# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 29 die Wirkung des Teufels, der ſein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, feſtgehalten. Wenn man den natürlichen Menſchen im Mörſer zerſtoßen und dann wieder zuſammenſetzen könnte, ſo käme immer wieder ein Menſch heraus, der durch ſein eigenes Thun ſelig werden will. „Die Werke“ — ſagt unſer Bekenntniß *) — „fallen den Menſchen in die Augen. Dieſe be⸗ wundert von Natur die menſchliche Vernunft und weil ſie nur die Werke ſieht, ſo verſteht und beachtet ſie den Glauben nicht; deshalb träumt ſie, daß dieſe Werke Vergebung der Sünden verdienen und rechtfertigen. Dieſe Meinung vom Geſetz ſteckt von Natur im Herzen der Menſchen und kann nicht ausgetrieben werden“, nämlich durch natürliche Mittel. Hier iſt alle menſchliche Schulung und Bildung vollkommen ohnmächtig. Keine menſch⸗ liche Schulung und Bildung kann den Menſchen von der opinio legis los⸗ machen, das heißt, von der falſchen Meinung, daß er durch ſich ſelbſt ſelig werden müſſe. Aber die Kirche kann es durch die göttliche Kraft des ihr anvertrauten göttlichen Wortes. Das göttliche Wort des Geſetzes iſt wie ein Hammer, der Felſen zerſchmeißt und das Gebäude der menſchlichen Ge⸗ rechtigkeit zuſammenſchlägt. Das göttliche Wort des Evangeliums iſt das Wort, das den vom Geſetz Zerſchlagenen zum Kreuze Chriſti führt und das bisher verachtete Kreuz als das einige Heil begehren, annehmen und preiſen lehrt. So macht die Kirche ihrem Auftrage gemäß aus Kindern der Welt Kinder Gottes. Das bringt die Kirche durch die Verkündigung des ihr anvertrauten Wortes zuwege. Nur durch eins kann die Kirche um dieſe Wirkſamkeit an der Welt kommen: wenn ſie, mit Luther zu reden, „Affenſpiel“ anfängt, das heißt, wenn ſie Gottes Wort fahren läßt und die Welt mit allerlei von Menſchen erſonnenen Mitteln und Mittelchen zu Chriſto bekehren will. Die Kirche Gottes muß ſich vor ſogenannten „neuen Maßregeln“ hüten. Was ſind in der Kirche unerlaubte „neue Maßregeln“? Nicht neue äußere Weiſen, mit dem Worte Gottes an die Welt heranzukommen — dieſe können von den Umſtänden gefordert ſein —, ſondern zu verwerflichen neuen Maßregeln greift man dann, wenn man mit andern Mitteln das ausrichten will, was doch allein Gottes Wort ausrichten kann und ſoll, nämlich zu Chriſto be⸗ kehren und bei Chriſto erhalten, Menſchen zu Gliedern der chriſtlichen Kirche machen und in der chriſtlichen Kirche erhalten. Ja, wenn die Kirche — mit unſerm Bekenntniß zu reden — eine äußere Polizei, das heißt, eine äußere Verſammlung von Menſchen wäre! Eine ſolche äußere Verſammlung könnte man wohl durch allerlei weltliche Mittel und Mittelchen zuwege bringen. Dann könnte man, je nach den Umſtänden, die Kirche mit Kano⸗ nen oder mit Oyster Suppers bauen. Nun aber iſt die Kirche die Gemein⸗ ſchaft derer, die das Evangelium glauben. So wird man die Kirche durch nichts Anderes als durch die Predigt des Evangeliums bauen. *) Apologie, Müller, S. 134, § 144.