# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neunten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1899. 17 Da ſpricht man denn vielleicht: So meint ihr denn etwa gar, es ſolle, müſſe und werde auf dieſer Erde ſtets Krieg und Feindſchaft bleiben? Es hätten ſich alſo die heiligen Engel geirrt, als ſie ſangen: Friede auf Erden? Hat denn aber nicht auch der HErr ſelbſt mit den deutlichſten Worten ge⸗ ſprochen: „Den Frieden gebe ich euch; meinen Frieden laſſe ich euch“? Wir antworten: Freilich, ſo hat unſer Heiland geſagt. Aber weshalb laßt ihr denn die folgenden Worte aus: „Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt“? Und habt ihr denn nicht auch geleſen: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen auf Erden, ſondern das Schwert“? Könnt ihr denn wirklich nicht ſehen, daß der Friede, welchen JEſus verheißt, etwas ganz anderes, als der äußerliche, weltliche Friede iſt, nämlich der Friede mit Gott, der geiſtliche Friede, welchen der HErr ſelbſt erworben und nur den Seinen zugeſprochen hat, den alſo die Welt nicht haben, geſchweige denn geben kann? Aber wie offenbar und wie groß iſt doch dieſer Unter⸗ ſchied! Den äußerlichen Frieden nämlich kann ja niemand für ſich ſelbſt allein haben und auch nicht länger als ſein Nachbar will. Und wie oft und deutlich ſagt doch der HErr voraus, daß die Feindſchaft gegen ihn, gegen ſein Wort und gegen ſeine Jünger nicht nur nicht abnehmen, ſondern vielmehr immer heftiger entbrennen werde, bis er endlich bei ſeiner Wiederkunft die Seinen für immer aus aller Noth errettet und zum ewigen Frieden einführt! Wohl, wohl alſo denen, welche unter alle dem Streit und Krieg der Welt zu dem geiſtlichen Frieden gelangen, welchen der Friedensfürſt den Seinen durch ſein Evangelium ſchenkt. Während jeder andere Friede, auch derjenige, den man durch ſtaatskluge Compromiſſe zwiſchen kirchlichen Körperſchaften herzuſtellen ſucht, jeden Augenblick in bittern Streit umſchlagen kann, bleibt der Friede Gottes im Herzen, auch wenn dies Herz von außen her gar ſehr beunruhigt wird, ſo lange es noch im Glauben an ſeinem Heilande hängt. Denn gleichwie im Welt⸗ meere, auch wenn auf ſeiner Oberfläche die Wellen wild durch einander wogen, dennoch tief unten im Grunde alles fein ſtille und ruhig bleibt: ſo iſt auch in dem Herzen, welches am Worte JEſu hängt, immer noch ein verborgen Plätzlein, wo, ſelbſt unter allen Anfechtungen, der Friede Gottes bleiben kann und bleibt. Es iſt ja der Friede, welcher über alle Vernunft geht. Und dieſer Friede ſoll nun aber auch nicht immer verborgen bleiben. Er ſoll einmal hervorbrechen, und aus allen Herzen, worinnen er heimlich weilte, herausleuchten. Er ſoll ſogar wie das rechte himmliſche Sonnenlicht einmal die ganze Erde durchſtrahlen und durchleuchten. Aber — die neue Erde, die Erde, auf welcher Gerechtigkeit wohnt und lauter Friedenskinder wandeln. — Bis dahin aber — vergeſſen wir das nicht! — wird Krieg und Streit und blutig Kleid auf dieſer alten Erde bleiben. Und zwar Krieg und Streit zwiſchen Vater und Sohn, Mutter