# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder nicht näher zu beſchreiben, weil ſie jedermann unter uns bekannt ſind und von uns einhellig als der Kirche Gottes unwürdig verworfen werden. Wir fragen: Wodurch bewegt die Kirche ihre Glieder zum Geben für kirchliche Zwecke? Nun, wodurch anders, als durchs Wort Gottes, das ihr ver⸗ trauet iſt. Das Wort Gottes thut's auch in dieſem Stücke. Wir haben in Bezug auf dieſen Punkt ſchon eine klare Belehrung in der Geſchichte von dem Einzug Chriſti in Jeruſalem. Der HErr Chriſtus brauchte, um in der vom Propheten Sacharja geweiſſagten Weiſe in Jeruſalem einziehen zu können, eine Eſelin und ein Füllen. Er hatte ſie nicht. Was that er? Er ſandte ſeiner Jünger zween und ließ dem Beſitzer der Thiere ſagen: „Der HErr bedarf ihrer.“ Das genügte. Der HErr erhielt die Eſelin und das Füllen. Das genügt auch heute noch vollkommen. Das Wort Chriſti: „Der HErr bedarf ihrer“, ſeinen — Chriſti — Unterthanen geſagt, iſt für dieſe genügend, um Chriſto Eſelin und Füllen und alles, was er be⸗ darf, zu überlaſſen. Der Einwurf gilt nicht: „Damals wirkte der HErr durch ſein Wort mit göttlicher Kraft und machte alſo die Herzen willig, dem HErrn das Verlangte zu überlaſſen. Jetzt liegt die Sache aber anders.“ Nein, die Sache liegt jetzt durchaus nicht anders. Die Kirche tritt auch jetzt nicht in eigenem Namen und mit eigenem Wort, ſondern in Chriſti Namen und mit Chriſti Wort an ihre Glieder heran und ſpricht zu ihnen: „Der HErr bedarf eures irdiſchen Gutes.“ So hat dies Wort auch noch immer dieſelbe göttliche Wirkung. Es kann wohl vorkommen, daß die Chriſten die Sache zunächſt nicht recht verſtehen und mehr oder weniger Um⸗ ſtände machen. Gerade wie auch bei dem Einzuge in Jeruſalem Etliche, die da ſtunden, zunächſt befremdet fragten: „Was machet ihr, daß ihr das Füllen ablöſet?“*) Es bedurfte der Erklärung: „Der HErr bedarf ihrer.“ Dieſer Erklärung bedarf es auch jetzt und manchmal wird eine längere Er⸗ klärung gefordert, wozu die Chriſten Pflicht und Recht haben; denn ſie ſind ja die Kirche. Sobald aber den Chriſten die Sache erklärt iſt und ſie er⸗ kennen, daß es Chriſti Sache ſei, dann weigern ſie ſich nicht mehr, dem Worte: „Der HErr bedarf ihrer“ Folge zu geben. Bleiben wir auch in dieſem Stücke nur beim Wort. Wären die zwei Jünger, welche Chriſtus nach der Eſelin und dem Füllen ſandte, ungehorſam geworden, hätten ſie, in der Meinung, etwas kräftiger auftreten zu müſſen, ſich mit Schwertern und Stangen bewaffnet, anſtatt Chriſti Wort: „Der HErr bedarf ihrer“ zu ſagen: ſo hätte es wahrſcheinlich unliebſame Auftritte gegeben und das Reſultat der Reiſe wäre ſehr zweifelhaft geworden. So auch jetzt. Alle andern Mittel, als das Wort, richten Unwillen, Verwirrung und Aufruhr in der Kirche an, führen nicht zum Ziel, wenigſtens nicht zum rechten. Aber das Wort, das Wort der evangeliſchen Ermahnung thut's. Die Kirche hat freilich keine Gewalt, Steuern je nach dem Beſitze der Einzelnen aus⸗ zuſchreiben, wie der Kaiſer Auguſtus. Aber die Kirche hat in dem ihr an⸗ *) Marc. 11, 5.