# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 35 liche Wahrheit verloren. Die Heilige Schrift, von der Chriſtus ſelbſt ſagt, daß ſie nicht gebrochen werden könne, hat ſie als unfehlbare Wahrheit preis⸗ gegeben und alle Hauptartikel der chriſtlichen Lehre hat ſie im innerſten Kern gefälſcht. Wie ſteht's in Bezug auf dieſen Punkt bei uns? Von dieſer Seite droht unſerer Synode, wenn ich die Sachlage richtig beurtheile, keine unmittelbare Gefahr. Während ein großer Theil der americaniſchen Secten und auch ein Theil der lutheriſch ſich nennenden Kirche die Autorität des Wortes Gottes den Anſprüchen der ſogenannten Wiſſenſchaft zum Opfer gebracht hat, ſteht es bei uns durch Gottes Gnade ſo, daß wir an der gött⸗ lichen Autorität des Wortes Gottes feſthalten, und zwar nicht etwa bloß deshalb, weil wir die Anſprüche der Wiſſenſchaft als lächerlich und unſinnig auch vor der menſchlichen Vernunft erkannt haben, ſondern weil wir von vorneherein (a priori) von der alleinigen Autorität der Heiligen Schrift durch Gottes Geiſt überzeugt ſind. Wir wollen eine Kirche, die auf keinem andern Grund als dem der Apoſtel und Propheten erbaut iſt, da JEſus Chriſtus der Eckſtein iſt; wir wollen keine Kirche, die auf dem Sandgrunde menſchlicher Meinungen nach einer Exiſtenz — auf der Suche iſt, wobei die jedesmaligen Vertreter der Wiſſenſchaft ſich als Eckſteine aufſpielen. Alſo von dieſer Seite droht uns keine unmittelbare Gefahr, durch Compromiſſe von Gottes Wort abzufallen. Ferner: Von Gottes Wort abfallen würden wir dann, wenn wir mit denen, die anders lehren als die Heilige Schrift lehrt, kirchliche Ge⸗ meinſchaft pflegen wollten. Gleichgültigkeit in Bezug auf die Lehre und Unioniſterei iſt ja das Gepräge der Secten unſers Landes und auch eines Theils der ſich lutheriſch nennenden Kirche. Man hat die ſogenann⸗ ten „Miſſourier“ ob ihrer „excluſiven“ kirchlichen Stellung je und je ge⸗ tadelt und man hört nicht auf, uns den Untergang zu weiſſagen, wenn wir an der Excluſivität „der Alten“ feſthalten und nicht den „americaniſchen Ideen“ Raum geben würden. Aber laſſen wir uns nicht irre machen. Wir haben unſere kirchliche Stellung nicht nach „americaniſchen“ und andern Ideen, ſondern lediglich nach Gottes Wort zu bemeſſen. Gottes Wort aber fordert von der Kirche kirchliche Scheidung von Allen, die anders lehren denn das Wort Gottes lehrt. Gottes Wort ſteht zu klar und zu gewaltig da. Gottes Wort lehrt und gebietet: „Sehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen“, Röm. 16, 17. Und wenn wir dieſes Wort auch ferner unſere kirchliche Stellung beſtimmen laſſen und an der „Excluſivität“ unſerer Alten feſthalten, ſo werden wir dadurch nicht untergehen, ſo wenig wie unſere Väter dadurch untergegangen ſind. Im Gegentheil: Gott würde uns als kirchliche Gemeinſchaft dann fahren laſſen und als dumm gewordenes Salz wegſchütten, wenn wir, denen er die Er⸗ kenntniß gegeben hat, was es um Kirche und Kirchengemeinſchaft ſei, die Wahrheit ſeines Wortes durch Unioniſterei verleugnen wollten.