# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 33 vertrauten Wort Gottes den Schlüſſel zu allen Taſchen und Kaſten der Chriſten, indem ſie mit dem Wort die Herzen der Chriſten aufſchließt und die Chriſten willig macht, auch mit ihrem irdiſchen Gut Chriſto zu dienen. Es gibt ein Argument für das Geben, dem kein Chriſt widerſtehen kann. Das iſt das Argument: „Siehe, der HErr Chriſtus, dein HErr, dein Heiland, der dich erlöſet, der dich mit ſeinem Blute von der ewigen Ver⸗ dammniß losgekauft hat, der bedarf deines irdiſchen Gutes.“ Dieſe Er⸗ mahnung durch die Barmherzigkeit Gottes, die ihnen in Chriſto widerfahren iſt, öffnet bei den Chriſten Herz und Hand, ſo lange ſie Chriſten ſind, noch ein Fünklein Glaube in ihnen iſt. Dr. Walther ſagt über die Wirkung des Wortes der evangeliſchen Ermahnung bei den Chriſten: „Alle wahre Chriſten ſind ſo beſchaffen, daß man mit einer dringenden Ermah⸗ nung, ſo zu ſagen, alles bei ihnen ausrichten kann.“ (Paſtorale, S. 86.) So hätten wir uns an einigen Hauptſtücken vorgeführt, wie die chriſt⸗ liche Kirche durch das Wort Gottes alles ausrichten kann, was ihr aus⸗ zurichten befohlen iſt. 4. Es gibt für die Kirche eigentlich nur eine Gefahr, die Gefahr, von Gottes Wort abzufallen. Wann fällt man von Gottes Wort ab? Daß die von Gottes Wort abfallen, die die Inſpiration der Heiligen Schrift aufgegeben und daher in der Schrift nicht Gottes Wort ſelbſt, ſon⸗ dern nur einen Bericht über Gottes Wort ſehen, iſt klar. Auf einen menſch⸗ lichen Bericht über die göttliche Offenbarung kann ſich der Glaube der Chriſten nicht verlaſſen. Der Glaube der Chriſten fordert zu ſeinem Fun⸗ dament nicht mehr und nicht weniger als Gottes Wort. Aber auch diejenigen, welche der Lehre nach ganz richtig das Wort der Schrift für Gottes Wort erklären, ſtehen doch in Gefahr, in der Praxis von Gottes Wort abzufallen. Dies geſchieht z. B. durch Compromiſſe, das heißt, dann, wenn die Kirche nur ſo viel von Gottes Wort geltend machen will, als die Welt und nach der Weiſe der Welt urtheilende Chriſten ſich gefallen laſſen wollen; noch anders ausgedrückt: als nach dem Urtheil der menſchlichen Vernunft mit der Exiſtenz und der Wohlfahrt der Kirche ſich verträgt. Compromiſſe ſind ganz am Platze auf dem Gebiet des Staates. Der Staat hat zum Ziel die Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung. Liegen nun die Verhältniſſe ſo, daß bei der Durchführung des ſtrengen Rechts die äußere Ordnung vorausſichtlich mehr geſtört als erhalten werden würde, ſo kann und ſoll man von Staats wegen von dem ſtrengen Recht nachlaſſen. Für den Staat ſind Compromiſſe ein ehrliches Geſchäft. Luther ſagt: „Ein Fürſt muß mit eigener Vernunft meſſen, wenn und wo das Recht der Strenge nach zu brauchen oder zu lindern ſei.“*) *) E. A. 22, 95.