# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder Mit Gottes Wort kann die Kirche aber auch alles ausrichten, was ſie an ihren eigenen Gliedern auszurichten hat. Auch an ihren eigenen Gliedern hat die Kirche fortwährend viel auszurichten. Die Kirche hand⸗ habt das Wort; zu gleicher Zeit iſt und bleibt ſie auch der Gegenſtand des Wortes, das heißt, das Wort Gottes muß ſeine göttliche Kraft und Wirkſamkeit auch fortgehend an den Gliedern der Kirche bethätigen, wenn ſie Glieder der Kirche bleiben und die ihnen befohlenen Werke ausrichten ſollen. Vor allen Dingen gilt es, in den Gläubiggewordenen den Glau⸗ ben zu erhalten. Der Glaube an Chriſtum iſt nicht etwas, das man ein für alle Mal in die Taſche ſteckt, und das man nun, ohne ſich weiter darum zu kümmern, ſicher, das heißt, ohne Gefahr des Verluſtes, bei ſich trägt. Nein, der Glaube, wenn er nicht aufhören ſoll, muß fortwährend ſorgſam genährt und gepflegt werden. Aber womit, durch welche Mittel? Der Glaube iſt eine Himmelspflanze und will als ſolche auch nur mit Himmelsſpeiſe genährt ſein. Dieſe Himmelsſpeiſe iſt Gottes Wort. Der Glaube lebt nicht durch und von Menſchenwort, durch menſchliches Zu⸗ reden, auch nicht durch bloß äußeres kirchliches Weſen. Nein, der Glaube lebt allein aus und durch Gottes Wort. Will darum die Kirche, ſo viel an ihr iſt, in ihren Gliedern den Glauben pflegen und erhalten, ſo muß ſie, ſo viel an ihr iſt, dafür ſorgen, daß Gottes Wort unter ihren Gliedern reichlich wohne, daß die Glieder der Kirche unabläſſig mit Gottes Wort umgehen. Es gilt, dahin zu wirken, daß die Glieder der Kirche nicht bloß hin und wieder, ſondern regelmäßig die öffentlichen Gottesdienſte beſuchen. Es gilt, dahin zu wirken, daß in allen Chriſtenhäuſern, nicht bloß in einem Theil derſelben, täglich Gottes Wort geleſen wird. Namentlich gilt es, auch dafür zu ſorgen, daß unſere Jugend in Schulen aufwachſe, in denen Gottes Wort der oberſte Lehrer und der eigentliche Zuchtmeiſter iſt und ſo auch in der Schule die Himmelspflanze des Glaubens an Chriſtum gedeihen kann. Es gilt, nicht müde zu werden in der ſorgſamſten Pflege unſerer hohen Schulen, in denen Lehrer und Prediger des Wortes Gottes aus⸗ gebildet werden. Zu allen dieſen Dingen treibt die Erkenntniß, daß das Wort, welches Gott ſeiner Kirche vertraut hat, die göttliche Kraft zur Er⸗ zeugung und Erhaltung des Glaubens an Chriſtum iſt. Die Pflege und Erhaltung des Glaubens ſchließt in ſich, daß die Kirche beſtrebt ſein muß, ihre Glieder fortwährend von dem Weſen dieſer Welt zu erretten. Es ſteht nicht ſo, daß, wenn ein Menſch durch die Wiedergeburt oder Bekehrung aus der Welt wirklich errettet iſt, nun gar keine Gefahr mehr für ihn vorhanden wäre, wieder in das alte Lager zurückzukehren. Die Kinder Iſrael wollten wieder nach Egypten zurück. St. Paulus bricht in Bezug auf einen beſtimmten Fall in die Klage aus: „Demas hat mich verlaſſen und dieſe Welt liebgewonnen.“ Die Sachlage iſt dieſe: Auch in den Chriſten bleibt noch ein gewaltiger Zug zur Welt zurück. Dahin zieht ſie unaufhörlich die noch in ihnen wohnende alte