# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 37 Kirche ein für alle Mal bekannt gibt: So lehrt Gottes Wort; wer darnach handelt, iſt ein Chriſt; wer nicht darnach handelt, iſt ein Unchriſt und von der Gemeinſchaft der Chriſten auszuſchließen. Nein, nein! „Gottes Wort geltend machen“ heißt und ſchließt in ſich: unaufhörlich mit dem Wort öffentlich und ſonderlich lehren, ſtrafen, ermahnen und tröſten, und dann freilich ſchließlich auch von der chriſtlichen Gemeinſchaft ausſchließen, aber nicht das Schwache und Gebrechliche, ſondern nur das, was ſich in offen⸗ barer, unverbeſſerlicher Feindſchaft wider Gottes Wort ſetzt. Vor allen Dingen gilt es, mit dem Wort zu lehren. Unſere Chriſten können und ſollen von uns, die wir zum Amt des Wortes berufen ſind, verlangen, daß wir ſie aus Gottes Wort klar berichten, näher, daß wir aus Gottes Wort klar aufzeigen, was in einem beſtimmten Falle ſündlich ſei. Können wir das nicht, ſo dürfen wir ihnen das Betreffende auch nicht zur Sünde machen. Und nicht bloß lehren, klar lehren, ſondern auch geduldig lehren müſſen wir. Etliche Sünden ſind ja ſo offenbar, daß ſie von jedem, der nur noch ein Fünklein Glauben hat, ſofort als öffentliche Aergerniſſe erkannt werden. Da bedarf es keiner langen Belehrung. Etliche Sünden ſind aber der Art, daß man auch bei Chriſten mit der Belehrung anhalten muß, ehe ſie die⸗ ſelben als Sünden erkennen. Das iſt ſonderlich dann der Fall, wenn die Sache an ſich etwas verwickelt iſt und namentlich wenn auch die Chriſten in gewiſſen Zeitvorurtheilen verſtrickt ſind, die die ruhige Erwägung behindern und das Urtheil trüben. Hier gilt es, mit Geduld zu lehren. Luther ſtraft die hitzigen Prediger, die alsbald aus der Haut fahren wollen, wenn ihrer Belehrung nicht ſofort Folge gegeben wird. Er ſagt: „Es ſind viel ge⸗ ängſtete und hitzige Prediger, die da brennen und hitzig ſind und mit dem Kopf hindurch wollen; wiſſen nicht, daß es ein ander Ding ſei um das Pflanzen und Begießen, und ein ander Ding um das Gedeihen geben, 1 Cor. 3, 6. 7. Sobald als ſie es geſagt haben, wollen ſie, es ſoll auch gethan ſein.“*) Sodann gilt es, mit dem Worte Gottes nicht bloß zu lehren, ſondern mit demſelben Worte auch zu ermahnen. Was der Chriſt als recht erkannt hat, das zu thun, wird er oft ſchwach in Folge des ihm anhängenden böſen Fleiſches. Da iſt nun die Ermahnung mit dem Wort am Platze, damit der Geiſt geſtärkt werde und der geſtärkte Geiſt die Geſchäfte des Fleiſches tödte. So ſteht es, wenn die Zugehörigkeit zu Arbeiterverbindungen in Frage kommt, nicht ſelten ſo, daß der Chriſt ſpricht: „Auch mir gefällt wahrlich nicht alles, was in den Vereinen geſagt und getrieben wird, aber ich habe doch auch vor Gott und Menſchen die Pflicht, meine Familie zu ernähren, und ohne Vereinsverbindung kann ich keine Arbeit erhalten.“ Da gilt es, durch das Wort evangeliſcher Ermahnung den Glauben zu ſtärken, der ſich auf das Wort verläßt: „Ich will dich nicht verlaſſen, noch verſäumen.“ „Fürchte dich nicht, glaube nur.“ „Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes und *) Zu Pſ. 8, 3. IV, 763.