# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 23 und den geringen Einfluß der Kirche ꝛc. Inſofern dieſe Klage berechtigt iſt, hat die beklagte Thatſache ihren Grund darin, daß die Kirche und was ſich ſo nennt, ihre Kraft, Gottes Wort, preisgegeben hat oder doch nicht recht geltend macht. Die Gefahr, Gottes Wort und ſeine Kraft zu verkennen und nach andern Kirchbaumitteln zu greifen, iſt zu allen Zeiten und bei allen Chriſten groß, da Fleiſch und Blut ſich allezeit ſchwer in die Art und Weiſe, wie Gott ſeine Kirche hier auf Erden baut und erhält, findet. Es dürfte daher angemeſſen ſein, wenn auch wir bei dieſer allgemeinen Kirchenverſammlung uns wieder einmal in einigen Hauptzügen vergegen⸗ wärtigen, was wir als Kirche an Gottes Wort haben. Laſſen Sie mich daher kurz das Thema behandeln: Die Kirche und Gottes Wort. Auf ein Vierfaches möchte ich hierbei unſere Aufmerkſamkeit richten. 1. Die Kirche hat wirklich Gottes Wort; 2. dieſes Wort hat göttliche Kraft; 3. mit dieſem Wort kann die Kirche alles ausrichten, was ihr befohlen iſt; 4. es gibt daher für die Kirche eigentlich nur eine Ge⸗ fahr, die Gefahr, von Gottes Wort abzufallen. 1. Die Kirche hat wirklich Gottes Wort, nicht bloß ein menſch⸗ liches Wort. Gott hat ſeine Kirche auf Erden mit nichts Geringerem als ſeinem eigenen göttlichen Wort ausgeſtattet. Das Wort, das Gott ſeiner Kirche gegeben hat, müſſen wir von allem menſchlichen Wort ſcharf unterſcheiden. Freilich, auch das bloß menſchliche Wort, die menſchliche Sprache und Rede, iſt Gottes Geſchöpf und eine Gabe Gottes an die Menſchen. Die menſchliche Sprache und Rede iſt nicht eine Erfindung des menſchlichen Geiſtes; ſie iſt nicht das Product einer natürlichen Entwicklung der Ge⸗ ſchöpfe von einer niederen zu einer höheren Stufe, wie unvernünftige Naturforſcher und ſelbſt unverſtändige Theologen gemeint haben. Nein, die menſchliche Sprache und Rede gehört zu der göttlichen Ausſtattung des Menſchen bei der Schöpfung des Menſchen. Sie iſt eine Creatur der Hand Gottes wie alle anderen Creaturen, die Gottes Schöpferwort ins Daſein ge⸗ rufen hat und im Daſein erhält. Denn wiewohl der Menſch gefallen iſt und mit ſeinem Fall wohl verdient hätte, daß Gott ihn auch ſtumm, taub und blind machte, ſo hat doch Gott in ſeiner großen Güte dem gefallenen Menſchengeſchlecht, wie andere natürliche Gaben, ſo auch die Gabe der menſchlichen Sprache und Rede gelaſſen. Und das iſt wahrlich eine große Gabe. Luther ſagt: „Unter allen Gaben Gottes iſt Reden die allerſchönſte und herrlichſte, dadurch allein der Menſch von allen andern Thieren unter⸗