werden, und von dieſer Grundlage aus ſind dann die ein⸗ zelnen Irrthümer und Schwachheiten im Leben treu und gewiſſenhaft auf⸗ zudecken, zu bekämpfen und zu heilen. Das heißt, ſich voll und ganz auf Gottes Wort ſtellen, wie es Pflicht der Kirche iſt. Ja, das Wort wird's thun! Gott verleihe uns immerdar Muth, uns in Lehre und Praxis voll und ganz auf Sein Wort zu ſtellen. Laß Andere ſtark ſein durch andere Mittel; wir wollen durch Gottes Gnade ſtark ſein durch Gottes Wort. Was hat unſere Väter ſo ſtark und unüberwindlich gemacht, daß ſie das Feld behaup⸗ teten, wiewohl Welt und eine zaghafte unioniſtiſch geſinnte Kirche ihnen immerfort baldigen Untergang geweiſſagt haben? Dies war unſerer Väter Kraft, daß ſie ſich ohne Compromiſſe zu ſchließen unbedingt auf Gottes