# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder Eine weitere Gefahr, einen ungöttlichen Compromiß zu ſchließen und ſo von Gottes Wort abzufallen, droht der Kirche namentlich als Kirche hierzulande von den Logen und den mancherlei Vereinen, die mit der Schrift ſtreitende Grundſätze vertreten. Es droht der Kirche die Gefahr, daß ſie ihr Urtheil über dieſe Verbindungen und ihre Stellung zu den⸗ ſelben nicht durch Gottes Wort, ſondern dadurch beſtimmen läßt, daß dieſe Verbindungen rieſengroß und rieſenſtark erſcheinen, ſtärker als Pabſtthum und Wiſſenſchaft, ſo groß und ſo ſtark, daß ſie die Kirche faſt ſicher zu erdrücken ſcheinen, wenn die Kirche ſich nicht auf einen Compromiß einläßt. Vor dieſen Logen und Vereinen hat ſo ziemlich alles, was ſich hierzulande Kirche nennt, die Waffen geſtreckt. Wollen wir ein Gleiches thun? Wollen wir auch aufhören, uns in dieſem Stück nach Gottes Wort zu halten, das heißt, unſere Chriſten vor den Verbindungen, die nach Gottes Wort ſündlich ſind, zu warnen, und auf die Löſung ſolcher Verbindungen, wo ſie bereits eingegangen ſind, zu dringen? Nein, da ſei Gott für! So wenig die Kirche vor dem Pabſt, der ſogenannten Wiſſenſchaft und dem Unionismus die Waffen ſtreckt, ſo wenig thut ſie dies auch dem Vereinsweſen gegenüber, inſofern es mit Gottes Wort ſtreitet. Die Kirche hat kein Recht, Gottes Wort zu verſchweigen. Nicht zum Verſchweigen, ſondern zum Bekennen des Wortes iſt die Kirche in der Welt. Und darüber geht die Kirche nicht zu Grunde, ſondern dadurch wird ſie gerade erhalten. Sie bleibt ja dabei auf ihrem Fundament, dem Worte Gottes, ſtehen und wird von dem er⸗ halten, der da ſpricht: „Seid getroſt, ich habe die Welt überwunden.“ An dieſem Punkte ſind aber einige Erinnerungen am Platze. Erſtlich: Wir müſſen, wie die wahre Kirche Gottes immer gethan hat, zwiſchen Lehre und Leben unterſcheiden. Die Lehre, ſchärft Luther ein, muß ganz rein und auserleſen ſein, mit dem Leben geht es nicht ſo völlig hinnach. Und das iſt dem Worte Gottes gemäß. Wir finden in der Schrift keine einzige Stelle, welche der Kirche erlaubt, vor einem ſich erhebenden Irrthum oder Gott⸗ loſigkeit mit dem Worte zu ſchweigen. Wohl aber ſchärft die Schrift an Hunderten von Stellen ein, mit den Gebrechen im Leben der Chriſten Ge⸗ duld zu haben, die Schwachen nicht wegzuwerfen, ſondern zu belehren, zu ſtrafen und zu ermahnen. Nun ſteht es aber zumeiſt ſo, daß unſere Chriſten aus einer Schwachheit im Leben ſündlichen Vereinen beigetreten ſind. Sie wollen zumeiſt nicht Gottes Wort und die rechte Lehre verwerfen, ſondern durch die Sorge um das irdiſche Fortkommen ſind ſie in das Vereinsweſen verſtrickt worden. Da gilt es nun auf der einen Seite, daß die Lehre in Bezug auf Glauben und Leben ja rein bleibe; auf der andern Seite, daß wir das Schwache nicht wegwerfen, ſondern heilen und ſtärken. Hiermit ſind wir ſchon zu der zweiten nöthigen Erinnerung gekommen. Wir müſſen uns nämlich wohl gegenwärtig halten, was es eigentlich heiße: „Die Kirche ſtellt ſich unbedingt auf Gottes Wort“ oder „die Kirche macht unter allen Umſtänden Gottes Wort geltend“. Das heißt nicht etwa bloß, daß die