# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder und Tochter. Ueber was? Ueber den Friedensfürſten, Streit gegen JEſum und ſein Wort. Denn er und ſein Wort iſt es ja doch eigentlich, an welchem die Menſchheit ſich in zwei Theile ſpaltet. Gerade das Wort des Friedens, das Evangelium, iſt der Anlaß und der Gegenſtand des ſchauer⸗ lichſten Krieges zwiſchen Bruder und Bruder. O, was kann ſchrecklicher ſein! Da fragen wir denn billig, wie iſt das möglich, wie geht das zu, daß gerade die ſüßeſte Friedensbotſchaft den bitterſten Krieg erregt? Die Antwort iſt: Dies Wort hat etwas ganz Eigenthümliches an ſich. Es duldet keine Neutralität. Es läßt keinen Hörer, wie er war. Es macht ihn entweder zu einem Freunde und Kinde, oder aber zu einem Feinde Gottes. Wen es nicht gewinnt, den verſtockt es. — Man könnte das für etwas ſich ſelbſt Widerſprechendes und folglich Unmög⸗ liches halten. Aber ſchon in der Natur findet doch etwas Aehnliches ſtatt. Es iſt ja dieſelbe Sonne, welche das edle Wachs weich, dagegen aber den Schmutz auf der Straße hart macht. Dieſelbe Arzenei heilt den einen und tödtet den andern. Ein und derſelbe Magnet zieht an und ſtößt ab. Ver⸗ ſchmähte Liebe wandelt ſich in Haß. — Aber damit iſt freilich die ſo ver⸗ ſchiedene Wirkung des Wortes Gottes längſt noch nicht erklärt. Denn Wachs und Koth, dieſer Kranke und jener andere ſind ja ſchon von vorn⸗ herein ganz verſchiedener Art. Die Perſonen aber, an welche Gottes Wort kommt, ſind dagegen in Bezug auf Gott und ſein Wort von Natur ganz und völlig gleich. „Es iſt hie kein Unterſchied; ſie ſind allzu⸗ mal Sünder“ ꝛc. — Es hilft auch nicht, daß man ſagt: Es iſt eigentlich nicht Gott, ſondern der Menſch ſelbſt, der ſich verſtockt. Denn wir leſen: „Gott verſtockte Pharao.“ Es hilft ebenſowenig, zu ſagen: Der Menſch verſtockt ſich wohl am Worte, aber nicht durch das Wort. Denn das Evangelium iſt ja nach ſeiner eigenen Ausſage nicht etwa bloß ein Ge⸗ ruch des Lebens zum Leben, ſondern auch des Todes zum Tode. Und das heißt doch: es verſtockt ſeine Verächter. Ja, Chriſtus ſelbſt iſt ja geſetzt „zum Fall und Auferſtehen“. Spricht er doch auch mit den deut⸗ lichſten Worten: „Ich bin zum Gericht in dieſe Welt gekommen, auf daß, die da nicht ſehen, ſehend werden, und die da ſehen, blind werden.“ — Verſuchen wir alſo nur nicht, dieſes Geheimniß unſerer Vernunft klar und annehmbar zu machen! Bleiben wir einfach bei dem, und zwar bei alle dem, was die heilige Schrift davon ſagt. Alſo: Wohl verſtockt der Menſch ſich ſelbſt; aber da gibt ihn Gott dahin in verkehrten Sinn. Wohl verhärtet er ſich am Evangelio; aber nach Gottes heiligem Strafwillen ſoll es gerade das Evangelium ſein, durch welches er verſtockt wird. Und wenn Gott wirklich Gott iſt, ſo kann ja doch auch ſchlechterdings nichts gegen, oder auch nur ohne ſeinen Willen geſchehen. Weil denn dies ſo iſt und auch ſo bleiben wird bis an der Welt Ende, ſo hoffe nur keiner unter uns, weder daß es vor dem jüngſten Tage allge⸗ meinen Frieden geben werde, noch auch, daß er wenigſtens für ſeine Perſon