# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1899_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der 24ſten Allgemeinen oder ſtande, unſerm Hochmuthe, unſerer Streitſucht. Damit aber thut man uns Unrecht, wirklich Unrecht und groß Unrecht. Auch in unſerer Bibel ſtehen ja die ſchönen Sprüche vom Frieden. Auch wir wiſſen ja doch, daß Gott ſich einen Gott des Friedens nennt. Er ruft ja auch uns zu: „Jaget nach dem Frieden mit jedermann. Selig ſind die Friedfertigen.“ Streitluſt, Zankſucht gilt ja auch bei uns für einen Greuel. Wer es wiſſen will, kann ferner auch wiſſen, daß wir uns ſogar nicht geſchämt haben, etwas zurück⸗ zunehmen, was nicht genau genug geredet war; ja, daß in mehreren Fällen gerade wir es geweſen ſind, welche zuerſt die Hand zum Frieden boten. Wahrlich, auch wir ſäßen nur zu gerne ein jeglicher unter ſeinem Weinſtock und Feigenbaum. Es iſt nur zu viel auch in uns, was uns zum Frieden lockt. Auch unſer alter Adam ließe nur allzugern fünf gerade ſein. — Es iſt nur Eins, was uns im Wege ſteht, in allen Dingen und um jeden Preis Frieden zu halten. Und das iſt etwas in unſerm neuen Menſchen. Es iſt das Wort Gottes in heiliger Schrift. Das hält unſer Gewiſſen gefangen. Das läßt uns auch in dieſer Hinſicht keinen freien Willen. Denn es ruft uns zu: „Haltet ob dem Wort, das gewiß iſt. Thut nichts davon, noch dazu. Kämpft ob dem Glauben, welcher einmal den Heiligen vorgegeben iſt. Leidet euch als die guten Streiter Chriſti. Weichet nicht, weder zur Rechten, noch zur Linken. Widerſtehet bis aufs Blut.“ — Dieſe Worte ſtaken auch unſerm Luther im Gewiſſen, als er ſchrieb (Erlanger Ausg., 19, 269): „Nein, lieber Mann, mir nicht des Friedens und der Einigkeit, darüber man Gottes Wort verleuret! Denn damit wäre ſchon das ewige Leben und alles verloren. Es gilt hier nicht weichen, noch etwas einräumen, dir oder einigen Menſchen zu Liebe; ſon⸗ dern dem Worte ſollen alle Dinge weichen, es heiße Feind oder Freund. Denn es iſt nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen gegeben. Das Wort und die Lehre ſoll chriſtliche Einigkeit oder Gemeinſchaft machen. Wo die (Lehre) gleich und einig iſt, da wird das andere auch wohl folgen. Wo nicht, ſo bleibt doch keine Einigkeit. Darum ſage mir nur von keiner Liebe noch Freundſchaft, wo man dem Wort oder Glauben will abbrechen. Denn es heißt nicht, die Liebe, ſondern das Wort bringt ewiges Leben, Gottes Gnade und alle himm⸗ liſchen Schätze. — Das aber wollen wir gern thun, daß wir äußerlichen Frieden mit ihnen halten, als wir in der Welt thun müſſen mit jeder⸗ mann. . . . Aber der Lehre und chriſtlichen Gemeinſchaft halber wollen wir nichts mit ihnen zu thun haben, noch ſie für Brüder, ſondern für Feinde halten, weil ſie auf ihrem Irrthum wiſſentlich beharren, und (wollen) wider ſie fechten durch unſern geiſtlichen Kampf. Darum iſt es ein teufliſcher, betrüglicher, liſtiger Anlauf, der ſolches vorgibt und fordert, daß man ſolle etwas weichen und einen Irrthum zugut halten, um Einigkeit willen, womit er uns ſucht liſtiglich vom Wort ab⸗ zuführen.“ —