# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 27 wie mächtig, wie unüberwindlich würden wir uns allezeit vorkommen! Ein Theologe hat von unſerer Zeit geſagt: Was den Chriſten unſerer Zeit fehlt, iſt die lebendige Ueberzeugung, daß Gottes Wort, wie es in der Schrift vorliegt, Geiſt und Leben iſt. Würde die Kirche hiervon lebendig über⸗ zeugt ſein und demgemäß mit dem Worte handeln, ſo würde ſie durch Gottes Gnade ein neues Pfingſten erleben. Laſſen wir uns an der gött⸗ lichen Kraft des Wortes nicht dadurch irre machen, daß die Menſchen die ſelige Wirkung des Wortes hindern können. Sonderlich die Syner⸗ giſten haben zu früheren Zeiten und zu unſerer Zeit geltend gemacht: „Wie könnt ihr ſo ſchlechtweg von einer göttlichen, allmächtigen Kraft des Wortes Gottes reden, da der Wirkung des Wortes doch von den Menſchen wider⸗ ſtanden werden kann?“ Das wiſſen wir ſehr wohl, denn die Schrift ſagt und die Erfahrung beſtätigt es. Aber es iſt thöricht, deshalb an der gött⸗ lichen Kraft des Wortes Gottes zu zweifeln. Auch im Reich der Natur kann der Menſch das von göttlicher Kraft gewirkte Leben hindern, wenn er den Samen aus der Erde reißt und bereits entſtandenes Leben zerſtört. Aber deshalb zweifelt doch kein vernünftiger Menſch an der geheimniß⸗ vollen, wahrhaft göttlichen Kraft, die in dem Samen liegt und alles Wach⸗ ſen und natürliche Leben bewirkt. So iſt es nach der Schrift auch mit dem Samen des Wortes Gottes. Das Wort Gottes iſt und bleibt göttliche Kraft und göttliche Weisheit, obwohl der Menſch die traurige Macht hat, dieſer Kraft, was das ſelige Endreſultat betrifft, zu widerſtehen. Wir bleiben alſo dabei, daß das Wort göttliche Kraft habe. Hieraus ergibt ſich für die Praxis auch dies: Machen wir uns bei der Verkündigung des Wortes nicht unnöthige Schwierigkeiten. Alles, was wir zu thun haben, iſt, Gottes Wort an die Leute und unter die Leute zu bringen. Das Wort iſt in ſich kräftig, es braucht nicht erſt durch menſchliche Zuthaten kräftig gemacht zu werden. Alles, was nöthig iſt, damit das irdiſche Samen⸗ korn ſproſſe, iſt dies, daß es in die Erde geſenkt werde. Dann wächſt es. Menſchliche Reden über den Samen, auch wiſſenſchaftliche Abhandlungen über das Wachſen befördern das Wachsthum nicht im Mindeſten. So iſt's auch mit dem göttlichen Samen des Wortes Gottes. Alles, was wir mit ihm zu thun haben, iſt, ihn mit der Erde zu vermiſchen, das heißt, ihn in den Geiſt des Menſchen hineinzubringen. Mehr können und ſollen wir nicht thun. Logik und Rhetorik ſind bei der Verkündigung ſo lange am Platze, als ſie in rein dienender Stellung gehalten werden, das heißt, lediglich dem dienen, daß Gottes Wort an den Geiſt der Zuhörer herangebracht und in denſelben aufgenommen werde. Sobald Logik und Rhetorik aus ihrer lediglich dienenden Stellung heraustreten, für ſich etwas ſein und das Wort erſt kräftig machen wollen, hindern ſie die Wirkung des Wortes, indem ſie Geiſt und Herz des Menſchen vom Worte abziehen. Hüten wir uns auch namentlich vor der Thorheit, als ob Gottes Wort erſt dann zur Wirkſamkeit kommen könnte, wenn wir es zuvor durch allerlei