# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 48 Lutherisch-theologische Pfarrers-Bibliothek. und war von Gliedmaßen eine schöne Person. Item, er war ein feiner, wohlberedter, freundlicher, holdseliger, ernsthaftiger, wahrhaftiger, beherzter, züchtiger, kostfreier, fröhlicher Mann, konnte in allen Dingen Mäßigkeit halten, redet kein vergeblich Wort, den Halsstarrigen war er schrecklich, den Blöden tröstlich. Item, wenn er gefragt ward um den rechten Verstand eines Spruches in der heil. Schrift, alsbald war er mit der Antwort fertig. Wenn er um Rath gebeten ward, von Stund an gab er guten Rath, als hätte er sich eine lange Zeit darauf bedacht, und war so wohl gerathen, daß man leichtlich spüren konnte, der heil. Geist wäre da Meister und Rathgeber gewest. Er war nicht störrig, fuhr niemand mürrisch an, gab freundliche Antwort und guten Bericht, war kein Spötter, sondern hatte Mitleiden mit der einfältigen Thorheit oder Unverstand, gab gern, leihete gern, dienete jedermann gern, beide mit Rath und That, Worten und Werken." (Citirt in den Unschuld. Nachr. Jahrg. 1728. S. 527. 528.) — Nach dieser längeren Einleitung können wir uns nun in der Bezeichnung der polemischen Schriften Luthers gegen die Reformirten selbst um so kürzer fassen. Es sind deren hauptsächlich vier, welche ein lutherischer Pfarrer nicht nur nicht ungelesen, sondern auch nicht unstudirt lassen sollte. Es sind die folgenden: 1. „Schrift wider die himmlischen Propheten, von den Bildern und Sacrament. Erster und anderer Theil." Es ist diese Schrift im Jahre 1524 und 1525 namentlich wider Carlstadt, und zugleich wider die Schwärmer Storch, Stübner, Cellarius und Münzer herausgekommen. Sie ist von besonderer Wichtigkeit, indem sie diejenige ist, womit von Luthers Seite der Kampf für die reine Lehre vom Sacrament des heil. Abendmahls zuerst aufgenommen worden ist, nachdem bekanntlich Carlstadt diesen Streit boshafter Weise eröffnet hatte; wie denn u. A. Melanchthon in der Vorrede des Büchleins de veterum sententiis de coena Domini folgendermaßen schreibt: „Den Streit vom Abendmahl des HErrn hat er (Carlstadt) nur aus Haß gegen Lutherum, nicht aus redlicher Meinung angefangen. Denn als seine Bilderstürmerei von Luther verworfen worden, hat er, mit einer ungeheuren Rachbegierde entzündet, angefangen, eine scheinbare Ursach zu suchen, damit er Lutheri guten Namen gänzlich unterdrücken möchte. Ein guter Theil von Deutschland kann bezeugen, daß ich in dieser Sache nichts dichte. Wiewohl, wenn Zeugen nöthig wären, so werden seine eigenen Bücher wider ihren Luther und Melanchthon machen, daß jener stürmisch und zornig, dieser sanft und geduldig gewesen sei. Im täglichen Leben fand gerade das umgekehrte Verhältniß statt. Unzweifelhafte Belege aus der Geschichte hiefür sind in unseren Händen. Das ist jedoch die Wahrheit, daß Luther falsche Lehre mit rechtem Ernste haßte und daß er, ehe er die Reinheit des Evangeliums hätte opfern sollen, lieber alle Welt erzürnte und alles drunter und drüber gehen sah, die Sache fröhlich und unbesorgt seinem Gott befehlend, in der Ueberzeugung, daß er nicht die Kirche zu erhalten, sondern nur die Wahrheit zu predigen, das Uebrige dann Gott heimzustellen habe. Melanchthon hingegen war nur zu geneigt, aus falscher Sorge für die Kirche der Wahrheit zu vergeben, so daß er deßwegen selbst von Calvin zur Rede gesetzt wurde.